Clintons Mobilisierung Das Millionen-Minus

Donald Trump holte weniger Stimmen als die republikanischen Kandidaten 2008 und 2012. Dass er trotzdem triumphierte, hat zwei Gründe. Einer heißt Hillary Clinton.

Hillary Clinton
AFP

Hillary Clinton

Von , und (Grafik)


Die ersten Bilder von der Wahl in den Vereinigten Staaten zeigten vor allem eines: lange Schlangen. In den sozialen Netzwerken verbreiteten sich Aufnahmen von Menschen, die mit ihren Smartphones scheinbar endlose Reihen von Wartenden vor einzelnen Wahllokalen gefilmt hatten.

Der Eindruck täuschte. Schätzungen zufolge liegt die Wahlbeteiligung zwischen 51 und 52 Prozent - konkrete Zahlen liegen in den USA üblicherweise erst einige Tage nach der Abstimmung vor. 2012 hatten sich noch 54,9 Prozent der Wahlberechtigen beteiligt, auch das war im historischen Vergleich schon ein schwacher Wert.

Für eine Person wurde die niedrige Wahlbeteiligung zum Verhängnis: Hillary Clinton. Die Demokratin, das lässt sich nun absehen, hatte gewaltige Probleme, Wähler zu mobilisieren, die Präsident Barack Obama bei den vergangenen beiden Abstimmungen noch ins Amt verholfen hatten.

Nur etwa 59,9 Millionen Amerikaner votierten für Clinton - Obama hatte 2012 noch 65,9 und 2008 gar 69,5 Millionen Stimmen geholt. Die traurige Bilanz der Demokratin: Ein Minus von sechs Millionen Wählern. Da half es Clinton auch nicht, dass auch Donald Trump bei der Gesamtzahl der Stimmen schlechter dasteht als seine Vorgänger. Denn hier fallen die Unterschiede deutlich geringer aus. (Warum Clinton insgesamt vorne liegt, trotzdem aber nicht Präsidentin wird, lesen Sie hier.)

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Häufig heißt es nun, Trump habe gewonnen, weil er die enttäuschte weiße Arbeiterschaft mobilisiert hat. Das stimmt, genauso richtig ist jedoch, dass Clinton es nicht geschafft hat, ihre wichtigsten Unterstützergruppen zur Wahl zu bewegen.

Die Demokratin hatte ihren Wahlkampf entscheidend darauf angelegt, dass jene Gruppen, die Barack Obama 2008 und 2012 zum Präsidenten machten, auch sie unterstützen würden. Also die Schwarzen, die Latinos und die jungen Wähler.

Nicht nur, dass aus diesen Gruppen offenbar viele auf ihr Wahlrecht verzichteten - Clinton büßte im Vergleich zu Obama auch bei jenen Stimmen ein, die zur Wahl gegangen sind.

So kommt sie bei schwarzen Wählern laut Nachwahlbefragungen zwar auf eine Unterstützung von 88 Prozent, bei Obama waren es 2012 aber fünf Prozentpunkte mehr.

Bei zwei weiteren Gruppen sieht es ähnlich aus: Clinton holte unter den Latinos zwar 65 Prozent und bei den 18- bis 24-Jährigen 54 Prozent. Obama erreichte auch hier 2012 jedoch deutlich bessere Werte (71 und 60 Prozent).

Wo das Pendel in Richtung Trump ausschlug
Nettogewinne/-verluste im Vergleich zur Wahl 2012*

Aktuelle Entwicklungen nach der US-Wahl lesen Sie in unserem Newsblog. Wo Trump besonders stark abgeschnitten hat, zeigt unsere Grafikanalyse.

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Seite 1
EinJemand 10.11.2016
1.
Spiegel versucht uns seit einem halben Jahr klarzumachen, dass Hillary Clinton eindeutig die Nase vorn hat, Umfragewerte besser als Trump usw. Und nun schwenkt ihr um, wollt die Antworten zur neuen Lage haben. Die Amis haben dazu ein Sprichwort, welches man auch hierzulande kennt: "The boy who cried wolf."
Nonvaio01 10.11.2016
2. toll
das fazit ist dann wohl, Sie war die falsche kandidatin, eine von den medien gepuschte kandidatin mit fragwuerdigem track record wollte man dann wohl doch nicht.
Sammi ElPadre 10.11.2016
3. Also
ist es letzten Endes das selbe wie beim Brexit. Die jungen Menschen jammern, bekommen ihren A**** aber nich an die Wahlurne
mkalus 10.11.2016
4. Tja, das war abzusehen...
... den den Wahlkampf den Clinton und ihre Freunde in der Presse gefuehrt haben waren kein Wahlkampf fuer Clinton sondern einer gegen The Donald. Ich hab schon ein paar Monate lang vermutet das Clinton sich da selber in den Fuss schiesst, denn die Achillesferse der Demokraten war von jeher eine niedrige Wahlbeteiligung. Aber ich bin mir sicher das hier gleich wieder Experten auflaufen werden die uns allen Erzaehlen wie das alles die Schuld von alten, weissen Maennlichen Frauenhassern und Rassisten ist. Denn die Koenigin hat ja nur deshalb verloren.
blitzunddonner 10.11.2016
5.
der hauptgrund ist trump. er wurde und wird vielfach als politikunerfahren dargestellt. auch das ist total falsch gewesen. schaut man sich die kampagne genau an, dann ist sie höchst professionell gewesen. und da die putin-kontakte ja nun offiziell sind, häng ich mich aus dem fenster und behaupte, dass die massenpsychologische beratung aus dem kreml kam. dort ist man in diesem genre einsame spitze. klar, mit sanders als vize oder michell hätte sie vielleicht die herzen erobern können und dem etwas effektives entgegensetzten können. aber die demokraten haben die dreistigkeit und die cleverness des trump-teams völlig unterschätzt.
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