Chapel Hill Erdogan fordert Stellungnahme von Obama zu Mord an Muslimen

Craig Stephen Hicks hat drei Muslime in North Carolina erschossen. Tötete er sie wegen eines Streits um Parkplätze - oder aus Hass auf den Islam? Der türkische Präsident Erdogan fordert von US-Präsident Obama eine Erklärung.

Türkischer Premier Erdogan (r.): Fordert klare Worte von US-Präsident Obama
REUTERS

Türkischer Premier Erdogan (r.): Fordert klare Worte von US-Präsident Obama


Raleigh/Istanbul - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Barack Obama aufgefordert, zu der Ermordung dreier Muslime im US-Bundesstaat North Carolina Stellung zu nehmen. Dies erklärte er während eines Staatsbesuchs in Mexiko. Politiker seien verantwortlich für die Ereignisse in ihrem Land und müssten ihre Haltung erklären, so Erdogan. Neben Obama sieht Erdogan auch dessen Vize Joe Biden und den US-Außenminister John Kerry in der Erklärungspflicht.

Ein Mann, seine Ehefrau und dessen Schwester waren am helllichten Nachmittag in ihrem eigenen Haus in Chapel Hill erschossen worden. Der Täter ist geständig: Craig Stephen Hicks stellte sich selbst der Polizei. Sein Motiv ist allerdings unklar. Die Polizei vermutet einen Nachbarschaftsstreit um Parkplätze als Auslöser. Doch die Familienangehörigen der Opfer sind überzeugt, dass Hicks die drei aus Hass auf den Islam getötet hat.

Der zuständige Staatsanwalt sagte am Mittwoch, es gebe keine Hinweise darauf, dass die drei wegen ihres Glaubens getötet worden seien. Bei dem Begräbnis, zu dem am Donnerstag mehr als 5000 Menschen gekommen waren, sagte der örtliche Polizeichef, man werde jeder Spur nachgehen und auch die Möglichkeit eines Mordes aus religiösen Motiven untersuchen.

Hicks bezeichnet sich selbst als "bewaffneten Atheisten". Am 4. März soll er vor einem Untersuchungsrichter aussagen. Nachbarn berichteten, dass sie mit ihm regelmäßig in Streit geraten seien. Seine Ex-Frau sagte US-Medien, er sei besessen von dem Film "Falling Down". Der Film zeigt einen amerikanischen Durchschnittsmann - gespielt von Michael Douglas -, der eines Tages ausrastet, ein Restaurant überfällt und zum Mörder wird.

In Chapel Hill und Umgebung leben viele Muslime, die nun um ihre Sicherheit besorgt sind. Sie berichten davon, dass sich nach den Anschlägen von Paris Anfang Januar die Stimmung in der Gegend merklich verändert habe. So stoppte die Duke University in North Carolina den Plan, am Freitag einen Muezzin zum islamischen Gebet rufen zu lassen. Die Hochschule hatte Drohungen erhalten.

vet

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.