Ernährung IWF-Chef Strauss-Kahn befürchtet Kriege wegen Hunger

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor dramatischen Folgen der Ernährungskrise. Er rief die internationale Gemeinschaft auf, das Problem ernsthaft in Angriff zu nehmen - sonst drohten womöglich Kriege.


Paris - IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wählte heute dramatische Worte, um die möglichen Auswirkungen der Krise zu veranschaulichen. "Es besteht die Gefahr von Kriegen, das Schlimmste liegt vielleicht noch vor uns", sagte er dem französischen Radiosender Europe-1. Die Menschen richteten sich in Hungerrevolten gegen ihre Staatsführungen, sie brächten demokratisch gewählte Regierungen zu Fall wie jüngst auf Haiti. "Wenn die Spannungen über die Anzweifelung der Demokratien hinaus steigt, besteht die Gefahr von Kriegen", warnte Strauss-Kahn. "Hunderte Millionen Menschen werden betroffen sein." Ein "echtes Problem" sei neben der steigenden Nachfrage und der Finanzspekulation die Produktion von Biotreibstoff.

"Das Schlimmste liegt vielleicht noch vor uns": Dominique Strauss-Kahn warnt vor schlimmen Folgen der Hungerkrise
AFP

"Das Schlimmste liegt vielleicht noch vor uns": Dominique Strauss-Kahn warnt vor schlimmen Folgen der Hungerkrise

In der Geschichte gebe es viele Beispiele für Kriege, die wegen derartiger Probleme begonnen hätten. Die Welt müsse begreifen, dass die Krise extrem schwerwiegend sei. Der IWF-Chef rief zu einer Anhebung der Agrarproduktion auf, um die wachsende Nachfrage insbesondere in China und Indien decken zu können. Zugleich warnte er vor der "Versuchung des Protektionismus" der größten Nahrungsmittelproduzenten.

Eine Lösung liege im Handel. "Ein Ausweg aus der Hungerkrise ist die Ausweitung des internationalen Handels, der Produktströme." Angesichts des wachsenden Bedarfs Chinas und Indiens dürften die Industriestaaten nicht protektionistisch sein. Kurzfristig müsse das Welternährungsprogramm einspringen, während der IWF für eine Umorientierung der Wirtschaftspolitik arbeiten müsse.

Den am stärksten Betroffenen Ländern stellte Strauss-Kahn Hilfe des IWF in Aussicht. Die Organisation überarbeite derzeit ihre Prozeduren, die unzureichend auf die Nahrungsmittelkrise ausgerichtet gewesen seien. "Es ist unsere Aufgabe, den Staaten zu einem ausgeglichenen Außenhandel zu verhelfen."

ler/AP/dpa



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