Erste Annäherung Indien und Pakistan reichen sich die Hand

Erstmals seit den Anschlägen von Mumbai haben sich Indiens Premier Singh und Pakistans Präsident Zardari getroffen - hinter den Kulissen eines Schwellenländer-Gipfels in Russland. Im Ton verlief das Gespräch freundlich, in der Sache blieb Indien hart: Pakistan müsse dem Terrorismus abschwören.


Jekaterinburg - Nach mehr als einem halben Jahr eisigen Schweigens keimen in Indien und Pakistan Hoffnungen auf eine erneute Annäherung: Indiens Premierminister Manmohan Singh und Pakistans Präsident Asif Ali Zardari trafen sich am Dienstag bei einem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) im russischen Jekaterinburg.

"Ich bin glücklich, Sie zu treffen, aber mein Auftrag ist es, Ihnen zu sagen, dass von pakistanischem Gebiet kein Terrorismus ausgehen darf", sagte Singh nach Angaben indischer Zeitungen bei der Begrüßung von Zardari.

Zardari, Singh (von links): Verzicht auf offizielles Handeschütteln
REUTERS

Zardari, Singh (von links): Verzicht auf offizielles Handeschütteln

Tiefpunkt der Beziehung beider Länder ist der 26. November 2008 - ein Datum, das sich in das indische Gedächtnis eingebrannt hat. 26/11 ist den Menschen ebenso geläufig wie 9/11, die Angriffe von al-Qaida auf die USA. Am Abend dieses Tages zogen zehn islamistische Terroristen durch das Zentrum von Mumbai, erschossen Menschen in Hotels, in einem Bahnhof und einem jüdischen Zentrum, ließen Bomben explodieren und erschütterten die Stadt nachhaltig.

Annäherung, aber kein Durchbruch

Die indische Regierung legt die Anschläge, bei denen 166 Menschen ums Leben kamen, pakistanischen Tätern zur Last. Sie sieht die in Pakistan ansässige Extremistengruppe Lashkar-e-Toiba als Drahtzieher der Tat. Der einzige Überlebende der zehn Attentäter ist pakistanischer Staatsbürger. Singh äußerte gegenüber Zardari auch seine Enttäuschung darüber, dass Hafeez Mohammed Saeed, nach indischen Erkenntnissen einer der Drahtzieher der Anschläge, aus pakistanischer Haft entlassen wurde.

Neu-Delhi brach den Dialog mit dem Nachbarland Ende November ab und fordert seither von Islamabad ein engagierteres Vorgehen gegen Terrorismus und vollständige Aufklärung der Anschläge von Mumbai. In Pakistan wurde eine Verwicklung pakistanischer Staatsbürger nur scheibchenweise eingeräumt.

Das indische Fernsehen zeigte, wie Singh und Zardari sich am Dienstagmittag freundschaftlich begegneten und sich beide Hände reichten. Bei den Aufnahmen der offiziellen Fotos vom Gipfel verzichteten sie jedoch auf eine solche Geste. Für den Nachmittag sind Gespräche der beiden Politiker angesetzt.

Beobachter werten das Treffen als eine Annäherung, zweifeln aber an einem baldigen Durchbruch im angespannten Verhältnis der beiden Atomstaaten. Insbesondere die USA dringen auf eine Versöhnung, damit sich Pakistan auf den Kampf gegen die Taliban im Grenzgebiet zu Afghanistan konzentrieren kann. Pakistan ist für eine Wiederaufnahme eines fünfjährigen Friedensprozesses mit Indien bereit, Indien macht jedoch ein härteres Vorgehen Pakistans gegen Terroristen zur Bedingung.

Pakistan ist 1947 als eigenständiger muslimischer Staat aus Indien hervorgegangen, nachdem die Briten ihre Kolonialherrschaft auf dem Subkontinent aufgaben. Seither haben Indien und Pakistan drei Kriege und mehrere Gefechte gegeneinander geführt. Die beiden Atommächte streiten vor allem um die Region Kaschmir, die zwischen ihnen aufgeteilt ist. Indien wirft Pakistan vor, Islamisten in ihrem seit bald 20 Jahren andauernden Aufstand gegen die indische Herrschaft in Kaschmir zu unterstützen.

kaz/Reuters/AFP



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