Bedrohung durch Nordkorea Erster Sirenentest - Hawaii führt Warnung vor Atomangriff wieder ein

Hawaii übt für den Ernstfall: Angesichts der jüngsten nordkoreanischen Raketentests hat der US-Bundesstaat Hawaii erstmals seit Ende des Kalten Kriegs Sirenen getestet, die vor einem Atomangriff warnen.

Notfallbehörde in Honolulu, Hawaii
DPA

Notfallbehörde in Honolulu, Hawaii


Der US-Bundesstaat Hawaii hat am Freitag erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges wieder Sirenen getestet, die vor einem atomaren Angriff warnen sollen. Vor dem Hintergrund einer möglichen Bedrohung durch Nordkorea hatte der Pazifikstaat diese Maßnahme zuvor angekündigt, um Hawaiis Einwohner so für einen Ernstfall zu sensibilisieren. Pjöngjang hatte in den vergangenen Monaten mehrfach gedroht, US-Gebiet zu attackieren.

Erst sei das übliche Warnsignal für Naturkatastrophen, wie Tsunami oder Hurrikans, getestet worden, gefolgt von der einminütigen Sirene, die vor atomaren Angriffen warnt, berichtete die Zeitung "Star Advertiser". Der Signalton habe bei ihm Gänsehaut ausgelöst, sagte ein Urlauber aus Oregon dem Blatt. Die Sirenen sollen nun am ersten Wochentag eines jeden Monats getestet werden.

Die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs sei vielleicht gering, sagte der Gouverneur des Bundesstaats Hawaii, David Ige, doch es sei absolut notwendig, vorbereitet zu sein. Teil der Sirenenübung sei eine Unterrichtung der Bevölkerung, was im Ernstfall zu tun sei. Wenn Nordkorea tatsächlich eine Rakete abfeuere, bleibe den Einwohnern Hawaiis und den Touristen weniger als 20 Minuten, um sich in Sicherheit zu bringen.

Bunkerplätze für die Bevölkerung gibt es in Hawaii nicht in ausreichender Zahl. Wenn das Alarmsignal ertönt, sollen die Menschen im nächsten Gebäude Schutz suchen - und nicht wieder herauskommen, bis es von den Behörden Entwarnung gibt. Die Empfehlung lautet: Radio hören, warten.

Hawaii liegt etwa 7400 Kilometer von Nordkorea entfernt. Dort leben etwa 1,4 Millionen Menschen. Auf Hawaii ist auch das Pazifikkommando der US-Flotte stationiert.

Im Video: Hawaii testet Sirenen-Warnung vor Atomangriff

REUTERS

Rakete mit 13.000 Kilometer Reichweite

Zuletzt hatte Nordkorea am vergangenen Mittwoch eine Hwasong-15-Rakete getestet, die mit einer Reichweite von 13.000 Kilometersogar das amerikanische Festland erreichen köntte. Machthaber Kim Jong Un hatte danach erklärt, der Test habe seinem Land geholfen, den Status einer Atommacht zu erreichen.

Nach Angaben von US-Verteidigungsminister James Mattis flog die nordkoreanische Rakete so hoch wie keine vor ihr. Wegen der großen Reichweite sei dies grundsätzlich eine Gefahr für jedes Land, sagte Mattis. Offensichtlich setze Nordkorea seine Bemühungen zum Bau einer Interkontinentalrakete fort, die sowohl die USA wie die Welt bedrohe.

Allerdings ist weiter fraglich, ob die Sprengköpfe auf Nordkoreas Raketen auch den Wiedereinstieg in die Erdatmosphäre heil überstehen, was als besonders kritisch gilt. (Wie Experten die Fähigkeiten des nordkoreanischen Raketen einschätzen, lesen Sie hier.)

Die Reaktionen auf den neuen Raketentest kamen prompt - und waren gewohnt deutlich. Kanzlerin Angela Merkel verurteilte "Nordkoreas neueste Provokation" scharf. "Es ist wichtiger denn je, gegen die Bedrohung der internationalen Sicherheit durch Pjöngjang zusammenzustehen", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

Als diplomatische Reaktion auf den Test schränkt Deutschland seine Beziehungen zu Nordkorea ein. Ein deutscher Diplomat - aber nicht der Botschafter - wird aus der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang abgezogen, sagte Außenminister Sigmar Gabriel bei seinem Besuch in Washington. Die Bundesregierung habe zugleich Nordkorea aufgefordert, Diplomaten aus der Botschaft in Berlin abzuziehen. Den von den USA geforderten Abzug des Botschafters aus Pjöngjang lehnt Deutschland aber weiter ab.

oka/AP/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
frenchie3 02.12.2017
1. 20 Minuten Zeit
Das reicht nicht mal dazu sich so vollzudröhnen um nichts mehr mitzubekommen. Dazu, wer hat schon immer die Schnapsflasche dabei? Einen echten Bunkerplatz zu finden funzt wohl nur wenn man einen im Garten hat und zufällig in diesem ist. Ob ich da wissen will daß ich in 20 Minuten rin Grillhähnchen imitiere?
pansatyr 02.12.2017
2. Ein kluger Politiker
sagte einmal: Der Frieden ist der Ernstfall. Das haben die gegenwärtigen Präsidentendarsteller leider völlig verdrängt; sie haben leichtfertig und ohne Not und aus purer demagogischer Idiotie den Frieden gefährdet. Die nationalen Populisten führen regelmäßig zu: War first
dedroog 02.12.2017
3. HaHa...
..duck and cover...
Lankoron 02.12.2017
4. Vllt die Diplomaten
nicht ausweisen...aber wenigstens sollte Deutschland die Nordkoreaner an ihren Geschäften in Deutschland hindern.
Trevor Philips 02.12.2017
5.
Zitat von dedroog..duck and cover...
Macht durchaus Sinn, ist aber ab einer gewissen Unwissenheit natürlich nicht oder nur sehr schwer zu verstehen. Ein dümmliches HaHa ändert daran nichts.
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