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Eliteeinheit der Bundeswehr: Erstmals KSK-Soldat in Afghanistan getötet

Bei dem in Nordafghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten handelt es sich um ein Mitglied der Eliteeinheit "Kommando Spezialkräfte". Das bestätigte Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Berlin. Damit ist erstmals ein KSK-Soldat in Afghanistan gefallen.

Kabul/Berlin - Der in Afghanistan getötete Bundeswehrsoldat gehörte der Eliteeinheit "Kommando Spezialkräfte" (KSK) an. "Es ist der erste KSK-Soldat, der in Afghanistan gefallen ist", sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Berlin. "Das ist eine schmerzliche, bittere Nachricht. Sie erschüttert uns alle." Die Bundeswehr und ganz Deutschland trauerten um den Gefallenen. "Ich bin unendlich traurig", sagte de Maizière.

Wie die Bundeswehr auf ihrer Webseite mitteilte, hatten die Spezialkräfte eine afghanische Militäroperation in der Provinz Baghlan begleitet. Als Aufständische die Soldaten beschossen, sei Luftunterstützung angefordert worden. Bei der anschließenden Untersuchung der Schäden durch den Luftschlag seien die Soldaten erneut beschossen worden. "Dabei wurden ein deutscher Soldat getötet und ein deutscher Soldat verwundet", heißt es in der Mitteilung. Der Verletzte sei inzwischen in ärztlicher Behandlung, die Angehörigen seien informiert worden.

Ob es unter den afghanischen Soldaten ebenfalls Tote oder Verletzte gegeben hat, ist noch unbekannt. Es seien aber vermutlich mehrere Aufständische getötet worden, hieß es in der Mitteilung. Zivilisten seien nach bisherigen Erkenntnissen nicht zu Schaden gekommen.

Hubschrauber beschossen

De Maizière dementierte eine Meldung der Taliban, nach der in der Provinz Kundus deutsche Soldaten bei einem Sprengstoffanschlag getötet worden sein sollen. Nach Angaben des Ministers ist der in Baghlan verletzte Soldat außer Lebensgefahr.

Der Angriff werde an der Strategie der Bundeswehr in Afghanistan nichts ändern, betonte de Maizière. "Der Weg bleibt richtig", sagte er. Das gelte auch für die geplante Truppenpräsenz nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014. "Wir lassen das afghanische Volk nicht im Stich", betonte der Minister.

Nur wenige Stunden nach dem tödlichen Vorfall in Baghlan kam die Bundeswehr in der gleichen Region Nordafghanistans erneut unter Feuer. Nach ersten Angaben der Bundeswehr wurden am späten Abend zwei deutsche Hubschrauber vom Typ CH-53 auf der Flugstrecke zwischen der Ortschaft Khilagay und der Hauptstadt Kabul "mit Flugabwehr- und Handwaffen aufständischer Kräfte" beschossen, offenbar aber verfehlte das Feuer die beiden Helikopter.

In dem afghanischen Armeelager von Khilagay ist eine kleine Einheit des deutschen Kommando Spezialkräfte (KSK) stationiert, die dort eine Eliteeinheit der afghanischen Polizei trainieren. Ob die beiden Vorfälle in einem Zusammenhang stehen, teilte die Bundeswehr bisher nicht mit. Die KSK-Soldaten, die zuvor unter Feuer geraten war und dabei einen Kameraden verloren, begleiteten ebenfalls eine afghanische Polizeieinheit, die nach Bundeswehrangaben deutsche Begleitung bei einer Routineoperation angefordert hatte.

Schweigeminute auf FDP-Parteitag

Mit einer Schweigeminute gedachte der FDP-Parteitag in Nürnberg des getöteten Soldaten. Auf Bitte von Parteichef Philipp Rösler erhoben sich die Delegierten. Der Vizekanzler sagte: "Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen und bei der Familie, bei den Freunden und bei seinen Kameraden."

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. Er wünsche der Familie und den Freunden "die Kraft, dass sie diesen furchtbaren Verlust verkraften", sagte Westerwelle am Rande des Parteitags.

"Wir fühlen und leiden auch mit dem Verwundeten, auch er ist in unseren Gedanken", fügte er hinzu. Westerwelle bezeichnete den Tod des Soldaten als "Rückschlag für unseren Einsatz in Afghanistan". Dieser sei schwer und gefährlich - "umso wichtiger ist es, dass wir den Soldaten, die im Afghanistan im Einsatz sind, unseren Dank zum Ausdruck bringen", hob er hervor.

KSK-Einsätze streng geheim

Das rund 1000 Mann starke "Kommando Spezialkräfte" wurde 1996 gegründet; die Eliteeinheit ist auf militärische Sonderaufträge im Ausland spezialisiert. Stationiert ist das KSK in Calw im Schwarzwald.

Die Einsätze des KSK werden streng geheim gehalten. Allerdings gibt es immer wieder Berichte und Spekulationen über Kommandoaktionen. Die ersten Einsätze fanden von 1998 an auf dem Balkan statt. In Afghanistan ist das KSK seit 2001 wahrscheinlich mit Unterbrechungen im Einsatz.

Am Hindukusch nimmt die Gewalt wieder zu, seit in Afghanistan mildere Temperaturen herrschen. Erst am vergangenen Sonntag hatten die Taliban den Beginn einer Frühjahrsoffensive ausgerufen.

Ebenfalls am Samstag wurden in Afghanistan sieben US-Soldaten getötet. Fünf davon starben bei einem Sprengstoffanschlag im Süden des Landes. Im Westen erschoss ein afghanischer Soldat zwei amerikanische Kameraden. Der Samstag war damit der verlustreichste Tag für die Isaf seit Jahresbeginn.

Zuletzt war vor fast zwei Jahren - am 2. Juni 2011 - ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan gefallen. Den bislang letzten Verwundeten hatte die Bundeswehr im Februar beim Sturm auf ein Versteck Aufständischer bei Kunduz zu beklagen.

rls/dpa

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1.
herr_kleint 05.05.2013
Zitat von sysopReutersBei dem in Nordafghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten handelt es sich um ein Mitglied der Eliteeinheit "Kommando Spezialkräfte". Das bestätigte Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Berlin. Damit ist erstmals ein KSK-Soldat in Afghanistan gefallen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/erstmals-deutscher-ksk-soldat-in-afghanistan-getoetet-a-898164.html
Für was genau ist der Soldat nochmal gestorben? Mein aufrichtiges Beileid.
2.
kuddel37 05.05.2013
Zitat von sysopReutersBei dem in Nordafghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten handelt es sich um ein Mitglied der Eliteeinheit "Kommando Spezialkräfte". Das bestätigte Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Berlin. Damit ist erstmals ein KSK-Soldat in Afghanistan gefallen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/erstmals-deutscher-ksk-soldat-in-afghanistan-getoetet-a-898164.html
Jaja, er opferte sinnlos sein Leben um Deutschland am Hindukush zu verteidigen.
3. Nun..
warndtbewohner 05.05.2013
was haben die da auch zu suchen. Wir brauchen keine BW in Afghanistan. Nach dem Abzug wird abgerechnet. Die "Volksverräter" die dann mit den Natotruppen kollaboriert haben werden ihrem Schickal ueberlassen. Ein Ding der Unmöglichkeit, das Land wird dann wieder an die Taliban fallen..
4.
AnnaLena77 05.05.2013
Zitat von herr_kleintFür was genau ist der Soldat nochmal gestorben? Mein aufrichtiges Beileid.
Weil das deutsche Parlament, der Bundestag dies mit Mehrheit so beschlossen hat, dass in Afghanistan, in unserer aller Namen, unsere Soldaten zum Einsatz kommen. Am 31. Januar 2013 beschloss man eine Verlängerung des Einsatzes bis Feb 2014. 435 Abgeordnete stimmten für den dahingehenden Antrag der Bundesregierung. Es gab 111 Nein-Stimmen und 39 Enthaltungen. Die Regierungskoalition hat 330 Stimmen.
5. Haben sich die ...
JayMAF 05.05.2013
Zitat von sysopReutersBei dem in Nordafghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten handelt es sich um ein Mitglied der Eliteeinheit "Kommando Spezialkräfte". Das bestätigte Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Berlin. Damit ist erstmals ein KSK-Soldat in Afghanistan gefallen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/erstmals-deutscher-ksk-soldat-in-afghanistan-getoetet-a-898164.html
Haben sich die KSK-Soldaten für unverwundbar gehalten ? Es ist Krieg in AFG und bekanntlich "frißt der Krieg seine Kinder". Da wird kein Unterschied gemacht zwischen Zivilbevölkerung oder Militär, selbst bei KSK-Soldaten nicht. Warum sind die deutschen Soldaten eigentlich überhaupt in AFG ? Ach, ich vergaß. In AFG muß unsere Freiheit verteidigt werden. Das wird die Angehörigen mächtig trösten. Meine Oma und ihre Söhne glaubten auch an die gute Sache - bis der erste Sohn über dem Mittelmeer abgeschossen wurde. Da geriet meine Oma ins Grübeln ...
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