Bürgerkrieg Erzbischof Zollitsch warnt vor Gefahr für Christen in Syrien

Deutschlands oberster Katholik Erzbischof Zollitsch warnt vor einer Verschiebung der Kräfteverhältnisse in Syrien zugunsten der Islamisten. Machthaber Assad sei zwar "ein harter Diktator", habe jedoch für Christen "ein Stück Rechtssicherheit geschaffen", sagte Zollitsch der "Bild am Sonntag".

Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz Zollitsch: "Assad ist ein harter Diktator"
DPA

Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz Zollitsch: "Assad ist ein harter Diktator"


Hamburg - Der Plan zur Vernichtung aller syrischen Chemiewaffen steht, das Regime in Damaskus soll innerhalb einer Woche seine Arsenale auflisten. Die USA beharren jedoch darauf, dass ein Luftangriff weiterhin eine Option bleibe, falls das Assad-Regime den Forderungen der internationalen Gemeinschaft nicht nachkommt. Davor warnt nun der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Einen möglichen Luftangriff auf Syrien sieht er als große Gefahr für die christliche Minderheit im Land.

"Schon im Irak mussten wir erleben, dass die Christen die Haupt-Leidtragenden des Krieges waren. Von etwa einer Million Christen im Irak ist heute noch die Hälfte dort. Auch in Syrien könnte ein Militärschlag dazu führen, dass besonders an den Christen Rache genommen wird, obwohl sie gar nicht Bürgerkriegs-Partei sind", sagte Zollitsch der "Bild am Sonntag".

"Schutz und Zuflucht stehen allen Flüchtlingen zu"

Machthaber Baschar al-Assad sei "ein harter Diktator", aber er habe "für die einzelnen Religionsgemeinschaften im Lande ein Stück Rechtssicherheit geschaffen. Auch für die Christen, die bisher dort geordnet leben konnten. Jetzt verschärft sich die Situation. Christen werden umgebracht. Zwei orthodoxe Bischöfe sind entführt worden. Wir wissen immer noch nicht, wo sie sind."

Man müsse befürchten, "dass die radikalen Islamisten an die Macht kommen - vergleichbar mit den Entwicklungen in Ägypten", so Zollitsch. Die katholischen Hilfswerke hätten bereits in Syrien 13 Millionen Euro investiert. "Wir haben dort christliche Gemeinden. Damit können wir uns um Kinder und traumatisierte Menschen kümmern. Wir können für Verpflegung und Medikamente sorgen. Wir möchten, dass die Christen in Syrien bleiben und dort auch eine Zukunft haben", sagte der Erzbischof.

Man helfe auch den syrischen Flüchtlingen in den Lagern in Jordanien und im Libanon. "Schutz und Zuflucht stehen aber ausnahmslos allen Flüchtlingen zu. Die Auswahl erfolgt anhand der Frage, wer besonders stark verfolgt wird", so Zollitsch. Oft seien es "gerade die Christen".

jjc

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insgesamt 92 Beiträge
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farview 15.09.2013
1. Deja vu
Zitat von sysopDPADeutschlands oberster Katholik Erzbischof Zollitsch warnt vor einer Verschiebung der Kräfteverhältnisse in Syrien zugunsten der Islamisten. Machthaber Assad sei zwar "ein harter Diktator", habe jedoch für Christen "ein Stück Rechtssicherheit geschaffen", sagte Zollitsch der "Bild am Sonntag". http://www.spiegel.de/politik/ausland/erzbischof-zollitsch-warnt-vor-luftangriff-auf-syrein-a-922305.html
Genau so ist es. Es ist mir unverständlich, wieso der Westen überall dort wo er eingreift, immer die Islamisten an die Macht bringt. Das ist doch schizophren. Im Irak war es ähnlich, dort war Tarik Aziz 24 Jahre Vizepremier und 8 Jahre Außenminister. Und das als Christ ! Heutzutage undenkbar, aber scheinbar lernt der Westen einfach nichts dazu oder es stecken Interessen dahinter, die wir alle nicht verstehen.
Alter Baum 15.09.2013
2. Islamisten
Unsere Politiker hetzen seit Jahren gegen Assad - weil die USA es so will. Man muss sich mal vorstellen: die USA unterstützen Islamisten mit Waffen. 11. September 2002 vergessen? Es geht nur um die Vormachtstellung im Nahen Osten. Kirchen werden zerstört, Christen getötet. Es wird Zeit, dass Zollitsch den Mund laut aufmacht.
hermann.h. 15.09.2013
3. So und nicht anders ist es!
Assad ist momentan das beste was Syrien passieren kann.
corange 15.09.2013
4. ...Solidarisierung mit den Christen...
Die deutsche katholische Kirche hat einen sehr grossen Einfluß, sowohl wirtschaftlich als auch politisch, doch mehr als nur ober kluge Prognosen zu stellen ist nicht drinnen. Ebenso der Staat, der mit seinen halbherzigen Bemühungen den syrischen Christen helfen möchte, grosszügigerweise 5000 Christen ins Land zu holen. Da ist Bürgerkrieg! Das Christenviertel ist umzingelt, wie sollen die da bittr raus! Während wir von Menschen aus dem Morgenland überflutet werden kriegen wir es nicht hin, unsere eigenen Glaubensbrüder hier her zu holen, die die abendländische Kultur in Deutschland aufrecht erhalten und meistens sogar (besser) ausgebildet sind.
nofclbri 15.09.2013
5. zeitgemäß
er warnt bereits jetzt? was täten wir nur ohne die kirche ... aber es ist natürlich einen artikel wert ...
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