Eurovision Song Contest: Iran wirft Aserbaidschan Beleidigung des Islam vor

Der Eurovision Song Contest in Aserbaidschan soll ein gigantisches Pop-Spektakel werden. Das passt Nachbar Iran gar nicht: Die Regierung in Teheran hat ihren Botschafter abgezogen. Sie beklagt eine Beleidigung des Islam - und wettert gegen angebliche Schwulenparaden in Baku.

"Kristallhalle" in Baku: Wütender Protest aus Iran gegen ESC Zur Großansicht
dapd

"Kristallhalle" in Baku: Wütender Protest aus Iran gegen ESC

Teheran/Baku - Iran hat das ESC-Gastgeberland Aserbaidschan beschuldigt, den Islam zu beleidigen. Die Regierung in Teheran bestellte deswegen den Botschafter des Nachbarlandes ein und zog seinen eigenen Gesandten in Baku zu Beratungen ab.

Dies berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Irna. Der Botschafter Bakus in Teheran habe ein offizielles Protestschreiben erhalten, so Irna weiter. Am 26. Mai steigt in Baku der 57. Eurovision Song Contest (ESC), rund 120 Millionen TV-Zuschauer werden allein in Europa erwartet.

Iranische Geistliche haben Aserbaidschan wegen seiner Ausrichtung des diesjährigen ESC scharf kritisiert. Sie warfen der Regierung in Baku außerdem vor, Kundgebungen von Homosexuellen erlaubt zu haben, die in Iran verboten sind. Tatsächlich fand in Baku noch nie eine Schwulenparade statt.

Beide Länder haben schon länger ein angespanntes Verhältnis. Das ölreiche Aserbaidschan hat seine Kontakte zu den USA in letzter Zeit weiter vertieft - was in Teheran für wenig Begeisterung gesorgt hat. In den vergangenen Monaten hatten iranische Offizielle immer wieder beklagt, im Nachbarland seien israelische Geheimdienstler im Einsatz. Im Februar hatte Israel einen Milliardendeal über Rüstungsexporte nach Aserbaidschan unterzeichnet.

Im Gegenzug erklärte Baku, man habe immer wieder Iraner festgenommen, die Terroranschläge gegen westliche Botschaften und Unternehmen geplant hätten.

Härtere Sanktionen vor neuen Atomgesprächen

Am Mittwoch beginnen Gespräche der fünf Uno-Vetomächte und Deutschlands (5+1) mit Iran über dessen umstrittenes Atomprogramm. Kurz zuvor hat der US-Senat grünes Licht für eine weitere Verschärfung der Wirtschaftssanktionen gegen das Land gegeben.

Unter anderem richten sie sich gegen die einflussreichen iranischen Revolutionswächter und ihre Rolle bei den Ölexporten. Der Beschluss wurde am Montag in Washington einstimmig gefasst.

Der Westen verdächtigt Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie auch ein Atomwaffenprogramm zu betreiben. Der Weltsicherheitsrat hat bereits umfangreiche Sanktionen gegen das Land verhängt.

jok/dapd/AP

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insgesamt 42 Beiträge
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1. Passt nicht
Woody.Woodpecker 22.05.2012
"Der Eurovision Song Contest in Aserbaidschan soll ein gigantisches Pop-Spektakel werden. Das passt Nachbar Iran gar nicht: Die Regierung in Teheran hat ihren Botschafter abgezogen." Das muss dem Iran ja nicht passen. Und wer braucht schon einen iranischen Botschafter in seinem Land?
2.
e-jot 22.05.2012
Weltmeister im Beleidigtsein ist ja auch schon was. Da schlägt den Iran so bald niemand. Die Abwesenheit eines iranischen Botschafters würde ich allerdings eher als eine Wohltat empfinden. Es findet sich bestimmt jemand, der fast genauso gut die immer beleidigte Leberwurst gibt.
3. .
AFH 22.05.2012
Nun beleidigt also eine Pop-Veranstaltung den Islam iranischer Prägung. Und Homosexualität. Muss man da wieder tolerant sein, oder darf man diese Version des Islams als das bezeichnen, was sie ist, nämlich unmenschlich, primitiv, und eines modernen Landes unwürdig?
4. Ddr
jerry_seinfeld 22.05.2012
Das Problem liegt viel tiefer und darauf wird leider nicht so oft hingewiesen: Iraner habe ein "Teil" des iranischen Gebietes, das Azerbaijan hieß, vor ~180 Jahren an Russland verloren. Für viele Iraner und vor allem iranischer Azerbaijaner ist das Land Azerbaijan sowas, was DDR für einige West-Deutsche war. Nur zur Info: Die meisten Azerbaijaner wohnen im Iran. Zum Beispiel Kaiserin Farah und Khamenei sind beide Azerbaijaner :-)
5. Homophobie
fridolinkiesewetter 22.05.2012
pro Forma Beschwerde im Vorfeld eines EU-Weiten Events. Scheinbar wird der ESC im Iran gerne geschaut, Dies erklärt wohl das plötzliches Interesse der "geistigen Führung". Abhaken gut ist. Lustig nur, dass sich auch in Aserbeidschan iranische Agenten fangen lassen. Langsam taugen die wirklich als Vorlage für eine Komödie. Vielleicht sollte man lieber nach Ländern fragen, die noch keine iranischen Agenten gefangen haben. Oder ist das vielleicht die iranische Methode Asyl zu suchen?
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