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Eskalation in Gaza: Israel will Offensive gegen Hamas starten

Gewalt und Gegengewalt im Heiligen Land: Nach ständigem Raketenbeschuss durch die Hamas steht jetzt eine israelische Offensive im Gaza-Streifen bevor - mit harten Luftangriffen und kurzen Einsätzen am Boden. Papst Benedikt XVI. betete in seiner Weihnachtspredigt um Frieden in Nahost.

Tel Aviv/Jerusalem - Es war eine erwartbare Reaktion - und sie kam prompt. Nach dem andauernden Beschuss von Israel durch palästinensische Raketen bereiten die israelischen Streitkräfte jetzt Angriffe auf die radikal-islamische Hamas im Gaza-Streifen vor. Mehreren israelischen Medien zufolge erhielten die Streitkräfte am Mittwoch grünes Licht für eine Serie von Operationen.

Geplant seien schwere Luftangriffe gegen Ziele der Hamas, die für die politische und militärische Führung der Organisation von strategischer Bedeutung sind, und des Islamischen Dschihad; außerdem soll es punktuelle Bodeneinsätze geben. Eine Wiederbesetzung des Gaza-Streifens sei jedoch nicht vorgesehen. Man wolle schrittweise den Druck erhöhen, um Hamas zum Stopp der Raketenangriffe zu zwingen. Die Einsätze sollten beginnen, sobald das Wetter dies erlaube - in Israel und den Palästinensergebieten herrscht in diesen Tagen stürmisches und regnerisches Wetter.

"Hamas wird den Preis bezahlen"

Die Hamas, die den Gaza-Streifen kontrolliert, hatte am vergangenen Freitag einen sechsmonatigen Waffenstillstand auslaufen lassen. Seitdem nahm der Raketenbeschuss auf Israel wieder zu. So hatte die Hamas am Mittwoch nach Militärangaben mehr als 70 Raketen sowie Mörsergranaten in das israelische Grenzgebiet gefeuert. Verletzt wurde niemand, es entstand aber erheblicher Sachschaden.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak hatte nach dem heftigen Angriff mit Vergeltung gedroht. Als Antwort flog die israelische Luftwaffe am Abend nahe Rafah einen Luftangriff auf radikale Palästinenser. Ein 23-jähriges Mitglied des bewaffneten Arms der Hamas wurde getötet, vier weitere Palästinenser wurden verletzt.

Barak sagte am Mittwochabend im israelischen Fernsehen, er habe die Streitkräfte angewiesen, sich auf eine Antwort auf die Raketenangriffe vorzubereiten. Die Hamas sei verantwortlich und würde den Preis bezahlen, wurde Barak von der "Jerusalem Post" zitiert.

Zugleich mehren sich die mahnenden Stimmen, den Konflikt friedlich zu lösen: Papst Benedikt XVI. hat zum Frieden in Betlehem und Nahost aufgerufen. Er bete dafür, dass in dem Land, "in dem Jesus gelebt und das er zutiefst geliebt hat", Frieden einkehre, dass "Hass und die Gewalt enden" und "Verstehen erwache", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in seiner Predigt vor Tausenden Gläubigen während der traditionellen Mitternachtsmette im Petersdom. Er bete für eine "Offenheit der Herzen, die die Grenzen öffnet". Zehntausende Menschen verfolgten die Messe auf dem Bildschirm.

Kritik an neuem Gewaltausbruch

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fuad Twal, hatte am Dienstag für kommenden Mai einen Besuch des Papstes im "Heiligen Land" - Jordanien, Israel und die Palästinensergebiete - angekündigt. Nach Informationen der italienischen Zeitung "Il Foglio" soll die Reise vom 8. bis 25. Mai dauern und von der jordanischen Hauptstadt Amman nach Jerusalem, Nazaret und Betlehem führen. Der Vatikan bestätigte die geplante Nahost-Reise bislang nicht.

Auch von weltlicher Seite kam Kritik an dem neuen Ausbruch der Gewalt: Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die radikal- islamische Hamas auf, dafür zu sorgen, dass die Raketenangriffe auf Israel sofort beendet werden. In einer Erklärung der Vereinten Nationen rief der Generalsekretär alle Konfliktparteien dazu auf, dringend daran zu arbeiten, die humanitären Bedingungen im Gaza-Streifen zu verbessern. Dazu gehöre auch die Versorgung der Bevölkerung. Ban betonte, eine dauerhafte Lösung für die Lage im Gaza-Streifen könne nur mit friedlichen Mitteln erreicht werden.

Angesichts der fortdauernden Schließung der Grenzen zum Gaza-Streifen durch Israel seien die Vorräte von Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen bei bestimmten Gütern erschöpft, hieß es in der Uno-Erklärung unter Berufung auf das Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA). Es gebe beispielsweise auch Versorgungsengpässe bei zahlreichen pharmazeutischen Produkten.

Auch auf diplomatischer Ebene werden neue Versuche gestartet, die Gewalt zu beenden: Die israelische Außenministerin Zipi Livni besuchte am Donnerstag den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in Kairo. Die israelische Regierung wolle der Herrschaft der radikal-islamischen Hamas im Gaza-Streifen ein Ende setzen, sagte Livni dort. "Es reicht! Die Situation wird sich ändern". "Leider" kontrolliere die Hamas den Gaza-Streifen, "und die Hamas hat sich entschlossen, Israel ins Visier zu nehmen", sagte Livni weiter. "Das muss gestoppt werden, und das werden wir tun." Die Hamas müsse verstehen, dass das Streben Israels nach Frieden nicht bedeute, "dass Israel diese Situation noch länger akzeptiert".

sam/dpa/AFP

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