Eskalation in Nahost Israel bombardiert Gaza-Streifen

Israel hat mit militärischer Härte auf einen Raketenbeschuss durch radikale Palästinenser reagiert: Kampfflugzeuge griffen in der Nacht den Gaza-Streifen an und bombardierten Schmugglertunnel sowie eine Waffenfabrik. Es seien "direkte Treffer" erzielt worden, sagte ein Armeesprecher.

Von israelischen Kampfjets beschossen: Eine Fabrik im Gaza-Streifen
AP

Von israelischen Kampfjets beschossen: Eine Fabrik im Gaza-Streifen


Gaza - Israel hat seine Ankündigung einer harten Reaktion umgehend wahr gemacht: Nach einem Raketenangriff von radikalen Palästinensern hat die israelische Luftwaffe in der Nacht auf Freitag mehrere Ziele im Gaza-Streifen bombardiert.

Die Kampfflugzeuge griffen nach Angaben von Augenzeugen und Hamas-Vertretern sechs Ziele in dem Küstengebiet an, darunter mehrere Schmugglertunnel an der Grenze zu Ägypten und eine Gießerei in Gaza.

Bei den Angriffen auf die Tunnelanlagen seien mindestens zwei Zivilisten verletzt worden.

Die israelische Armee bestätigte die Luftangriffe auf sechs Ziele, darunter zwei Schmugglertunnel und eine Waffenfabrik. Auch ein Tunnel, den Militante zur Infiltration Israels gegraben hatten, sei angegriffen worden. Man habe "direkte Treffer" erzielt, sagte ein Armeesprecher.

Später feuerte ein israelischer Panzer nach Angaben von Augenzeugen mehrere Geschosse nach Gaza. Getroffen worden sei niemand. Nach israelischen Militärangaben galt der Beschuss einem Verdächtigen, der in der Nähe des Grenzzauns herumkroch.

Am Donnerstag war erstmals seit dem Gaza-Krieg vor mehr als einem Jahr wieder ein Mensch in Israel getötet worden, als eine aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Kassam-Rakete im Grenzort Nativ Haasara einschlug. Bei dem Toten handelt es sich um einen thailändischen Gastarbeiter. Der Angriff ereignete sich, während die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton den Gaza-Streifen besuchte.

Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Silwan Schalom hatte umgehend eine harte Reaktion angekündigt.

Zu dem Anschlag bekannten sich die bislang unbekannte Gruppe Ansar al-Sunna und die Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden, ein radikaler Flügel der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas. Das Kommando über den Gazastreifen hat die rivalisierende Hamas.

Trotz der angespannten Lage im Nahen Osten und der Verstimmung zwischen Israel und den USA hält das Nahost-Quartett an neuen Friedensbemühungen fest. "Unsere Ziele bleiben dieselben", sagte US-Außenministerin Hillary Clinton am Donnerstag in Moskau zu Bemühungen um neue Gespräche zwischen Israelis und den Palästinensern.

Das Nahost-Quartett, bestehend aus Vertretern der USA, Russlands, der Uno und der EU, setze sich für eine Wiederaufnahme der israelisch-palästinensischen Verhandlungen ein, die einer Zwei-Staaten-Lösung den Weg ebnen sollen, sagte Clinton. Es sei "nichts passiert", was das diesbezügliche Engagement der Verhandlungspartner verändert haben könnte.

Israel und die USA waren über die israelischen Siedlungsaktivitäten in Streit geraten. Washington hatte es als Affront empfunden, dass Israel ausgerechnet während eines Besuchs von US-Vizepräsident Joe Biden in der vergangenen Woche den Bau von 1600 neuen Wohnungen im annektierten Ostteil Jerusalems ankündigte. Die USA hatten eine "formale Antwort" Israels auf ihre Kritik gefordert.

Am Donnerstag schließlich rief Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Clinton an. Bei dem Telefongespräch hätten sich beide Politiker auf konkrete vertrauensbildende Maßnahmen geeinigt, erklärten US-Außenamtssprecher Philip Crowley und Netanjahus Büro. Die USA würden nun die Aussagen Netanjahus prüfen, sagte Crowley in Moskau.

hen/dpa/Reuters/AFP



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