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Eskalation in Nahost: Israel riegelt den Gaza-Streifen ab

"Keine Kompromisse, kein Nachgeben, kein Mitleid": Israels Ministerpräsident Olmert geht scharf gegen militante Palästinenser vor. Die Grenzen zum Gaza-Streifen sind geschlossen, neue Luftangriffe geplant. Palästinenserpräsident Abbas droht nun mit Rücktritt.

Gaza/Jerusalem - Als Antwort auf den Beschuss Israels mit palästinensischen Raketen hat der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak gestern die erneute Abriegelung des Gaza-Streifens angeordnet. Die Maßnahme gelte für alle Grenzübergänge, berichtete der israelische Rundfunk. Betroffen seien auch die Übergänge, die für die Belieferung mit Treibstoff und Hilfsgütern genutzt werden.

Rauchwolke nach einem Raketenangriff bei Sderot: Israel will hart gegen Militante vorgehen
AFP

Rauchwolke nach einem Raketenangriff bei Sderot: Israel will hart gegen Militante vorgehen

Die Zeitung "Jerusalem Post" berichtet unter Berufung auf einen hohen Beamten der palästinensischen Autonomiebehörde, dass Palästinenserpräsident Mahmud Abbas für den Fall weiterer israelischer Militäroperationen im Gaza-Streifen und im Westjordanland über seinen Rücktritt nachdenke. "Der Präsident hat gesagt, dass er zurücktreten wird, wenn die militärische Eskalation und das tägliche Töten weitergehen", sagte der namentlich nicht genannte Beamte.

Als ersten Schritt in Richtung auf eine Aussetzung der Friedensgespräche mit Israel denke Abbas darüber nach, das palästinensische Verhandlungsteam aufzulösen, so der Beamte. Israels Aktionen untergraben die Autorität der Autonomiebehörde und trieben mehr und mehr Palästinenser in die offenen Arme radikaler Organisationen wie Hamas und Islamischer Dschihad. Abbas sei vor allem darüber erzürnt, dass Israel seine Militäroperationen so kurz nach dem Besuch von US-Präsident George W. Bush in der Region forciert habe. Abbas Sprecher Nabil Abu Rudeineh beschuldigte Israel, die Friedensgespräche zu sabotieren.

Barak wies die israelischen Streitkräfte unterdessen an, weiter eine größere Militäroperation im Gaza-Streifen vorzubereiten. Nach Angaben der Zeitung "Haaretz" versprach Barak bei einem Besuch im Negev, dass das Militär alles unternehmen werde, um den Beschuss mit selbst gebauten Kassam-Raketen endgültig zu stoppen.

"Den andauernden Beschuss nicht akzeptieren"

Bei einem neuen israelischen Luftangriffen im Gaza-Streifen ist heute im Flüchtlingslager Dschabalia ein Palästinenser getötet und zwei weitere zum Teil schwer verletzt. Nach Angaben einer israelischen Militärsprecherin sollen die Männer zuvor vom Gazastreifen aus selbst gebaute Kassam-Raketen auf Israel abgefeuert haben. Auch im Westjordanland ist nach palästinensischen Angaben am Morgen ein von Israel gesuchter Palästinenser getötet worden.

Bereits gestern waren insgesamt sieben Menschen ums Leben gekommen. Israel will mit den jüngsten Luftschlägen den Beschuss des Landes durch militante Palästinenser unterbinden. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sagte am Donnerstag in Tel Aviv, Israel werde Hamas und Islamischer Dschihad weiter "ohne Kompromisse, ohne Nachgeben und ohne Mitleid bekämpfen". Israel könne "den andauernden Beschuss seiner Bürger nicht akzeptieren". Man werde sich dabei bemühen, palästinensische Zivilisten zu verschonen.

Gestern Abend starben nach Angaben von Augenzeugen zwei Hamas-Aktivisten beim dritten israelischen Angriff des Tages im Gaza-Streifen. Vier weitere Menschen seien verletzt worden, hieß es. Das israelische Militär wollte sich dazu zunächst nicht äußern.

In der Stadt Beit Lahija starben drei Palästinenser, als eine israelische Rakete ein Pferdefuhrwerk traf. Nach Angaben von Augenzeugen und Rettungskräften waren auch eine Frau und ihr Kind unter den Opfern. Drei weitere Palästinenser wurden verletzt. Zuvor waren bei einem israelischen Angriff in der Nähe des Flüchtlingslagers Dschebalia zwei Palästinenser ums Leben gekommen.

Bei den Getöteten handelte es sich nach palästinensischen Angaben um ein Mitglied des militanten Volkswiderstandskomitees und dessen Frau. Drei weitere Palästinenser wurden nach Krankenhausangaben verletzt.

Tiefe Sorge bei der Uno

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich "tief besorgt" über die neue Eskalation der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern. "Der Generalsekretär erinnert alle Seiten an ihre Verpflichtung, das internationale Menschenrecht einzuhalten und keine Zivilisten zu gefährden", sagte eine Uno-Sprecherin gestern in New York. Ban sei beunruhigt wegen des Blutvergießens auf beiden Seiten und wegen der Gefahr weiterer Zwischenfälle, sollte sich die Lage nicht entspannen. Er verlangte eine sofortige Einstellung der palästinensischen Raketenangriffe auf Israel und forderte die israelischen Verteidigungskräfte zu größter Zurückhaltung auf.

Militante Palästinenser hatten zuvor den heftigen Raketenbeschuss Israels fortgesetzt. Nach Angaben der Armee schlugen 13 Kassam-Raketen in israelischen Grenzgemeinden zum Gaza-Streifen ein. In der Grenzstadt Sderot sei eine Frau leicht verletzt worden. Die militanten Flügel der radikal-islamischen Palästinensergruppe Hamas sowie der Fatah-Bewegung von Abbas übernahmen die Verantwortung für die Raketenangriffe.

Seit Dienstag sind nach israelischen Armeeangaben mehr als 110 Kassam-Raketen aus dem Gaza-Streifen auf Israel abgefeuert worden. Nach einer längeren Feuerpause setzten militante Hamas-Kämpfer damit den Beschuss Israels wieder fort. Zuvor war bei einem israelischen Militäreinsatz der Sohn des radikalen Hamas-Führers Mahmud al-Sahar getötet worden. Bei israelischen Militäreinsätzen, die nach Angaben der Armee gegen den Raketenbeschuss gerichtet waren, sind seit Dienstag 25 Palästinenser, darunter auch mehrere Zivilisten, ums Leben gekommen.

ffr/dpa

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Gaza steht unter iranischer Herrschaft
deltacentauri, 18.01.2008
Zitat von sysop"Keine Kompromisse, kein Nachgeben, kein Mitleid": Israels Ministerpräsident Olmert geht scharf gegen militante Palästinenser vor. Die Grenzen zum Gazastreifen sind geschlossen, neue Luftangriffe geplant. Palästinenserpräsident Abbas droht nun mit Rücktritt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,529374,00.html
Solange die Palästinenser israelische Zivilisten mit Raketenangriffen terrorisieren, können sie nicht unter Geldmangel leiden. Ich unterstütze die Aktionen Israels voll und ganz. Aber in bezug auf die gewählte Hamas kann man nur sagen: Die dümmsten Kälber wählen ihren Schlachter selber. Die Hamas vertritt iranische Interessen und versucht natürlich mit allen Mitteln, einen Frieden zwischen Palästinensern und Israelis zu verhindern. Es wird also auch nach nunmehr 60 Jahren mit dem Krieg weitergehen.
2. Auge um Auge Zahn um Zahn?
sukowsky, 18.01.2008
Auge um Auge, Zahn um Zahn, mit dieser Doktrin kommt Israel nicht mehr weiter, wie die Vergangenheit es ja auch zeigt. Mein Vorschlag an Israel den alten Leitspruch der Römer zu beherzigen: "Herrsche und Teile!" Erst dann wird es friedlich werden. Doch die Mächtigen verfallen hier immer wieder den Wahn: "Auge um......!"
3. Welche Optionen gibt es...?
peter101 18.01.2008
Gebe dir Recht deltacentauri, so habe ich das noch nicht gesehen - mit dem Geld hätten sie auch anderes Anfangen können. Das Problem ist nicht nur, dass die Hamms iranische Interessen vertritt - sie hat ein Kampf gegen Israel bis zu bitteren Ende geschworen. Die Hammas sieht ihr Ziel darin die Palästinenser wieder zurück in ihren Wohngebieten vor 1948 zu bringen. Das macht es besonders schwierig mit dennen zu verhandeln: 1. Sie erkenne Israel in den von der UN anerkannten Grenzen von 1948 nicht an. 2. Sie sind nicht bereit mit Israel zu verhandeln. Als Israel im Gaza-Streifen präsent war hieß es - sie sind eroberer, sie sollen weg. Als Israel den Gaza-Streifen geräumt hat wurden vom Norden des Gaza-Streifen Kassam Raketen auf israelischen Gebiet gefeuert vor allem auf die Stadt 'Sderot'. Seit dem Abzug der Israelies aus Gaza sind täglich Raketen abgeschoßen worden - dies ist hier in den Medien nicht erwähn worden, da nicht täglich Menschen dort sterben, dennoch leben die Leute dort in ständiger Angst und über hohen Druck auf die israelische Regierung was zu unternehmen... Hätte die Hammas entschieden Aufbau in Gaza zu betreiben anstatt Krieg, hättet die Israelies auch wenig Grund gehabt im Gaza etwas zu veranstalten. Ich frage mich wirklich was sollen die Israelies tun? - In den Gaza zurück? Aus dem Gaza wieder raus? Die Hammas will nicht verhandeln - Ihre Ziele sind klar - welche Optionen gibt es noch? Ich bin mir auch die Situation der Palästinenser bewusst, nur sie haben mit dem Rückzug der Israelies die Möglichkeit bekommen was auf zu bauen - wieweit haben sie diese Möglichkeit wahrgenommen?
4. Auge um Auge?
carolarco 18.01.2008
Zitat von sukowskyAuge um Auge, Zahn um Zahn, mit dieser Doktrin kommt Israel nicht mehr weiter, wie die Vergangenheit es ja auch zeigt. Mein Vorschlag an Israel den alten Leitspruch der Römer zu beherzigen: "Herrsche und Teile!" Erst dann wird es friedlich werden. Doch die Mächtigen verfallen hier immer wieder den Wahn: "Auge um......!"
Es geht ueberhaupt nicht um Auge um Auge, Zahn um Zahn,sondern um Verteidigung israelischer Buerger.Viel zu lange hat sich Israel zurueckgehalten und hat die Menschen in Sderot ihrem taeglichen Schicksal ueberlassen.Das Leben dort ist schon jahrelang untragbar.Und nicht nur Sderot,sondern auch umliegende landwirtschaftliche Siedlungen,die ihre Felder nur noch unter Lebensgefahr bestellen koennen.Erst vor zwei Tagen haben palaestinensische Scharfschuetzen einen Landarbeiter getoetet.Gestern eine Rakete direkt neben einer Gruppe Kleinkinder.Die Reichweiten der Raketen steigen,Sie landen auch schon in Ashkelon. Ich moechte den Staat sehen,der sich bei aehhnlichen Bedingungen anders verhalten wuerde.Es ist aber so einfach,im sicheren Europa sitzend kluge Moralpredigten zu halten.
5. Kindergarten
Ancronix, 18.01.2008
Ich denke, dass diese zwei Staaten niemals friedlich nebeneinander koexistieren werden. Das Ziel ist nicht Frieden, sondern die totale Vernichtung des Feindes auf wessen Kosten auch immer. Beide Seiten haben auf dem Gebiet geschichtliche Wurzeln. Na und? Das gibts nicht nur dort. Beide Seiten sind doch Aasgeier. EU schiebt den Palis das Geld wohin und die Amis den Israelis. Hört endlich mit dem Support auf, denn die sollen den Kindergarten dort auf eigene Kosten in die Luft jagen.
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