Baskenland Vermittler mahnen Aussöhnung nach Eta-Auflösung an

Nach der Auflösung der baskischen Untergrundorganisation Eta werben prominente Vermittler für Verständigung zwischen den Fronten. Der spanische Premier Rajoy gibt sich hart.

Anti-Eta-Protest
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Anti-Eta-Protest


Internationale Vermittler haben nach der Selbstauflösung der baskischen Untergrundorganisation Eta zur Aussöhnung in der Region im Nordosten Spaniens und im Südwesten Frankreichs aufgerufen. Auf einer Friedenskonferenz im französischen Baskenland riefen sie die früheren Untergrundkämpfer und die spanische Zentralregierung zur Zusammenarbeit auf. Man müsse weiter Brücken bauen, denn die Aussöhnung sei "unerlässlich", sagte der Chef der sogenannten Kontaktgruppe GIC, Brian Currin.

Knapp 60 Jahre nach ihrer Gründung und nach zahlreichen Anschlägen mit insgesamt mehr als 850 Todesopfern hatte die Eta diese Woche die "vollständige Auflösung aller Strukturen" bekanntgegeben. Die frühere Terrorgruppe, die den bewaffneten Kampf bereits 2011 aufgegeben hatte, erklärte nun auch jede politische Tätigkeit für beendet. Die Ex-Mitglieder der Organisation würden den Kampf um ein unabhängiges Baskenland "in anderen Bereichen" fortsetzen.

Freilassung der Gefangenen gefordert

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy bekräftigte nach der Konferenz in Cambo-les-Bains, die Eta werde für ihre Auflösung keine Gegenleistung erhalten. "Die Eta-Verbrechen werden weiter untersucht und vor Gericht gebracht. Straffreiheit gibt es nicht und wird es auch in Zukunft nicht geben", sagte der konservative Regierungschef.

Konferenzteilnehmer in Cambo-les-Bains
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Konferenzteilnehmer in Cambo-les-Bains

Auf Verhandlungen mit den Separatisten, die bereits 2017 ihre Waffen abgegeben hatten, will Rajoy sich nicht einlassen. Am Vortag hatte er die Eta-Auflösung als "Propaganda" zurückgewiesen. Die Gruppe sei von der spanischen Demokratie bezwungen worden, sagte er.

Die Eta verlangte ein Ende der heimatfernen Unterbringung baskischer Gefangener sowie die stufenweise Freilassung der Häftlinge. Der südafrikanische Anwalt Currin sagte dazu, der Friedensprozess werde nicht abgeschlossen sein, "bis alle Probleme gelöst sind". An der Konferenz nahm auch Gerry Adams teil, der frühere Chef der nordirischen Katholikenpartei Sinn Fein, die eine Loslösung von Großbritannien anstrebt.

Mariano Rajoy
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Mariano Rajoy

Euskadi Ta Askatasuna - baskisch für Baskenland und Freiheit - war 1959 als Widerstandsbewegung gegen die Franco-Diktatur gegründet worden. Aber auch nach der Rückkehr Spaniens zur Demokratie im Jahr 1975 kämpfte die Eta weiter für ein unabhängiges Baskenland.

apr/dpa



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