Debatte um EU-Asylzentren Albanien will nicht Europas Flüchtlingslager werden

Könnte Albanien, wie von Österreichs Kanzler Sebastian Kurz vorgeschlagen, ein Standort für ein Asylzentrum außerhalb der EU werden? Regierungschef Edi Rama weist die Idee empört zurück.

Edi Rama, Regierungschef des EU-Kandidatenlandes Albanien
imago/ photothek

Edi Rama, Regierungschef des EU-Kandidatenlandes Albanien


Im Streit über die Reform der europäischen Migrationspolitik lehnt Albanien eine Errichtung von EU-Asylzentren auf seinem Staatsgebiet kategorisch ab.

"Wir werden niemals solche EU-Flüchtlingslager akzeptieren", sagte Ministerpräsident Edi Rama der "Bild"-Zeitung. Dies gelte auch dann, wenn seinem Land als Gegenleistung ein EU-Beitritt in Aussicht gestellt werde. Er sei grundsätzlich dagegen, "verzweifelte Menschen irgendwo abzuladen wie Giftmüll, den niemand will".

Albanien werde immer bereit sein, einen gerechten Beitrag zur Bewältigung europäischer Lasten zu leisten. Aber das könne nicht heißen, dass sein Land die Probleme für alle schultere. Es sei eine "gefährliche Lösung, Albanien zum Wellenbrecher für Europas Flüchtlinge" machen zu wollen.

Die Idee, Bootsflüchtlinge in Lager außerhalb der EU zu bringen ist schon älter und birgt zahlreiche Probleme: Vor allem wurden bislang immer nur mögliche Standorte vor allem in Nordafrika vorgeschlagen, eine Zusage für ein solches Zentrum gab es aber noch aus keinem Land.

Rama: Merkel hätte "unsere Gründerväter stolz gemacht"

Den armen Mittelmeeranrainer Albanien hatten zuletzt die Regierungen Dänemarks und Österreichs als möglichen Standort außerhalb der EU ins Gespräch gebracht. Österreich, das am 1. Juli die Ratspräsidentschaft der EU übernimmt, arbeitet nach eigenen Angaben mit mehreren Ländern an einem Konzept für außereuropäische Asylzentren. Auch EU-Ratschef Donald Tusk hatte den Vorschlag befürwortet. Von der EU-Kommission kam hingegen Kritik und Zweifel an der Legalität eines solchen Vorhabens.

Die EU-Staaten hatten der Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Albanien am Dienstag grundsätzlich zugestimmt. Spekuliert wurde, ob dieser Schritt mit einer Zusage Albaniens zusammenhängen könnte, den Aufbau von Auffangcamps für Flüchtlinge zu erwägen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte auf dem EU-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag für eine "europäische Lösung" in der Flüchtlingspolitik werben. Allerdings rechnet sie noch nicht mit einer umfassenden Vereinbarung zu einem gemeinsamen europäischen Asylpaket.

Für Merkel und die Deutschen hatte Rama ein Lob parat. Sie hätten durch die Flüchtlingsaufnahme 2015 das Ansehen Europas "in einer Weise gewahrt, die unsere Gründerväter stolz gemacht hätte".

cht/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.