EU-Gelder Brüssel ignoriert Berichte über Verschwendung in Athen

610 Euro Stundenlohn, fingierte Abrechnungen, eine Politikergattin als Universalgelehrte: Ein Finanzbeamter deckt dreiste Verschwendung von EU-Geldern in einem Athener Bildungsinstitut auf. Doch die Anti-Korruptions-Behörde in Brüssel vertrödelt laut "Süddeutscher Zeitung" den Fall.

Giovanni Kessler, Chef der Anti-Betrugs-Behörde Olaf: Fall von griechischer Veruntreuung vertrödelt
AP

Giovanni Kessler, Chef der Anti-Betrugs-Behörde Olaf: Fall von griechischer Veruntreuung vertrödelt


Athen - Die EU-Anti-Betrugs-Behörde Olaf hat offenbar wiederholt Berichte über verschwendete EU-Gelder in Griechenland ignoriert. Ein griechischer Beamter hatte bei der Prüfung der Finanzen eines Berufsbildungsinstituts erhebliche Fälle von Vetternwirtschaft und viel zu hoher Löhne festgestellt. Seine wiederholten Schreiben an die Behörde in Brüssel blieben jedoch lange ohne Antwort, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ").

Laut dem Bericht überprüfte der Athener Finanzbeamte Giorgos Boutos die Buchhaltung des Griechischen Instituts für Berufliche Bildung (OEEK). Das Institut erhält und verteilt EU-Gelder, die für die Berufsbildung bestimmt sind. Boutos stolperte über immer neue Unregelmäßigkeiten und dokumentierte die Fälle in mehreren Schreiben an das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung.

Der Fall ist pikant, da die Verschwendung öffentlicher Gelder eine der Ursachen für das Schuldendrama des Euro-Landes ist.

Insgesamt geht es um sechs Millionen Euro, keine riesige Summe, aber gut dokumentiert: Boutos konnte die Fälle in den Schreiben an die EU mit Verträgen, Hotelrechnungen, Bankauszügen belegen. 75 Prozent der veruntreuten Summe stamme aus EU-Geldern.

Die Details, wie sie die "SZ" zusammenträgt:

  • Einige der Ausbilder arbeiteten bis zu 225 Stunden im Monat, auch zu Zeiten, als sie im Ausland waren.

  • Lehrern wurden Stundenlöhne von bis zu 610 Euro gezahlt.

  • Vetternwirtschaft: Der Sohn eines Kabinettsmitglieds unterrichtete "Versilberung von Uhren", die Ehefrau eines Sozialistenpolitikers außer Zahntechnik auch noch Geografie. Auch Verwandte des Institutsleiters wurden beschäftigt.

Erstmals schickte Boutos die Unterlagen im Juli 2010 an die EU. Vom griechischen Repräsentanten bei Olaf habe er keine Antwort erhalten, auch ein Schreiben an Generaldirektor Giovanni Kessler blieb ohne Antwort. Dann beschwerte sich Boutos beim Kabinettschef der EU-Kommission, erst danach antworteten die Olaf-Leute. Sie bestätigten den Eingang der Briefe und erteilten dem Fall eine Nummer.

Sieben Monate später erhält Boutos dann erstmalig wieder eine Nachricht. Olaf sei im Prozess "einer umfangreichen Reorganisation", man bitte um Verständnis.

Mittlerweile seien einige der Verschwendungsfälle verjährt. Boutos sagte der "SZ", es könnten aber immer noch Gelder zurückgefordert werden. Nun fragt er sich, ob die Ermittlungen verschleppt würden, weil auch griechische Regierungs- und Parteienvertreter betroffen seien. Oder Brüssel ob der Fall einfach egal ist.

fab



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 107 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
SirZaharoff 18.10.2013
1. Egal
Zitat von sysopAP610 Euro Stundenlohn, fingierte Abrechnungen, eine Politikergattin als Universalgelehrte: Ein Finanzbeamter deckt dreiste Verschwendung von EU-Geldern in einem Athener Bildungsinstitut auf. Doch die Antikorruptionsbehörde in Brüssel vertrödelt laut "Süddeutscher Zeitung" den Fall. http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-behoerde-olaf-ignoriert-berichte-ueber-veruntreuung-in-athen-a-928562.html
Ist doch egal, sind doch bloß Steuergelder. Und wenn die mal knapp werden sollten, dann ist das kein Problem dass nicht durch neue Schulden oder Steuern behoben werden kann. Also alles bestens.
peterkamm-mueller 18.10.2013
2. Dr.No
Das sind doch gute Nachrichten. Griechenland lässt sich durch die EU nicht verbiegen. Sie bleibt so, wie sie ist. Alles geht seinen gehabten Gang.
der_kritiker_37 18.10.2013
3. Ganz tolle Wurst
Kann man diese "Betrüger" in den ganzen EU-Behörden nicht irgendwie belangen? Wahrscheinlich schon, aber es hätte keinen Sinn. Mutti Merkel würde das schon zu verhindern wissen, um ihre "alternativlose" Griechenlandrettung dem gemeinen (und offensichtlich viel zu gutgläubigen) Volk gegenüber zu verteidigen. Oder hängen die Freunde von Olaf in der Vetternwirtschaft mit drin?
pepe_sargnagel 18.10.2013
4.
Zitat von sysopAP610 Euro Stundenlohn, fingierte Abrechnungen, eine Politikergattin als Universalgelehrte: Ein Finanzbeamter deckt dreiste Verschwendung von EU-Geldern in einem Athener Bildungsinstitut auf. Doch die Antikorruptionsbehörde in Brüssel vertrödelt laut "Süddeutscher Zeitung" den Fall. http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-behoerde-olaf-ignoriert-berichte-ueber-veruntreuung-in-athen-a-928562.html
Nette Überschrift - vielleicht sollte der Bund der Steuerzahler sein Büchlein alljährlioch an die EU senden. Dann könnten der Journalist die gleiche Überschrift wiederverwerten: "EU-Gelder: Brüssel ignoriert Berichte über Verschwendung in Deutschland"
cato. 18.10.2013
5. ...
Zitat von sysopAP610 Euro Stundenlohn, fingierte Abrechnungen, eine Politikergattin als Universalgelehrte: Ein Finanzbeamter deckt dreiste Verschwendung von EU-Geldern in einem Athener Bildungsinstitut auf. Doch die Antikorruptionsbehörde in Brüssel vertrödelt laut "Süddeutscher Zeitung" den Fall. http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-behoerde-olaf-ignoriert-berichte-ueber-veruntreuung-in-athen-a-928562.html
Die Aufdeckungen kommen zur falschen Zeit, also ignoriert man sie einfach, ansonsten müsste man ja zusätzliche Gelder an Athen hinterfragen und daran besteht eben kein Interesse bei den anderen PIIGS und ihrem Anführer Frankreich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.