EU-Beitritt Rumänen und Bulgaren feierten in ausgelassener Stimmung

17 Jahre nach dem Ende des Kommunismus haben die Menschen in Rumänien und Bulgarien mit rauschenden Festen ihren Beitritt zur Europäischen Union gefeiert. Blaugelbe EU-Fahnen schwenkend läuteten Zehntausende in der Nacht zum Montag die neue Ära ein.


Bukarest/Sofia - In der rumänischen Hauptstadt Bukarest begann das neue Jahr im Beisein europäischer Politprominenz mit Popkonzerten und einem riesigen Feuerwerk. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nahm an der Feier teil. In Sofia erleuchtete ein Lichtspektakel den Himmel; hunderte Ballons mit der Aufschrift "Willkommen Europa" stiegen empor.



Sowohl in Bukarest als auch in Sofia feierten die Menschen in ausgelassener Stimmung den von einem historischen Ereignis bestimmten Jahreswechsel. Viele trugen übergroße blaue Hüte mit gelben Sternen oder schwenkten die EU-Fahne.

"Ich bin voller Hoffnung", sagte die 23-jährige Bulgarin Radoslawa Dimitrowa. "Etwas Neues, etwas Besseres wird kommen." Der 14-jährige Rumäne Alexandru Ghitulescu sagte, er freue sich darauf, mit seinem Personalausweis in jedes EU-Land reisen zu können.

Rumäniens Ministerpräsident Tariceanu sprach von einem "Grund zur Freude" und einem "Moment, auf den wir 17 Jahre gewartet haben". Der bulgarische Präsident Georgi Parwenow sagte in einer Rede um Mitternacht in Sofia, der 1. Januar 2007 sei "eines der wichtigsten Daten in unserer Geschichte". Die Zukunft Bulgariens hänge weniger von europäischen Geldern ab als von den Anstrengungen der Bulgaren selbst.

Die Feiern in Rumänien zeugten vom Streit innerhalb der Führung des Landes: Präsident Traian Basescu boykottierte wegen Differenzen mit Ministerpräsident Calin Tariceanu die offizielle Feier auf dem Revolutionsplatz und lud seine Anhänger auf den Universitätsplatz ein. Dort feierten die Menschen mit Wunderkerzen in den Händen vor einer EU-Flagge von der Größe eines zehnstöckigen Gebäudes.

Neben Steinmeier nahmen an den Feiern in Bukarest unter anderem auch die Außenminister Bulgariens und Dänemarks sowie EU-Parlamentspräsident Josep Borrell und EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn teil. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso begrüßte die Neumitglieder Rumänien und Bulgarien über Videobotschaften, die in beiden Hauptstädten gezeigt wurden. Steinmeier will heute weiter nach Sofia reisen, um dort an den offiziellen Feiern zum EU-Beitritt teilzunehmen. Deutschland hat mit dem Jahreswechsel die Präsidentschaft der Europäischen Union übernommen.

Mit Rumänien und Bulgarien zählt die EU nun 27 Mitglieder und hat eine Gesamtbevölkerungszahl von fast einer halben Milliarde Menschen. Die EU-Kommission hatte die Aufnahme Rumäniens und Bulgariens Ende September empfohlen. Die Entwicklung in den beiden südosteuropäischen Ländern soll aber streng kontrolliert werden, insbesondere was die Bekämpfung von Korruption und organisiertem Verbrechen angeht.

Nur zehn der bisherigen 25 EU-Mitgliedstaaten wollen Rumänen und Bulgaren völlig freien Zugang zu ihrem Arbeitsmarkt erlauben. Wie Deutschland planen die meisten Länder eine zweijährige Übergangsphase. Rumänien und Bulgarien sind die ärmsten Mitglieder der EU. Die Durchschnittsgehälter liegen dort bei monatlich 200 Euro.

dan/AFP



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