Ankara - Auch wenn der Widerstand groß ist - die Türkei hält an ihrem Ziel einer vollen Mitgliedschaft in der Europäischen Union fest. Präsident Abdullah Gül kritisierte Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, die am Wochenende einen Beitritt erneut abgelehnt hatten. "Politiker kommen und gehen. Sie mögen verschiedene Vorgehensweisen haben, vielleicht aus einem Mangel an Vision. Uns wird das nicht von unserem Weg abbringen", sagte Gül am Dienstag in Ankara bei einer Pressekonferenz mit seinem portugiesischen Amtskollegen Anibal Cavaco Silva.
Merkel und Sarkozy hatten am Wochenende eindringlich vor einem Europa ohne Grenzen gewarnt und sich klar gegen eine EU-Mitgliedschaft der Türkei ausgesprochen. Es ergebe keinen Sinn, wenn die EU um immer mehr Mitglieder erweitert werde, aber nicht mehr handlungsfähig sei, sagte Merkel bei einem deutsch-französischen Jugendtreffen der Union in Berlin. Sie plädierte für eine privilegierte Partnerschaft der EU mit Ankara statt einer Vollmitgliedschaft. Sarkozy betonte, ein Europa ohne Grenzen werde ein Europa ohne Werte sein.
Die Türkei werde sich nicht beirren lassen und den Prozess der Beitrittsverhandlungen mit Entschlossenheit vorantreiben, stellte Gül klar. "Die Reformen werden fortgesetzt." Der türkische Oppositionschef Deniz Baykal warf Merkel und Sarkozy eine Missachtung der Beitrittsverhandlungen von der Türkei und der EU vor.
Ankara führt seit 2005 Beitrittsgespräche mit der EU, hat bisher aber erst zehn von 35 Verhandlungskapiteln angehen können. Reformmüdigkeit in der Türkei, der Zypern-Konflikt und der Widerstand von EU-Mitgliedstaaten gegen die türkische Bewerbung haben raschere Fortschritte in den Beitrittsverhandlungen bisher verhindert.
als/dpa/AFP
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