Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

EU-Energiepolitik: Oettinger plant Atomoffensive

Die Europäische Union setzt laut einem Zeitungsbericht weiter im großem Stil auf die Atomkraft, ein Grundsatzpapier sieht bis zu 40 neue AKW in 20 Jahren vor. Damit bahnt sich ein Streit zwischen der Bundesregierung und dem deutschen EU-Kommissar Oettinger an.

EU-Kommissar Oettinger: Subventionen für neue Atomkraftwerke im Gespräch Zur Großansicht
DPA

EU-Kommissar Oettinger: Subventionen für neue Atomkraftwerke im Gespräch

Hamburg/München - Es ist ein Affront gegen die Bundesregierung: Die Europäische Union befürwortet trotz des deutschen Atomausstiegs den Neubau zahlreicher Atomkraftwerke. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) am Freitag.

Im bislang vertraulichen Entwurf "Energy Roadmap 2050" bezeichne EU-Energiekommissar Günther Oettinger die Atomkraft als "wichtigen Faktor", schreibt die "SZ". In dem Grundsatzpapier sähen Szenarien den Neubau von bis zu 40 Kernkraftwerken allein bis 2030 vor. Das Papier soll in der kommenden Woche in Brüssel vorgestellt werden und ein europäisches Gerüst für die nationale Energiepolitik der nächsten Jahrzehnte liefern.

Damit bahnt sich in der Energiepolitik Streit zwischen der Bundesregierung und der Europäischen Kommission an. Schließlich hatte die Bundesregierung nach der Fukushima-Katastrophe beschlossen, die letzten Atomkraftwerke in Deutschland bis 2022 stillzulegen.

Während die Koalition in Berlin den Atomausstieg beschleunigt, heißt es laut "SZ" im EU-Grundsatzpapier, die Atomenergie stehe heute für den größten Anteil CO2-freier Energie und sie bleibe ein wichtiger Lieferant klimafreundlichen Stroms zu vergleichsweise niedrigen Kosten. Oettinger macht damit klar, dass Brüssel auch nach Fukushima langfristig eine Zukunft für die Kernkraft in der Europäischen Union sieht.

Die Zweifel vieler Europäer an der Kernkraft erwähnt das Papier zwar, hält sie aber offenbar für überwindbar. Große Teile der europäischen Öffentlichkeit hielten die Risiken der Nukleartechnik für nicht akzeptabel und die Probleme um die Endlagerung für ungelöst, schreibt Oettingers Behörde. "Eine neue Generation der Atomtechnik könnte helfen, die Abfall- und Sicherheitsbedenken zu adressieren", zitiert die Zeitung aus dem Papier.

Auch eine finanzielle Förderung der Atomenergie in Mitgliedstaaten ähnlich dem Erneuerbare-Energien-Gesetz für grünen Strom in Deutschland hält die Kommission Unterhändlern zufolge für möglich. Sie könnte demnach Subventionen für Neuinvestitionen in Atomkraftwerke, zum Beispiel in Großbritannien, erlauben.

fab/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 271 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Schäme mich, ein Baden-Württemberger zu sein
Hölderlinkarussell 09.12.2011
Zitat von sysopDie Europäische Union setzt laut einem Zeitungsbericht weiter im großem Stil auf die Atomkraft, ein Grundsatzpapier sieht*bis zu 40 neue AKW in 20 Jahren vor.*Damit bahnt sich ein*Streit zwischen der Bundesregierung und dem deutschen EU-Kommissar Oettinger an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802625,00.html
Ist es nicht erstaunlich, wie sich die Politikheinis verändern, wenn sie nach Brüssel abgeschoben wurden? Verheugen, Oettinger, Stoiber und diese Plagiat-FDP-Tante (Name gerade nicht geläufig, zu müsig danach zu googlen). Wie kleine trotzige Bälger, pfui ;o(
2. Gratulation an die Atomlobby
reifenflicker 09.12.2011
Zitat von sysopDie Europäische Union setzt laut einem Zeitungsbericht weiter im großem Stil auf die Atomkraft, ein Grundsatzpapier sieht*bis zu 40 neue AKW in 20 Jahren vor.*Damit bahnt sich ein*Streit zwischen der Bundesregierung und dem deutschen EU-Kommissar Oettinger an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802625,00.html
Na, da kann man der Atomlobby nur gratulieren!!! Wer auch immer seine Hände im Spiel hatte, hat exzellente Kontakte!!! - All dies wäre sicherlich nicht möglich, wenn nicht auch Herr Öttinger nicht hinter der Idee stehen würde... Aber wir werden sehen, die Ideen der EC ist die eine Sache, die Umsetzung auf Länderebene eine ganz andere...
3. .
zyzzleflyx 09.12.2011
---Zitat--- Auch eine finanzielle Förderung der Atomenergie in Mitgliedsstaaten ähnlich dem Erneuerbare-Energien-Gesetz für grünen Strom in Deutschland hält die Kommission Unterhändlern zufolge für möglich. Sie könnte demnach Subventionen für Neuinvestitionen in Atomkraftwerke, zum Beispiel in Großbritannien, erlauben. ---Zitatende--- Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
4. Öttifant
eastbayray 09.12.2011
Gierig und doof gehen häufig Hand in Hand...Gell Günther.
5. Doppelt gelogen
Stelzi 09.12.2011
"die Atomenergie stehe heute für den größten Anteil CO2-freier Energie und sie bleibe ein wichtiger Lieferant klimafreundlichen Stroms zu vergleichsweise niedrigen Kosten." Das man diese Doppel-Lüge heute immer noch verbreitet, ist schon erstaunlich. Nur zu erklären durch völlige, naive Ahnungslosigkeit oder weil man auf der Liste von Lobbyisten steht. Der Abbau, Anreicherung, Transport sowie Wiederaufarbeitung von Uran ist so weit von CO2-frei und Klimafreundlich entfernt wie fossile Brennstoffe. Und dabei reden wir noch gar nicht vom Aufwand der für die Endlagerung (die noch immer nicht gelöst ist) von abgebrannten Brennstäben und abgebauten AKWs nötig ist. Das braucht alles Sprit, die Maschinen fahren nicht mit Gänseblümchen! Und dann noch von preiswert fabulieren. Wer bezahlt Subventinen für AKWs? Wer blecht fürs Sicherheitsaufgebot von Castor Transporten? Wer bezahlt die Erkundung von Endlagern? Wer bezahlt Asse? Der Steuerzahler.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Was kostet der Atomausstieg?
Zu den Kosten des Atomausstiegs kursieren verschiedene Zahlen. Die wichtigsten Werte im Überblick:
Privatwirtschaftliche Investitionen
Für den Atomausstieg müssen neue Windräder, Solaranlagen, Biomasseanlagen und Gaskraftwerke gebaut werden. Stromleitungen müssen ausgebaut werden. Hinzu kommen Investitionen in Energieeffizienz. Nach SPIEGEL-ONLINE-Berechnungen belaufen sich die Investitionen insgesamt auf rund 170 Milliarden Euro bis 2020. Andere Forschungsinstitute kommen auf ähnliche Werte.
Haushalt
Die Politik streitet vor allem darüber, was die Energiewende für Auswirkungen auf den Haushalt hat. Die im vergangenen Jahr beschlossene Brennelementesteuer etwa sollte der Regierung jährlich 2,3 Milliarden Euro bringen. Jetzt drohen die Energieversorger, gegen die Abgabe zu klagen - ihrer Ansicht nach war sie an die Laufzeitverlängerung gekoppelt. Manche fordern neue Subventionen für Industrien mit besonders hohem Energiebedarf.

Gleichzeitig verknüpft die Regierung Ausgaben mit dem Programm, die für den Atomausstieg gar nicht nötig sind: So will sie die Mittel für die Wärmedämmung alter Gebäude steigern. Generell gilt: Entschieden ist noch nichts - für Kostenberechnungen in puncto Haushalt ist es noch zu früh.
Strompreis
Die Preise für Endverbraucher werden auf absehbare Zeit nur wenig steigen. Denn der Strom, den sie beziehen, wird stets über mehrere Jahre eingekauft. Der aktuelle Preisschub fällt vorerst kaum ins Gewicht.

Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Preis indes um mehrere Cent steigen. Allein durch den Netzausbau und die Großhandelspreise wäre ein Anstieg um drei Cent möglich - dazu kämen Milliardenkosten aus der EEG-Umlage.ssu

Fotostrecke
Grafiken: Deutschlands Energiewirtschaft

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: