Geschäfte mit Assad-Vertrauten: EU ermittelt wegen Zigarettenschmuggels

Das Geschäft soll einer Firma mit Verbindungen zum Assad-Regime genutzt haben: Die EU ermittelt wegen Zigarettenschmuggels gegen den Konzern Japan Tobacco Inc. Womöglich wurden mit den Tabakwaren Milizen des syrischen Regimes bezahlt.

Regimegegner in Aleppo: Viele Tote bei Kämpfen in Syrien Zur Großansicht
REUTERS

Regimegegner in Aleppo: Viele Tote bei Kämpfen in Syrien

Brüssel - Die EU-Behörde für Betrugsbekämpfung (OLAF) ermittelt gegen den Tabak-Konzern Japan Tobacco Inc. (JTI) - dieser steht im Verdacht, Zigaretten nach Syrien geschmuggelt zu haben. Ein Sprecher der Behörde bestätigte am Dienstag einen Bericht des "Wall Street Journal": "Wir haben Ermittlungen laufen. Und der Vorwurf des Schmuggels gehört zu einer Reihe von mehreren Punkten".

Nähere Angaben zu den Ermittlungen machte der Sprecher nicht. Assad nutzt Tabakwaren laut Angaben syrischer Dissidenten um seine Milizen zu bezahlen. Vor allem die gefürchteten Schabiha-Kämpfer würden Tabak als bevorzugte Währung annehmen, heißt es in dem Bericht.

Laut "Wall Street Journal" soll die Schweizer Niederlassung von JTI im Mai 2011 eine große Lieferung Zigaretten nach Syrien geschickt haben. Kunde sei eine Firma gewesen, die zumindest teilweise unter der Kontrolle einer regimetreuen Familie stehe, und die zum engen Vertrautenkreis Assads gehöre. Zu dem Zeitpunkt waren gerade scharfe Handelssanktionen gegen das Assad-Regime in Kraft getreten.

Ein Sprecher von JTI bestritt die Vorwürfe. Das Unternehmen halte sich an sämtliche EU-Sanktionen gegen die syrischen Machthaber und kooperiere bei den Ermittlungen.

Syrischer Vize-Regierungschef bringt Rücktritt Assads ins Spiel

Der internationale Druck auf das Assad-Regime hat sich indes weiter erhöht. US-Präsident Obama drohte deutlicher als je zuvor mit einer Militäraktion in Syrien, falls dessen Massenvernichtungswaffen für eine Gefahr für Israel würden.

Syriens Vize-Regierungschef Kadri Dschamil wies die Drohung als "Wahlkampfgeschwätz" zurück: "Der Westen sucht nach einer Ausrede, um sich direkt in die Angelegenheiten unseres Landes einzumischen", sagte er nach Angaben der Agentur "Interfax" während eines Besuchs in Moskau.

Einen Rücktritt Assads, wie ihn USA und Europa immer wieder fordern, lehnte er abermals ab. Zugleich brachte Dschamil erneut eine Verhandlungslösung ins Spiel: Während eines Dialogs könne "jedes Problem diskutiert werden" - auch die Frage nach einem Rücktritt Assads.

Der syrische Machthaber geht seit mehr als einem Jahr mit brutaler Gewalt gegen die Aufständischen vor. Am Dienstag entdeckten Aktivisten nach eigenen Angaben 40 Leichen in einem jüngst noch umkämpften Vorort von Damaskus. Bei den Toten, die im Keller eines Gebäudes gefunden worden seien, handele es sich um Opfer der Truppen des Regimes, teilte die Allgemeine Kommission der Syrischen Revolution am Dienstag mit.

In der umkämpften Wirtschaftsmetropole Aleppo wurden zudem mehrere Journalisten getötet, darunter laut japanischen Medienberichten die preisgekrönte Berichterstatterin Mika Yamamoto.

usp/bos/dpa/Reuters

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1. irre
vielfeindvielehr 21.08.2012
was mit der Zeit alles so rauskommt bei Leuten, die jahrelang deine "Freunde" waren. Wenns Ami-Zigaretten sind, Marke Malboroff oder ähnlich, dann wandert wieder einer via Schweden nach Guantanomo ? Nein, das ist ja eine andere Geschichte. Irre.
2.
bärchen07 21.08.2012
Zitat von sysopREUTERSDas Geschäft soll einer Firma mit Verbindungen zum Assad-Regime genutzt haben: Die EU ermittelt wegen Zigarettenschmuggels gegen den Konzern Japan Tobacco Inc. Womöglich wurden mit den Tabakwaren Milizen des syrischen Regimes bezahlt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,851345,00.html
Ist das jetzt immernoch das Sommerloch? Oder passiert nichts wichtigers in Syrien? Die Meldung passt ins Panorama aber nicht hier hin. Rauchen für den Endkampf oder wie. Weiss echt nicht wie ich das einordnen soll.
3. Für`n Pächen Lucky Strike
immernachdenklicher 22.08.2012
Geht`s nur mir so? So langsam nimmt die Berichterstattung bizzare Formen an.
4. Tabak-Währung
robert.haube 22.08.2012
Über die angebliche "Tabak-Währung" für Miizen musste ich herzlich lachen. psyop kann ganz schön lustig sein. Übrigens: Jamil hat, wer die Erklärung aus Moskau im Original liest, natürlich keinen "Rücktritt Assads" ins Spiel gebracht, sondern genau das Gegenteil gesagt. Er sagte, alle Beteiligten müssten zunächst das Gewaltmonopol des Staates akzeptieren und die Rebellen die Waffen niederlegen. Anschließend können man ohne Vorbedingungen über alles sprechen - z.B. darüber, dass sich die Rebellen über ihre Parteien an Wahlen beteiligen.
5. Reemtsma und der Schmuggel
xcountzerox 22.08.2012
Reemtsma exportierte, oder verkaufte zum export nach osteuropa solche mengen, dass dort sogar jedes kleinkind ein starker raucher sein müsste. geführte verfahren wurden gegen millionenzahlungen eingestellt. höchste manager waren involviert. einfach nach "reemtsma" und "zigarettenschmuggel" googlen. nicht nur die vorgänge aus 2003-2006 lassen sich gut recherchieren. übrigens waren solche geschäfte seit ende der 80-er einfach üblich. es war in bestimmte kreisen der zuwanderer aus zb. polen allgemein bekannt, wer containerweise zigaretten sofort liefern kann. das geschäft mit dem fiktiven export war normal geworden. tja, wenn man solche einnahmen erzielt, kann man sich hinterher als wohltäter aufspielen.
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Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

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