EU-Erweiterungspläne Brüssels falsches Balkan-Versprechen

Serbien, Kosovo, Albanien & Co: Die EU verspricht allen Westbalkan-Staaten viel Geld - und eine Beitrittschance. Das Angebot soll die Krisenregion stabilisieren. Doch wer in der Union hat überhaupt noch Lust auf weitere Mitglieder?


Brüssel - Wir, Europa, sind jetzt Weltmacht. Im Prinzip jedenfalls. Mit der Erklärung der 27 EU-Außenminister vom Montag dieser Woche ist es gewissermaßen amtlich: Europa werde, heißt es darin, "eine führende Rolle bei der Verfestigung der Stabilität" in der ganzen Region des westlichen Balkans übernehmen.

In den kommenden 120 Tagen werden rund 2000 Polizisten, Richter, Verwaltungsbeamte im Kosovo aufmarschieren und dort das Kommando führen. So wie bisher nur die globalen Bigshots, die aus Moskau und Washington, hat nun auch Brüssel in eigener Regie Aufsicht über fremdes Territorium, muss dort für Ruhe und Ordnung sorgen und die Wirtschaft ankurbeln.

Wie das geht, hat man sich natürlich längst überlegt - und setzt im Wesentlichen auf zwei Erziehungs- und Führungsinstrumente: Das ist zum einen Geld, zum anderen die Verheißung auf Aufnahme in den europäischen Club. Wer sich gut benimmt, bekommt erst Wirtschaftshilfe und dann, irgendwann, den Mitgliedsausweis, der Wohlstand und Frieden verspricht.

Die politische Grundidee ist nachvollziehbar. Nur durch die "europäische Perspektive" - wie das undatierte Beitrittsversprechen auf Diplomaten-Deutsch heißt - sei der Krisenherd Balkan auf einen Weg zu bringen, der allen Völkern Ex-Jugoslawiens - jenseits ethnischer, religiöser, sprachlicher Unterschiede - mehr verspricht als sich die Akteure durch weitere Blut- und Gräueltaten erhoffen könnten.

Die Sache hat nur einen Haken: Just diesen vage versprochenen Beitritt von Serben und Bosniern, Montenegrinern und Albanern wollen viele EU-Clubmitglieder, vielleicht sogar die meisten, für lange Zeit eigentlich lieber verhindern als fördern. Brüssel muss, und das ist das Heikle an der Sache, die Balkanstaaten mit der leckeren Möhre einer Mitgliedschaft locken, darf sie ihnen aber nicht geben. Denn spätestens nach dem Beitritt Bulgariens und Rumäniens ist die Lust auf neue Vereinsmitglieder im Europa-Club gegen Null geschrumpft.

SPIEGEL ONLINE zeigt, wie die Perspektiven für die einzelnen Länder der Krisenregion sind:



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