EU-Kommissare: Traumjob mit Cashgarantie

Von , Brüssel

EU-Kommissare müssen sich um ihre Zukunft nicht sorgen: Das Einkommen ist üppig, wechselt man in die Wirtschaft oder zurück in die nationale Politik, fließt Übergangsgeld - auch dann noch, wenn die Kandidaten längst einen neuen Job gefunden haben.

EU-Kommissare: Stolze Übergangsgelder, prächtige Pensionen Fotos
REUTERS

"Hast Du einen Opa, schick ihn nach Europa!" - so geht ein beliebter Spottvers über abgehalfterte Politiker, die in Brüssel endgelagert werden und dort ein unbedeutendes Dasein zum Ende führen. Kein Mensch interessiert sich mehr für sie. Kameras und Mikrofone werden abgeschaltet, wenn sie ans Rednerpult treten. Allenfalls der Mann aus dem eigenen Land ist manchmal noch gewärtig. Ansonsten: unbekannte graue Mäuse im grauen, dauerverregneten Brüssel.

Aber das Bild ist total falsch. Es ist alles ganz anders! Nur Fürsten leben vermutlich noch besser als Kommissare.

Geld im Überfluss

Die Brüsseler Kommissare haben, wenn sie ihn denn wollen, mehr politischen Einfluss als ein Durchschnittsminister in Berlin oder ein Provinzfürst in Hannover oder Mainz. Aber auch, wer "easy living" bevorzugt, hat kein Problem. Finanziell geht es ihnen sowieso besser als den meisten ihrer Parteifreunde, die sie von den heimischen Krippen weggebissen und "nach Europa" verjagt haben. Über deren mickrig gefüllten Lohntüten kann in Brüssel nur gelacht werden.

Tatsächlich ist EU-Kommissar ein Traumjob: Ein Luxusleben mit Fahrer, persönlichen Referenten, Sprechern und vielen anderen Zuarbeitern, und dazu einem üppigen Einkommen. Und wenn die Zeit in Brüssel abgelaufen ist, geht's erst richtig los: Dann locken satte Übergangsgelder und paradiesische Rentenansprüche. Die regelmäßig über den Kontinent verbreiteten Sparappelle, die Aufrufe, das Rentenalter auf 70 anzuheben - für Brüssel gelten sie nicht. Hier gibt es Geld im Überfluss. Die Subventionskassen quellen über, viele Milliarden können gar nicht ausgegeben werden. Warum sich also nicht bedienen?

Mehr als Merkel

In den Büros des "Berlaymont" getauften Betonklotzes am Schumannplatz und den Trutzburgen rundherum, im Zentrum der Brüsseler Eurokratie, verdient jeder gut. Schon der Nachwuchsdolmetscher beginnt mit einem Grundgehalt von 4190 Euro. Ein Spitzenbeamter bringt es auf gut 16.000 Euro im Monat. Dazu gibt es Auslands-, Haushalts-, Kinder-, Erziehungs- und Vorschulzulagen. Die Kinder gehen auf EU-Privatschulen, dafür geben Europas Steuerzahler, grob geschätzt, etwa 100 Millionen Euro im Jahr aus.

Für die politische Spitze muss auf die Saläre der Bediensteten natürlich noch ein Schippchen drauf: 19.910 Euro beträgt das monatliche Grundgehalt für einen Kommissar. Wer dazu noch einen der Vizepräsidenten-Titel ergattert, kommt auf 22.122 Euro. Das macht dann knapp 240.000 Euro im Jahr.

Der Präsident der Kommission, der Portugiese José Manuel Barroso, kassiert 304.000 Euro im Jahr. Und bei den meisten Top-Europäern kommt noch ein "Ortszuschlag" darauf. So bezieht die neue Außenbeauftragte, die Engländerin Lady Catherine Ashton, rund 323.000 Euro im Jahr. Und darauf kommen weitere Zuschüsse für den Privathaushalt und für repräsentative Aufgaben - alles in allem: Die von ihrem Parteichef Tony Blair in den Adelstand erhobene Labour-Lady lässt Kolleginnen wie Kanzlerin Angela Merkel oder US-Außenministerin Hillary Clinton weit hinter sich. Dafür kann sie oft schon donnerstags nach London zu den Kindern eilen.

Drei Jahre Übergangsgeld

Nun werden die Kommissare nicht auf Lebenszeit berufen. In der Regel werden sie nach einer oder zwei Fünf-Jahres-Perioden ausgewechselt. Damit sie dann nicht ins Nichts fallen, haben sie Anspruch auf 40 bis 65 Prozent des Grundgehaltes - grob gerechnet sind das also rund 10.000 Euro monatlich - für die Dauer von drei Jahren. Das soll ihnen "beim Übergang in den Arbeitsmarkt helfen", begründete ein Kommissionssprecher in dieser Woche die Wohltat.

Nur, so schwierig ist der Wechsel offenbar gar nicht. Manche Ex-Kommissare kehren einfach zurück in die heimische Politik, andere verkaufen ihre in Brüssel erworbenen Kenntnisse und Kontakte in der freien Wirtschaft. Sie sind dort hochwillkommen, wie das Schicksal der im Februar dieses Jahres abgelösten Kommissare zeigt. Beispielsweise hat

  • Ex-Industriekommissar Günter Verheugen Jobs bei einer britischen Bank, einem deutschen Banken- und einem türkischen Wirtschaftsverband, einer amerikanischen PR-Agentur in Brüssel; mit seiner Ex-Kabinettschefin hat Verheugen zudem eine Beratungsagentur gegründet.
  • Ex-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner besetzt gut dotierte Posten bei einem deutschen Versicherungskonzern und einem spanischen Energieunternehmen.
  • Ex-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy kam beim Billigflieger Ryanair unter.
  • Ex-Verbraucherkommissarin Meglena Kunewa fand freundliche Aufnahme bei einer französischen Bank.

Offenbar beziehen mindestens 15 ehemalige Kommissare Übergangsgeld, das kam diese Woche ans Licht, obwohl sie längst neue Arbeitgeber gefunden haben. Günter Verheugen immerhin hat auf das Übergangsgeld verzichtet. Bei den anderen wird es allenfalls gekappt - ansonsten wird munter kassiert. Es steht ihnen ja auch satzungsgemäß zu.

Teure Europa-Rentner

Auch die überaus soziale Absicherung fürs Alter der Kommissare und der anderen Spitzenkräfte der Europäischen Institutionen ist selbstverständlich formal korrekt geregelt. Nach 16 Jahren Arbeit für Europa ist der Höchstsatz der EU-Rente erreicht, 70 Prozent des letzten Gehalts. Für die meisten Lebenszeit-Beamten der Oberklasse bedeutet das eine Altersrente von weit über 10.000 Euro im Monat. Beiträge mussten sie dafür nie zahlen. So viel bringen Kommissare kaum zusammen. Aber selbst wenn sie nur eine fünfjährige Amtsperiode überstehen, liegt ihr Pensionsanspruch allein dafür schon bei fast 5000 Euro pro Monat.

Ein deutscher Angestellter mit Spitzenverdient könnte sein Leben lang Höchstbeiträge in die Rentenkasse zahlen - auf diese Summe käme er nie. Aber das gilt ja nicht nur im Vergleich zu politischen Klasse in Brüssel. Auch die Rentenansprüche deutscher Politiker sind für Normalsterbliche nicht zu erreichen.

Aber so ist das eben, die einen bestimmen die Regeln, die anderen baden sie aus.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 67 Beiträge
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1. Es IST zum heulen.
archnase 23.09.2010
Aha. Vollpfosten wie G. Oettinger, die nichtmal Englisch können -- nein, mehr noch: die nichtmal ihre miserablen Englischkenntnisse einigermaßen korrekt einordnen können, kriegen ~20.000 Euro *im Monat*. Und weil es offenbar nicht möglich ist, in der Zeit als Kommissar etwas zu sparen, bis zu drei Jahre danach mindestens 40%, also 8000 Euro/Monat. Um Sie "an den Arbeitsmarkt zu gewöhnen". Wahrscheinlich würden aber eben diese Leute, die das verteidigen, nichtmal mit der Wimper zucken wenn es um die Behauptung geht, Politiker müssten so viel verdienen, da diese fachlich hervorragenden Kräfte sonst alle in die Wirtschaft gehen würden. Und ein normaler Menschen wird nach 12, spätestens 18 Monaten behandelt wie jemand, der nie etwas geleistet hat. Aber natürlich erst, sobald er seine Ersparnisse einigermaßen aufgebraucht hat. Nö, Politiker sind nunmal wirklich das Letzte. Das mag populistisch sein oder, A.M. lässt grüßen, "nicht hilfreich". Die sachliche Angemessenheit dieser Feststellung sehe ich durch keines der beiden Gegenargumente berührt.
2. Wer sich noch ueber die Politikverdrossenheit
diefreiheitdermeinung 23.09.2010
wundert, dem ist nach der Lektuere von Zitat Kommissionssprecher Michael Mann. "Wir wollen verhindern, dass sie jede erstbeste Stelle annehmen müssen", sagte er. Zitat Ende nicht mehr zu helfen. Sagen Sie das mal den Millionen Arbeitslosen oder jedem NORMALEN Arbeitnehmer dessen Taetigkeit z.B. aus wirtschaftlichen Gruenden bei einem Unternehmen zu Ende geht. Die EU als Selbstbedienungsladen, taeglich wird es uns neu bewiesen. Zeit dazwischenzuschlagen!
3. Mich macht
marypastor 23.09.2010
Zitat von sysopZahlreiche ehemalige EU-Kommissare*bekommen Übergangsgeld -*obwohl sie längst neue Spitzenpositionen in Wirtschaft oder Politik bekleiden. Unter den Doppelverdienern ist auch*der italienische Außenminister Franco Frattini. Die Kommission verteidigt die umstrittene Regelung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,719230,00.html
diese Verschwendung von Steuergeldern an previligierte Nichtstuer und Durchmogler in Bruessel wahnsinnig wuetend, weil damit wieder mal bewiesen ist, dass die EU und der Bruesseler Apparat hauptsaechlich ihrer selbst wegen geschaffen wurde. Die Postenschacherei auf hoher Ebene mit Millionaersgehaeltern, die nach Gutsherrenart von den Beamten selbst festgelegt werden, hat mit Anstand und Ethik nichts mehr zu tun. Es ist einfach eine Schweinerei. Besonders auch deshalb, weil die Herrschaften keinen Chef haben, der sie kontrolliert und nie eine Bewertung ihrer Arbeit oder Ergebnisse abliefern muessen. Man sieht's mal wieder: wer Geld vedienen will aber kein Talent zum Unternehmer und ueberhaupt zu gar nichts hat, geht in die Politik. Da faellt's nicht auf.
4. Stamm
genugistgenug 23.09.2010
Zitat von sysopÜbergangsgeld: Ex-EU-Kommissare kassieren trotz neuer Top-Jobs Zahlreiche ehemalige EU-Kommissare*bekommen Übergangsgeld -*obwohl sie längst neue Spitzenpositionen in Wirtschaft oder Politik bekleiden. Unter den Doppelverdienern ist auch*der italienische Außenminister Franco Frattini. Die Kommission verteidigt die umstrittene Regelung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,719230,00.html
Politiker und Bürokraten gehören dem Stamme NIMM ALLES ARBEITE NICHTS an und das nannte man früher Schmarotzertum - das erkennen immer mehr Menschen
5. wieso nicht anrechnen?
elifchen 23.09.2010
Jedem Sozialhilfe-Empfänger, der nebenbei sich ein bißchen was dazuverdient, wird das von seinem Bezug abgezogen. Und hier handelt es sich "nur" um ein paar Hundert Euro. Aber die Politiker sind sich halt selbst der nächste. Was sind schon 8000€ Übergangsgeld im Monat für einen armen EU-Kommissar. Der muss ja erst mal in Ruhe schauen, wo er einen neuen Job findet. Der kann ja nicht einfach den nächstbesten Job nehmen. Ach - mancher HARTZ IV bzw. Arbeitslosengeld II Empfänger schafft es gar nicht auf die 8000€ zu kommen - im Jahr wohlgemerkt. Wie heißt es so schön: Wie kannst du zu deinem Bruder sagen:"Erlaube mir, den Strohhalm aus deinem Auge zu ziehen", wenn, siehe, ein Balken in deinem eigenen Auge ist? Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge, und dann wirst du klar sehen, wie du den Strohhalm aus deines Bruders Auge ziehen kannst. Aber diese Worte werden wohl auf taube Poitiker-Ohren stoßen.
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Barroso und seine EU-Kommissare
Kommissionspräsident
José Manuel Barroso , Portugal, Präsident der EU-Kommission
Stellvertreter des Präsidenten
Catherine Ashton , Großbritannien, Hohe Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik

Viviane Reding , Luxemburg, Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft

Joaquín Almunia , Spanien, Kommissar für Wettbewerb

Siim Kallas, Estland, Kommissar für Verkehr

Neelie Kroes , Niederlande, Kommissarin für die "Digitale Agenda"

Antonio Tajani, Italien, Kommissar für Industrie und Unternehmen

Maros Sefcovic, Slowakei, Kommissar für Interinstitutionelle Beziehungen und Verwaltung
Wirtschaft, Handel, Industrie, Energie
Olli Rehn , Finnland, Kommissar für Wirtschaft und Währung

Karel De Gucht, Belgien, Kommissar für Handel

Michel Barnier, Frankreich, Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistung

Günther Oettinger , Deutschland, Kommissar für Energie
Haushalt, Verwaltung, Struktur, Erweiterung
Janusz Lewandowski, Polen, Kommissar für den Haushalt und die Finanzplanung

Johannes Hahn, Österreich, Kommissar für die Regionalpolitik

Stefan Füle, Tschechien, Kommissar für Erweiterung und Europäische Nachbarschaftspolitik
Umwelt, Klima, Entwicklung, Bildung, Forschung
Janez Potocnik, Slowenien, Kommissar für Umwelt

Connie Hedegaard, Dänemark, Kommissarin für das Klima

Andris Piebalgs, Lettland, Kommissar für Entwicklung

Androulla Vassiliou, Zypern, Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend

Máire Geoghegan-Quinn, Irland, Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft

Landwirtschaft, Fischerei, Gesundheit
Dacian Ciolos, Rumänien, Kommissar für Landwirtschaft

Maria Damanaki, Griechenland, Kommissarin für Maritime Angelegenheiten und Fischerei

John Dalli, Malta, Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik

Inneres, Zoll
Cecilia Malmström, Schweden, Kommissarin für Inneres

Algirdas Semeta, Litauen, Kommissar für Steuern und Zollunion, Audit und Betrugsbekämpfung

Soziales, Humanitäre Hilfe
László Andor, Ungarn, Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration

Kristalina Georgiewa, Bulgarien, Kommissarin für Internationale Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenreaktion


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