Strategie der EU-Kommission Liebe Europäer, trinkt mehr Leitungswasser!

Trinkwasser in der EU soll besser und leichter verfügbar werden: Die EU-Kommission legt eine neue Wasserstrategie vor - auch die Menge der weggeworfenen Plastikflaschen könnte damit sinken.

Leitungswasser: EU-Kommission will Qualität verbessern
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Leitungswasser: EU-Kommission will Qualität verbessern

Von , Brüssel


Es war das erste erfolgreiche Bürgerbegehren auf EU-Ebene: Nach Angaben der EU-Kommission haben 1,6 Millionen Europäer die "Right2Water"-Initiative unterstützt, laut der Initiative selbst sind inzwischen fast 1,9 Millionen Unterschriften zusammengekommen. Jetzt reagiert die Kommission, indem sie eine neue Wasserstrategie vorlegt.

Das Hauptziel ist, Leitungswasser in der EU noch sicherer zu machen und dadurch mehr Verbraucher dazu zu bringen, auf Wasser in Flaschen zu verzichten. Dazu werde man unter anderem 18 neue Substanzen und Mikroben auf die Liste von Kriterien für sicheres Trinkwasser setzen, erklärte Umweltkommissar Karmenu Vella - darunter Legionellen, Bisphenol-A und Chlorat.

Die Qualität von Leitungswasser ist in den meisten EU-Staaten, darunter in Deutschland, schon jetzt hoch. Um das Vertrauen der Bürger ist es allerdings weniger gut bestellt: Nach Erkenntnissen der Kommission finden nur 20 Prozent der Europäer das Leitungswasser außerhalb ihres Heimatlands akzeptabel.

Würden aber mehr Menschen Leitungs- statt Flaschenwasser trinken, könnten EU-Haushalte nach Berechnungen der Kommission mehr als 600 Millionen Euro jährlich sparen. Auch die Umwelt würde profitieren, sagte Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans. Schätzungen zufolge könnte der Gebrauch von Wasserflaschen um 17 Prozent zurückgehen, wenn die Qualität von Leitungswasser steige. Deshalb spiele die Wasserstrategie auch mit der erst kürzlich vorgestellten Plastikmüll-Strategie der EU-Kommission zusammen.

Die Mehrkosten durch die Verbesserungsvorschläge beziffert die Kommission auf 1,6 bis 2,2 Milliarden Euro pro Jahr. Die Bereitstellung von Trinkwasser in Europa koste derzeit jährlich rund 46 Milliarden Euro.

23 Millionen Bürger ohne Zugang zu Leitungswasser

Der Zugang zu hochwertigem Leitungswasser ist innerhalb der EU stark unterschiedlich. 23 Millionen EU-Bürger sind nach Angaben der Kommission nicht an öffentliche Wassersysteme angeschlossen, eine Million meist arme Menschen haben gar keinen Zugang zu gutem und sicherem Wasser.

Die Kommission will die EU-Länder nun drängen, Wasserzapfstellen in der Öffentlichkeit und in staatlichen Gebäuden einzurichten. Zugleich wolle man Restaurants, Kantinen und Caterer "ermutigen", Leitungswasser gratis an Kunden auszuschenken, sagte Timmermans. "Wir wollen sie aber nicht per Gesetz dazu zwingen."

Die zentrale Forderung der "Right2Water"-Initiative, den Zugang zu Wasser zum Menschenrecht zu erklären, berücksichtigt die Kommission nicht. Das habe rechtliche Gründe, sagte Timmermans: Der Zugang zu Wasser sei nicht als Grundrecht in EU-Verträgen definiert, und nur auf deren Grundlage könne die Kommission operieren. In politischer Hinsicht aber, betonte Timmermans, sei das Recht auf Wasser "fundamentales Thema".

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insgesamt 81 Beiträge
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dr.klugscheisser 01.02.2018
1. Oh Mann...
Wieder ein völlig anachronistischer und modernen Ansätzen zuwider laufender Ansatz aus Brüssel. Eine 4 köpfige Familie verbraucht rund 700 Liter bestes und teuer aufbereitetes Trinkwasser pro Tag. Nur ein Bruchteil davon wird für Zwecke eingesetzt, bei denen diese Qualität nötig ist. Pure Verschwendung. Sinnvoll wäre Leitungswasser mit einer Mindestqualität um damit duschen und waschen zu können. Trinkwasserqualität wird dann in dezentralen Kleinanlagen erzeugt. Alles heute schon für ein paar 100 Euro zu haben. Man spart Milliarden weil man keine Mineralwasserqualität benutzt um das Klo zu spülen oder das Auto zu waschen. Und kriegt so auch schneller gute Qualität ins letzte Dorf. Aber es geht ja nicht um Sinnvolles, sondern darum die grossen Wasserkonzerne mit ihren Gewinnen weiter fest im Sattel zu halten.
rhubarb 01.02.2018
2. Wertvolles Leitungswasser
Hier in München kann ich es einfach nicht verstehen, warum Leute "Tafelwasser", oft ohnehin viel weniger wertig als das Wasser, das aus der Leitung kommt, in Plastikflaschen (Geschmack, Entsorgung!) nach Hause schleppen. Wer Sprudel mag, soll sich doch einen Aufsprudler (gibt's auch mit Glasflaschen!) zulegen. OK -- ausgesprochene Heilwässer (wie Fachinger mit seinen nachgewiesen säurebindenden Eigenschaften) sind ein anderes Thema -- aber für das allgemeine Trinken/Kochen/Verbrauchen, warum vertraut Ihr nicht Euren Stadtwerken, die mit den Bauern sogar Verträge zur Düngemittelvermeidung ausmachen, die erst nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten wirklich Wirkung zeigen? Glaubt Ihr, die Anbieter der "Tafelwässer" scheren sich einen Deut?
fahrgast07 01.02.2018
3. Gut so!
Warum hat man nicht den Mut, die Gastronomen zu zwingen, Leitungswasser anzubieten? Das wäre eine sehr hilfreiche Maßnahme gegen ungesunde Softdrinks. Und die Abzocke mit "Edel"-Wasser, das durch halb Europa gekarrt wird, wäre endlich vorbei. Mehr Mut, EU!
rambazamba1968 01.02.2018
4. Rücktritt
ich fordere hiermit den Rücktritt von Timmermann. Wenn er Kantinen, Restaurants und Catering zu kostenlosen Leitungswasser ermutigen möchte, fällt mir glatt die Coladose aus der Hand. Restaurants, die durch den Verkauf von Getränken überhaupt überleben zu kostenlosen Leitungswasser zu ermutigen, ist so inkompetent, dass er bitte sofort zurücktreten soll. Wir benötigen in einer EU-Kommision kluge Leute
phantasierender... 01.02.2018
5. Wie soll man Leute zum Leitungswasser trinken bringen, wenn
Man ein völlig falsches messtellennetz nach Brüssel meldet in dem steht das zuviel Nitrat im Wasser ist. erstmal das messtellennetz Richtigstellen dann fünf Jahre warten und dann sieht man weiter.
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