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Kroatiens Premier Milanovic: "Wir haben keine Angst vor der Kanzlerin"

Begeisterung für die EU - gibt's sowas auch noch? Ja - in Kroatien. Premier Zoran Milanovic will sein Land in die Europäische Union führen und danach auch alle anderen Balkanstaaten aufnehmen. Im Interview spricht er über das Vorbild Deutschland und den begehrenswerten "Club EU".

Kroatisches Parlament in Zagreb: "Besser, zum Club dazuzugehören, als alleine zu stehen" Zur Großansicht
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Kroatisches Parlament in Zagreb: "Besser, zum Club dazuzugehören, als alleine zu stehen"

SPIEGEL ONLINE: Die EU steckt in der wohl tiefsten Krise seit ihrem Bestehen. Lohnt es sich überhaupt noch beizutreten?

Milanovic: Man darf unseren Schritt nicht nur kurzsichtig aus dem Blickwinkel der Gegenwart sehen. Es ist gerade jetzt besser, zum Club dazuzugehören, als alleine zu stehen - auch wenn der Club im Moment vielleicht Probleme hat. Der Beitritt fordert von uns, hohe Standards im wirtschaftlichen und politischen Bereich zu erfüllen. Es ist wie eine Abschlussprüfung, wie ein Master of Business Administration. Wenn du den hast, kannst du nicht so leicht übergangen werden.

SPIEGEL ONLINE: Neulich hat der Bürgermeister von London, Boris Johnson, das "schöne Kroatien" schon mal in der EU willkommen geheißen - und Ihrem Land empfohlen, doch bloß auf den Euro zu verzichten. Werden Sie diesem Rat folgen?

Milanovic: Wir werden auf den Euro zuarbeiten. Aber ob wir ihn in zehn Jahren einführen? Ich weiß es nicht. Wenn wir jetzt ein Referendum darüber abhalten würden - ich bin nicht sicher, dass wir die Zustimmung der Kroaten bekämen.

SPIEGEL ONLINE: Wie beurteilen Sie das Krisenmanagement der Euro-Zone?

Milanovic: Man darf in der aktuellen Situation vor allem eines nicht vergessen: Die EU hat in den letzten fünf Jahrzehnten zwischen Spanien und Finnland Räume zusammenwachsen lassen, die vorher Welten auseinander lagen. Das ist eindeutig eine Erfolgsstory, eine Meisterleistung. Ich bin in Jugoslawien geboren, einem multiethnischen Gebilde, da gab es auch Strukturhilfen für die armen Regionen. Dennoch blieb der ökonomische Graben zwischen dem Kosovo und Slowenien immer tief. Europa hat sich mit dem Euro-Rettungsschirm und dem Fiskalpakt neue Instrumente gegen die Krise zugelegt. Ich finde auch, dass die Europäische Zentralbank gute Arbeit leistet. Sie kauft Staatsanleihen, drückt die Zinslast, und sie generiert alles in allem Wachstum.

SPIEGEL ONLINE: An diesem Dienstag treffen Sie Kanzlerin Merkel. Sie ist besonders in einigen südlichen EU-Ländern zu einer Hassfigur geworden. Wie sehen die Kroaten Europas mächtigste Frau?

Milanovic: Wir haben hier keine Angst vor der Kanzlerin. Ich erinnere noch gut, wie jahrelang über die deutsche Malaise gesprochen wurde, wie Deutschland Wachstumsschlusslicht in Europa war. Aber daraus hat sich das Land mit mutigen Reformen befreit. Deutschland ist ein Vorbild für uns: Die deutsche Rationalität, der Fleiß...

SPIEGEL ONLINE: Die strenge deutsche Sparsamkeit auch?

Milanovic: Ja, auch.

SPIEGEL ONLINE: Oder halten Sie es eher mit Ihrem sozialdemokratischen Parteifreund François Hollande, der mehr Geld in die Märkte pumpen will, um Wachstum zu erzeugen?

Milanovic: Ich kenne ihn und seine Ansichten. Er ist kein leichtfertiger Politiker. Man kann auch nicht sagen, dass seine Haltung der deutschen absolut widerspricht. Er kommt aus dem Norden, der Normandie, das lässt vermuten, dass er eine eher niederländisch-protestantische, also durchaus sparsame, Auffassung vom Wirtschaften hat. Er ist Sozialist: Die deutschen Reformen hat schließlich auch ein Linker, Gerhard Schröder, durchgesetzt.

SPIEGEL ONLINE: Wir wirkt die griechische Misere aus der Sicht eines postkommunistischen Landes? Griechenland, das schon lange der westlichen Sphäre angehört, bringt den Euro an den Rand des Kollapses.

Milanovic: Wir sehen Griechenland nicht als Missetäter. Die Krise dort ist ein Warnzeichen vor einem Weg, den wir nicht beschreiten sollen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Sorge, dass Kroatien als Europa-Nachzügler immer härtere Auflagen gemacht werden?

Milanovic: Die habe ich in der Tat. Aber aus unserer Sicht überwiegen in jedem Fall die Vorteile eines Beitritts. Wir werden zehn Jahre lang doppelt so viel Geld aus Brüssel bekommen, wie wir einzahlen. Wir haben eine Generation lang Zeit, zum Rest Europas aufzuschließen.

SPIEGEL ONLINE: In der EU sind viele der Auffassung, dass Rumänien und Bulgarien verfrüht aufgenommen wurden. Ist Brüssel deshalb mit Kroatien strenger gewesen?

Milanovic: Nein, ich würde nicht sagen, dass wir für Rumänien und Bulgarien büßen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Nationalismus hat in den neunziger Jahren Krieg auf dem Balkan provoziert. Ist die europäische Verheißung in Ihrem Land jetzt stärker als der Nationalismus?

Milanovic: Wir Kroaten haben im vorigen Jahrhundert an einer Überdosis Geschichte zu leiden gehabt. Es gibt noch Nationalismus bei uns, natürlich. Aber die Gemüter kühlen sich langsam ab. Wir, die Sozialdemokraten, wurden gewählt, obwohl wir die Menschen nie nach ihrer Sprache oder Religion eingeteilt haben, also alles andere als nationalistisch sind.

SPIEGEL ONLINE: Der ehemalige serbische Präsident, Boris Tadic, machte unlängst Urlaub an der kroatischen Riviera. Sind die Beziehungen nach Belgrad jetzt ganz entspannt?

Milanovic: Es gibt schon seit 16 Jahren ein Nachbarschaftsabkommen. Vieles hat sich seitdem verbessert. Die Vorurteile zwischen Serben und Kroaten schwinden, wenn auch langsam.

SPIEGEL ONLINE: Kroatien ist vorerst das letzte Land, dessen EU-Beitritt beschlossene Sache ist. Glauben Sie, dass danach der Erweiterungsprozess noch einmal wiederzubeleben ist?

Milanovic: Kroatien wird sich dafür einsetzen, doch wird das sehr schwierig. Erweiterungsmüdigkeit herrscht schon seit langem. Wir wollen aber, dass unsere Nachbarn ebenfalls aufgenommen werden. Natürlich auch Serbien.

Das Interview führte Jan Puhl

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1. Was denn, noch mehr Pleitegeier
ronald1952 18.09.2012
Zitat von sysopAPBegeisterung für die EU - gibt's sowas auch noch? Ja - in Kroatien. Premier Zoran Milanovic will sein Land in die Europäische Union führen und danach auch alle anderen Balkanstaaten aufnehmen. Im Interview spricht er über das Vorbild Deutschland und den begehrenswerten "Club EU". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,856239,00.html
unter den Euro-rettungsschirm?Nun, da jetzt ja alles durchgewunken wurde vom BGH wollen natürlich auch andere in den Genuß der großen Gelddruckmaschine gelangen.Wir,nein nicht wir sonderen unsere bescheuerten Politiker hätte einige der Staaten die sich in der EU tummeln niemals aufnehmen dürfen.Aber wie gesagt, gegen Dummheit ist nun mal kein Kraut gewachsen.Also, als her mit den anderen Pleitestaaten und aufgenommen in den maroden Euroring wir habens doch.Und klar hat dieser Herr keine Angst von der Kanzlerin,man muss sich nur mal ansehen wie diese Herrschaften im eigenen Lande zu Frauen stehen und mit ihnen umgehen! schönen Tag noch,
2. das wir es doch wohl nicht geben, oder?
capricorn5x 18.09.2012
Bevor man solche oder irgendwelche anderen Staaten aufnehmen kann/soll, muss man sehen ob die EU überhaupt überleben wird. Außerdem hat die EU genug von solchen kaputten Staaten welche unterstützt werden müssen, denn diese Staaten werden eher Geld abziehen als einzahlen.
3. Begeisterung?
ws1956 18.09.2012
Zitat von sysopAPBegeisterung für die EU - gibt's sowas auch noch? Ja - in Kroatien. Premier Zoran Milanovic will sein Land in die Europäische Union führen und danach auch alle anderen Balkanstaaten aufnehmen. Im Interview spricht er über das Vorbild Deutschland und den begehrenswerten "Club EU". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,856239,00.html
Was hat man den Kroaten über die EU erzählt damit sie (angeblich)so begeistert sind? Man solle den Kroaten die wahre EU zeigen, nämlich so wie sich die EU gibt und wie die EU ist. Wetten dass dann die (angebliche) Begeisterung nachlässt?
4. gutzer deal,
waltherwhite 18.09.2012
"wir werden 10 Jahre lang mehr doppelt soviel Geld von der EU bekommen wie wir einzahlen" wer erzählt hier wem eigentlich die EU wäre keine Transferunion??!!
5. Willkommen im Club
odysseus33 18.09.2012
Noch einer der seinen Senf dazu gibt. Das brauchen wir gerade noch. Der sieht was er sehen will, und sagt was ihm gerade in den Sinn kommt oder in den Kram passt. Vor allem von außen über Deutschland... Wenn Herr Milanovic auf Nachbar Serbien schaut denkt er sicher dass es immer noch besser ist wenn er und seine Eliten in der Krise gerettet werden, gegen Auflagen die die eher die Einkommensschwachen treffen, als ganz alleine da zu stehen. Deutschland war Jahrzehnte überwiegend stark in Europa, wobei es auch immer wieder ernste Krisen gab, die irgendwann eben wieder vorbei waren. Nur weil es einige Jahre "kranker Mann" genannt wurde, am Ende dieser Phase die Agenda umgesetzt wurde und die deutsche Wirtschaft dann irgendwann wieder anzog, kann man nicht den Schluss ziehen dass das kausal überwiegend zusammen hing. Das wäre so als ob man morgens Apfelsaft trinkt und dann von einem Headhunter einen tollen Job angeboten bekommt. Und daraufhin immer Apfelsaft trinkt. Natürlich haben 10 Jahre Lohnverzicht/-Verlust die "Wettbewerbsfähigkeit" erhöht, was zur Eurokrise beitrug die die Armen in Europa nun noch mal ausbaden müssen, während die Reichen lustig reicher wurden. Welchen Sinn macht das, nebenbei, wenn man es genau betrachtet? Also nicht die Makrodaten sondern die Menschenschicksale?
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Zur Person
  • REUTERS
    Zoran Milanovic, 45, gewann im Dezember an der Spitze eines sozial-liberalen Bündnisses die Parlamentswahl. Er hat in Brüssel studiert und sagt von sich, er sei "europhil". Kroatien wird im Juli 2013 der Europäischen Union beitreten. Das Land hat schwer unter der Wirtschaftskrise gelitten, konnte sich aber dank eines straffen Sparprogramms berappeln. Im nächsten Jahr darf Zagreb wieder mit mindestens einem Prozent Wachstum rechnen.

Fläche: 56.594 km²

Bevölkerung: 4,236 Mio.

Hauptstadt: Zagreb

Staatsoberhaupt:
Kolinda Grabar-Kitarovic

Regierungschef: Tihomir Oreskovic

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