EU-Parlament Hollande fürchtet "totalen Krieg" im Nahen Osten

Angela Merkel hat im Europaparlament vor nationaler Abschottung in der Flüchtlingskrise gewarnt. Frankreichs Staatschef Hollande warnt, dass der Krieg in Syrien sogar Europa erreichen könnte.

Merkel, Hollande: Historischer Auftritt
AFP

Merkel, Hollande: Historischer Auftritt


Angesichts zahlreicher Krisen fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) neue Strategien in Europa. "Wir müssen unsere Außen- und Entwicklungspolitik stärker darauf ausrichten, Konflikte zu lösen und Fluchtursachen zu bekämpfen", sagte Merkel bei einer Rede vor dem Europaparlament in Straßburg. Sie nannte die Flüchtlingskrise eine "Bewährungsprobe historischen Ausmaßes". Der Kontinent könne sich von globalen Ereignissen nicht entkoppeln.

Merkel war gemeinsam mit Frankreichs Staatschef François Hollande vor das Plenum getreten, um sich zur Zukunft der Europäischen Union zu äußern. Es war das erste Mal seit fast 26 Jahren, dass die Staats- und Regierungschefs der beiden Länder gemeinsam im Europaparlament auftraten. Am 22. November 1989 hatten Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und Frankreichs Präsident François Mitterrand zu den Abgeordneten gesprochen - wenige Tage nach dem Fall der Berliner Mauer.

Merkel warnte nun vor nationalen Alleingängen. "Wir dürfen in der Flüchtlingskrise nicht der Versuchung erliegen, in nationalstaatliches Handeln zurückzufallen", sagte sie. "Ganz im Gegenteil." Gerade jetzt brauche es mehr Europa. "Nur gemeinsam wird es uns gelingen, eine faire Verteilung von Flüchtlingen auf alle Mitgliedstaaten zu erreichen", so Merkel. "Abschottung und Abriegelung im Zeitalter des Internets sind eine Illusion."

"Henker des eigenen Volkes"

Hollande sprach mit Blick auf den Syrienkonflikt vor einem drohenden "totalen Krieg" im Nahen Osten. Wenn die EU es zulasse, dass sich die religiösen Konfrontationen in der Region noch weiter verschärften, könne der Konflikt sogar Europa erreichen, sagte er.

Konkret forderte der französische Präsident die Mitgliedstaaten dazu auf, an einer politischen Lösung zu arbeiten, die eine Alternative zu Syriens Machthaber Baschar al-Assad und der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sei. Es sei nicht möglich, die moderate und demokratische Opposition mit dem "Henker des eigenen Volkes" zusammenzubringen.

Merkel hatte zuletzt Gespräche mit Assad nicht mehr ausgeschlossen. Hollande räumte auch Fehler ein. Europa habe es versäumt "zu verstehen, dass die Tragödien in Afrika und dem Nahen Osten nicht ohne Konsequenzen" für den Kontinent seien.

kev/AFP/dpa/Reuters



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