Weibliche Führungskräfte EU plant Frauenquote per Gesetz

Die EU macht Ernst mit der Quote. Laut einem Zeitungsbericht will Justizkommissarin Reding die Unternehmen zu einem Frauenanteil in Aufsichtsräten von 40 Prozent verpflichten - und zwar per Gesetz. In Deutschland sind es derzeit nur knapp 18 Prozent.


Berlin - Geht es nach dem Willen von EU-Justizkommissarin Viviane Reding, dann sitzen künftig deutlich mehr Frauen in Führungspositionen von Unternehmen. Einem "Handelsblatt"-Bericht zufolge plant Reding ein Gesetz für eine Frauenquote in Aufsichtsräten. Ein Richtlinienvorschlag solle dazu im Oktober vorgelegt werden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Kreise, die mit den Vorgängen vertraut seien.

Demnach sollen im Jahr 2020 mindestens 40 Prozent der Aufsichtsratsposten in börsennotierten Unternehmen mit Frauen besetzt sein. Derzeit schätze die Kommission die Folgen des geplanten Gesetzes ab. Reding hat für den Sommer konkrete Vorschläge für eine EU-weite Frauenquote angekündigt. Eine dreimonatige öffentliche Anhörung dazu sollte Ende Mai ablaufen. Im März hatte Reding kritisiert, dass ihr Angebot einer freiwilligen Selbstverpflichtung an die Firmen unbefriedigend aufgenommen worden sei.

Geltendes Gesetz wird der EU-Vorschlag nur, falls EU-Länder und Europaparlament ihn verabschieden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt eine verpflichtende Quote bislang ab und setzt auf die sogenannte Flexi-Quote. Sie sieht vor, dass Unternehmen sich selbst ein Ziel für die Förderung von Frauen in Führungspositionen setzen.

Nach SPIEGEL-Informationen hatte sich Merkel zuletzt in einem vertraulichen Gespräch mit CSU-Chef Horst Seehofer auf die Flexi-Quote geeinigt.

Auch deutsche Politiker machen Druck

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) signalisierte jetzt, dass die Versprechen der Wirtschaft bei der Durchsetzung einer Frauenquote nicht ausreichen würden. "Die Freiwilligkeit hat uns bei der Zahl der Frauen in Führungsgremien der Wirtschaft nicht wirklich weitergebracht", sagte McAllister der "Leipziger Volkszeitung". "Deshalb besteht hier politischer Handlungsbedarf."

McAllister räumte ein, eine schnelle Regelung sei mit der FDP nicht zu machen, weil diese sich gegen eine Quote sperre. Daher solle sich die CDU in ihrem Programm zur nächsten Bundestagswahl positionieren.

Auch der Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) kritisierte, die Selbstverpflichtung der Unternehmen funktioniere nicht, und forderte, die Politik müsse handeln. "Eine Frauenquote von 40 Prozent muss sein - allem Enteignungsgezeter zum Trotz", sagte VdU-Präsidentin Stephanie Bschorr der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Ohne ein Umdenken bestehe die Gefahr, dass Deutschland international wirtschaftlich ins Hintertreffen gerate. Es sei unhaltbar, "dass mehr als 40 Prozent der Studienabgänger Frauen mit teils besseren Abschlüssen als Männer sind, und am Ende dünnt sich das dann plötzlich aus". Deutschland könne es sich nicht leisten, diesen Pool an Fachkräften brachliegen zu lassen.

Einer Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers zufolge hat sich der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der deutschen Großkonzerne zuletzt etwas erhöht. Demnach ist knapp ein Fünftel (18,2 Prozent) der Posten in den Aufsichtsräten der 30 Dax-Konzerne weiblich besetzt. Anfang 2011 lag die Quote noch bei 13,4 Prozent.

hen/Reuters/dpa/dapd



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Snoozel 14.06.2012
1.
Ja, das wird die Frauen sicher freuen. Nicht wegen Leistung in der Position, sondern wegen der Quote. Toll ... das werden sie sich ständig anhören müssen.
ichbinsimmernoch 14.06.2012
2. Wenn Quote, dann aber überall!
Wenn es hier eine Frauenequote geben soll, dann sollte das aber grundsätzlich gelten. Das bedeutet, daß auch entsprechend viele Männer in Kindergärten beschäftigt werden müssen. Nicht nur bei Führungskräften brauchen wir die Quote sondern auch bei normalen Jobs wie bei der Müllabfuhr, der Bundeswehr, etc. Dieser Quatsch von positiver und negativer Diskriminierung und der Wunsch nach Gleichmacherei geht mir gegen den Strich. Das macht doch keinen Sinn. Männer und Frauen sind unterschiedlich. Aussen und Innen. Ich kann doch auch als Mann niemanden verantwortlich machen, daß ich keine Kinder gebähren kann!
Amanare 14.06.2012
3. Schlag ins Gesicht
Ein Schlag ins Gesicht für jeden hart arbeitenden Mann und für jede Frau, die sich bisher durch eigene Qualitäten eine entsprechende Position erarbeiten konnte. Auf Dauer müssen Firmen entsprechende Positionen mit den am besten geeigneten Personen besetzen und nicht durch eine altbakene Geschlechtertrennung behindert werden. Man müsste anstatt über Quoten zu reden eher die Gesetze zur Gleichstellung verschärfen und Verstöße dagegen viel strenger ahnden.
Cassandra105 14.06.2012
4.
Zitat von sysopDie EU macht ernst mit der Quote. Laut einem Zeitungsbericht will Justizkommissarin Reding die Unternehmen zu einem Frauenanteil in Aufsichtsräten von 40 Prozent verpflichten - und zwar per Gesetz. In Deutschland sind es derzeit nur knapp 18 Prozent. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,838759,00.html
Ahja, eine sexistische Frau darf also einfach mal so etwas derartiges Durchprügeln, was sowieso wieder nur der "Elite" hilft, weil natürlich die Frauen der Manager oder Politikerinnen wie sie in die Aufsichtsräte kommen. Das Geschlecht ist egal, wenn man sowas verlangt, dann muss man auch freie Geschlechtswahl für alle anbieten.
watislos 14.06.2012
5. Weiterhin illegal
Eine solche Quote ist weiterhin mit dem deutschen Grundgesetz unvereinbar und hat daher in Karlsruhe keinen Erfolg. Und wieder werden dutzende Politiker tausende Mann/Fraustunden Arbeit in ein Projekt stecken das von Anfang an zum scheitern verurteilt ist.
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