EU-Präsident Herman Van Rompuy Die Stärke des blassen Belgiers

Anfangs war er nur der "blasse Belgier", doch Herman Van Rompuy hat sich zu einem einflussreichen Strippenzieher in Brüssel gemausert: Der EU-Ratspräsident hat in der Euro-Krise seine Rolle gefunden. Jetzt ist er wiedergewählt - und erhält noch einen zweiten Posten.

EU-Ratspräsident Van Rompuy: Einer der mächtigsten Männer Europas
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EU-Ratspräsident Van Rompuy: Einer der mächtigsten Männer Europas


Gleich auf seinem ersten EU-Sondergipfel musste er seine ganze diplomatische Kunst aufbieten. Im Februar 2010 war Herman Van Rompuy seit zwei Monaten EU-Ratspräsident, da stritten Angela Merkel und Nicolas Sarkozy schon um Hilfen für Griechenland. Ein Kompromiss musste her, der Belgier bat zum vertraulichen Gespräch, am Ende sagten alle Partner Athen grundsätzlich Unterstützung zu. Es war der Einstieg in die Griechenland-Rettung.

Die Euro-Krise hat Van Rompuy seither nicht mehr losgelassen. Unzählige Gipfel und Sondergipfel sind gefolgt, und immer war der stille Christdemokrat mit seiner ausgleichenden Art einer der entscheidenden Akteure. Kritiker bemängeln zwar, dass die Europäer in den vergangenen zwei Jahren nicht entschieden genug gehandelt haben. Die Schuld daran wird aber in der Regel der zaudernden Kanzlerin gegeben. Van Rompuy hingegen wird als effizienter Vermittler gelobt.

Zu Beginn nur "der blasse Belgier"

Als Belohnung wurde der 64-jährige Flame an diesem Donnerstag auf dem EU-Gipfel für eine zweite Amtszeit von zweieinhalb Jahren bestätigt. Die Entscheidung der 27 EU-Staats- und Regierungschefs fiel einstimmig. Van Rompuy erklärte via Internet-Kurzdienst Twitter, er fühle sich sehr geehrt über die Mandatsverlängerung.

Dass die Personalie unumstritten ist, zeigt, welchen Wandel Van Rompuy in dem Amt hinter sich hat. Zu Beginn wurde er belächelt, in Medien und Politik war er nur "der blasse Belgier". Er galt als Notlösung, nicht als Traumkandidat. Doch inzwischen sind EU-Gipfel ohne ihn nicht mehr vorstellbar.

Obendrein wird er künftig noch einen zweiten Präsidenten-Hut tragen: Er soll die separaten Gipfeltreffen der 25 EU-Staaten leiten, die den Fiskalpakt unterzeichnen und eine Art Wirtschaftsregierung der Euro-Zone bilden wollen. Den zusätzlichen Posten als Chef der Euro-Plus-Gruppe hat Van Rompuy vor allem praktischen Erwägungen zu verdanken: Die Regierungschefs wollten sich die mühsame Kandidatensuche ersparen. Auch hätte ein neuer Kandidat nur für zusätzliche Reibungspunkte gesorgt - und das braucht gerade niemand.

Auf dem Papier ist der studierte Philosoph und Betriebswirt damit einer der mächtigsten Männer Europas. Das spiegelt sich aber nicht in seiner Außenwirkung wieder. Seine Pressekonferenzen bei Gipfeltreffen sind spärlicher besucht als die von Merkel oder Sarkozy. Er gilt weiterhin als Befehlsempfänger und Erfüllungsgehilfe der Regierungschefs, allen voran des deutsch-französischen Duos. Er setzt keine eigenen öffentlichen Akzente, sondern trägt Konsenspositionen der 27 vor.

Die Aura eines Sekretärs

Das ist zum Teil dem Amt geschuldet, hat aber auch mit seinem persönlichen Stil zu tun. Van Rompuy hat eher die Aura eines Sekretärs als die eines Präsidenten. "Er tut so, als ob er nicht da ist", hat der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker die Methode des Belgiers einmal beschrieben. Die "Süddeutsche Zeitung" bezeichnete ihn als "Super-Diener".

Sein Einfluss ist jedoch im Laufe der Jahre stetig gewachsen. Je mehr Gipfel er leitet, desto wichtiger wird er. Das lässt sich auch an seinem wachsenden Personal ablesen. Im Unterschied zu den Regierungschefs kann sich der Ratspräsident der Euro-Rettung in Vollzeit widmen. Er bereist die Mitgliedstaaten, bereitet sämtliche Sitzungen vor, formuliert Abschlusserklärungen, lotet Verhandlungspositionen aus. Das verschafft ihm einen entscheidenden Vorteil: Wer ständig mit allen redet und mehr Informationen hat als der Rest, gewinnt automatisch an Autorität.

Mitunter blitzt diese Autorität auch auf, etwa als er im Dezember nachdrücklich vor den rechtlichen Problemen des Fiskalpakts warnte - sehr zum Unwillen der Kanzlerin. Auch den Sondergipfel im vergangenen Juli hatte er gegen Merkel durchgesetzt, die eigentlich kein zweites Griechenland-Paket vor der Sommerpause hatte beschließen wollen. Van Rompuys Gabe besteht darin, es sich trotzdem mit niemandem zu verderben.

Auch als Doppel-Präsident kann Van Rompuy nicht von sich behaupten, für Europa zu sprechen. Im supranationalen Institutionengeflecht gibt es gleich mehrere, die ihm diesen Status streitig machen: EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, selbst EZB-Präsident Mario Draghi. Insbesondere Barroso beäugt Van Rompuy mit einigem Neid.

Der Belgier kann es gelassen sehen: Er ist zweifelsohne im Aufwind. Wenn es einen Gewinner der Euro-Krise gibt, dann heißt er Herman Van Rompuy.



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
wika 01.03.2012
1. Was soll denn das?
Weniger die Aussagen zur Person empfinde ich als störend, vielmehr ist es der Begriff „wiedergewählt werden“. Korrekter wäre es zusagen er wird erneut für das Amt bestimmt. Wenn ich an Wahl denke, dann könnte man immer vermuten der Bürger könne irgendwas wählen. Der EU-Bürger kann nur verdutzt zusehen wie alles in Grund und Boden gefahren wird. In diesem Zusammenhang das Wort Wahl auch nur ansatzweise in den Mund zu nehmen kommt einer echten Verhöhnung der Menschen in Europa gleich. Statt jetzt hier so einen unbegründeten Lobgesang auf diese Figur zu lassen, wäre es doch sinnvoller sich den eigentlichen Problemen und dem Demokratiedefizit zuzuwenden. Und das folgende gilt in diesem Zusammenhang für alle Politiker die vorgeben die Menschen zu vertreten, einer der besten Leserkommentare aus dem letzten Jahr aus der ZEIT, passend aufbereitet: Keine Heiligen nötig – Niveau ist keine Hautcreme (http://qpress.de/2012/01/08/keine-heiligen-notig-niveau-ist-keine-hautcreme/) … den können sie ungeschminkt nehmen und allen Volksvertretern täglich in die Mail stecken, danach reden wir noch einmal über das Thema „Wahl“ und „wiederwählen“ (°!°)
NilsFahrner 01.03.2012
2. Blasser Belgier
Zitat von sysopREUTERSAnfangs war er nur der "blasse Belgier", doch Herman van Rompuy hat sich zu einem einflussreichen Strippenzieher in Brüssel gemausert: Der EU-Ratspräsident hat in der Euro-Krise seine Rolle gefunden. Jetzt wird er wiedergewählt - und erhält noch einen zweiten Posten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818685,00.html
Das mit dem blassen und wenig einflussreichen Belgier hat der englische Europa Abgeordnete Nigel Farage damals aber anders gesehen ;) Nigel Farage stellt Van Rompuy bloß - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=uNXGmBVazZ8)
dummerjunge 01.03.2012
3. .
Zitat von sysopREUTERSAnfangs war er nur der "blasse Belgier", doch Herman van Rompuy hat sich zu einem einflussreichen Strippenzieher in Brüssel gemausert: Der EU-Ratspräsident hat in der Euro-Krise seine Rolle gefunden. Jetzt wird er wiedergewählt - und erhält noch einen zweiten Posten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,818685,00.html
Gewählt? Von wem? Dieser Mann ist EU-Ratspräsident, und die EU-Völker durften ihn nicht einmal wählen. Er wurde in Hinterzimmerpolitik ausgesucht. Nunja, er bekommt ein höheres Gehalt als Obama und war früher ein Trinkgenosse von Oberst Gadaffi...
n13l5 01.03.2012
4.
Zitat von wikaWeniger die Aussagen zur Person empfinde ich als störend, vielmehr ist es der Begriff „wiedergewählt werden“. Korrekter wäre es zusagen er wird erneut für das Amt bestimmt. Wenn ich an Wahl denke, dann könnte man immer vermuten der Bürger könne irgendwas wählen. Der EU-Bürger kann nur verdutzt zusehen wie alles in Grund und Boden gefahren wird. In diesem Zusammenhang das Wort Wahl auch nur ansatzweise in den Mund zu nehmen kommt einer echten Verhöhnung der Menschen in Europa gleich. Statt jetzt hier so einen unbegründeten Lobgesang auf diese Figur zu lassen, wäre es doch sinnvoller sich den eigentlichen Problemen und dem Demokratiedefizit zuzuwenden. Und das folgende gilt in diesem Zusammenhang für alle Politiker die vorgeben die Menschen zu vertreten, einer der besten Leserkommentare aus dem letzten Jahr aus der ZEIT, passend aufbereitet: Keine Heiligen nötig – Niveau ist keine Hautcreme (http://qpress.de/2012/01/08/keine-heiligen-notig-niveau-ist-keine-hautcreme/) … den können sie ungeschminkt nehmen und allen Volksvertretern täglich in die Mail stecken, danach reden wir noch einmal über das Thema „Wahl“ und „wiederwählen“ (°!°)
Genau das ist das Problem mit "Europa" es gibt keine Demokratie in Bruessel. Mit gutem Grund wird die Bruesseler Privatinteressenkluengelei von einigen bereits EUDSSR genannt. Allgemein braucht man nur dem Geld zu folgen, wenn man wissen will wer wessen Herr ist, und das ganze Geld das uns aus den Staatskassen gesaugt werden soll, geht geradewegs and die Banken, insbesondere auch die Wall Street Banken, von denen der Waehrungskrieg gegen den Euro ja ausgeht. Also ist schon mal sehr klar, das Bruessel keine Regierung der Voelker ist, sondern eine Regierung der Milliardenschweren Spezial Interressen Privater Konzerne und Banken. Und ohne Demokratie in Bruessel kann ich nur jeden dazu aufrufen gegen ein Europa in dieser Form zu stimmen! Ich saehe gerne ein geeintes Europa, aber nicht als Schattendikatur.
damoklesx 01.03.2012
5. Wer wählt?
Ich lese "gewählt" und im ganzen Artikel findet sich kein Hinweis, wer ihn wählt. Ist das überhaupt eine Wahl? Ich kann mich an kein Votum meinerseits für ihn oder gegen ihn erinnern. Wird hier vielleicht begriffliche Falschmünzerei betrieben?
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