EU-Russland-Gipfel Putins Krawall-Dialog mit Sarkozy

Auf ihrem Gipfel in Nizza wollen Russland und die EU die Spannungen aus dem Georgien-Krieg ausräumen. Im Vorfeld ist nun ein brisantes Wortgefecht zwischen Putin und Sarkozy bekannt geworden: Der Russe fluchte, er wolle den georgischen Präsidenten "an den Eiern aufhängen".


Paris/Moskau - Nicolas Sarkozy traute seinen Ohren kaum: Hatte Wladimir Putin wirklich gerade gedroht, den georgischen Präsidenten umzubringen? Er werde "Michail Saakaschwili an den Eiern aufhängen", so der russische Ministerpräsident. Und das, als der Georgien-Krieg eine weltweite Krise auszulösen drohte.

Russlands Ministerpräsident Putin: "Treffer für Sie"
AP

Russlands Ministerpräsident Putin: "Treffer für Sie"

Der brisante Wortwechsel wurde am Freitag von "Times Online" veröffentlicht - pikanterweise am Tag des Gipfeltreffens von EU und Russland. Das britische Online-Medium beruft sich auf Äußerungen von Jean-David Levitte, Sarkozys führenden Berater. Auf die verblüffte Nachfrage des französischen Präsidenten und amtierenden EU-Ratsvorsitzenden soll Putin geantwortet haben: "Die Amerikaner haben Saddam Hussein doch auch aufgehängt." Aber ob er denn enden wolle wie US-Präsident Bush, habe Sarkozy gekontert. Putin sei kurz sprachlos gewesen - und habe dann geantwortet: "Treffer für Sie."

Das Gespräch soll laut "Times Online" Mitte August stattgefunden haben. Russische Panzer standen knapp 50 Kilometer vor Tiflis, der Hauptstadt Georgiens. Sarkozy erklärte Putin, die Welt würde einen Sturz von Saakaschwili nicht akzeptieren. Darauf soll dieser seine drastische Drohung ausgesprochen haben.

Drei Monate danach kommen die Europäische Union und Russland an diesem Freitag im südfranzösischen Nizza zu einem Gipfeltreffen zusammen. Das Ziel: Ein Neuanfang in den diplomatischen Beziehungen nach den Spannungen wegen des russischen Feldzuges im Südkaukasus. Sarkozy wird als amtierender EU-Ratsvorsitzender seinen russischen Amtskollegen Dmitrij Medwedew empfangen.

Angesichts von Finanzkrise und Streit über die Ostsee-Pipeline könnte der Georgien-Krieg allerdings nur eine nachrangige Rolle spielen.

Vor dem Spitzentreffen hat der russische Botschafter in Berlin, Wladimir Kotenjow, betont, sein Land werde an der geplanten Pipeline festhalten. "Für Russland bedeutet das stabile Versorgung Europas mit Gas", erklärte Kotenjow am Freitag im ARD-"Morgenmagazin". Die Überlegung der russischen Regierung, die nach Greifswald führende Pipeline nicht zu bauen, sei keine Drohung gewesen. "Herr Putin hat nicht gedroht." Die deutsche Wirtschaft brauche dieses Projekt ebenso wie Russland, fügte Kotenjow hinzu.

Bei den Verhandlungen über ein neues Partnerschaftsabkommen hat die EU nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin ein großes Interesse daran, dass Russland sich vor allem zu Regeln im Bereich des Energiehandels verpflichtet. Verbindliche Zusagen über Energielieferungen sollten ein wesentlicher Teil der Fortsetzung dieses Abkommens sein, sagte Staatsminister Gernot Erler (SPD) im WDR5.

Der CDU-Außenpolitiker Andreas Schockenhoff betonte ebenfalls das beiderseitige Interesse an einer europäisch-russischen Energiepolitik. "Wir sind eben nicht einseitig abhängig von russischer Energie, sondern die Russen sind mindestens genauso abhängig von den Märkten in Westeuropa", sagte Schockenhoff im RBB- Inforadio.

cht/Reuters/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.