Brüssel - Die Staats- und Regierungschefs suchen in Brüssel eine Einigung im Streit um das EU-Budget der Jahre 2014 bis 2020. Bereits am frühen Freitagmorgen, nicht einmal zwei Stunden nach dem offiziellen Beginn des Gipfels, haben die Teilnehmer ihre Beratungen unterbrochen. Das Spitzentreffen wird Diplomaten zufolge am Freitagmittag fortgesetzt.
Bundeskanzlerin Merkel erklärte am frühen Freitagmorgen, sie halte eine Einigung auf diesem Sondergipfel für unwahrscheinlich. Es werde wohl eine zweite Etappe erforderlich sein.
EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hatte zuvor einen neuen Kompromissvorschlag gemacht. Der Belgier will beim künftigen Unionsbudget keine weiteren Abstriche mehr machen, den Mitgliedstaaten aber durch Umschichtungen entgegenkommen.
Der jüngste Ansatz sieht - wie in Rompuys ursprünglichem Vorschlag - ein Gesamtbudget von rund 1,01 Billionen Euro vor, wie die Nachrichtenagentur dapd aus Diplomatenkreisen erfuhr. Allerdings sollen acht Milliarden Euro mehr in die europäische Landwirtschaft fließen und zusätzliche elf Milliarden Euro in den Kohäsionsfonds zugunsten strukturschwacher Länder. Kompensiert werden sollen die Zusatzausgaben durch Kürzungen in den Bereichen Wettbewerbsfähigkeit, Justiz und Inneres, Außenpolitik sowie Verwaltung.
Die eigentliche Gipfelberatung in großer Runde hatte erst am späten Donnerstagabend begonnen. Zuvor hatten Van Rompuy und EU-Kommissionschef José Manuel Barroso stundenlang Einzelgespräche mit den Staatenlenkern geführt.
Völlig widersprüchliche Ausgangspositionen
"Noch nie war die Lage so kritisch und schwierig", hatte Polens Regierungschef Donald Tusk vor dem Treffen gesagt, dessen Land als größer Empfänger von EU-Mitteln besonders an einem Kompromiss interessiert ist. Dagegen betonte Frankreichs Präsident François Hollande: "Ich bin sicher, dass wir zusammen mit Deutschland Motor sein werden, um einen Kompromiss zu finden."
Seit Monaten streiten die EU-Länder um den Finanzplan der Europäischen Union für die Jahre 2014 bis 2020. Die Situation ist verfahren. Mittlerweile liegen vier Vorschläge für den Etat - jeweils inklusive aller Sondertöpfe - auf dem Tisch:
Der hat nun versucht, einen für alle Seiten diskutablen Neuentwurf als Verhandlungsgrundlage vorzulegen. Es geht schließlich nicht nur um die Höhe des EU-Finanzrahmens, sondern für viele Länder eben vor allem auch darum, wie die Mittel eben ausgegeben werden. Ob der neue Kompromissvorschlag Van Rompuys wirklich weiterführt? Nicht nur Angela Merkel ist da skeptisch.
bos/cai/heb/AFP/dpa/dapd
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Europäische Union | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH