Geplante EU-Trainingsmission: Bundeswehr schickt Erkundungsteam nach Mali

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Soldaten nach dem Ausstieg aus einer deutschen Transall in Bamako: Neuer Auftrag Zur Großansicht
DPA/Bundeswehr

Soldaten nach dem Ausstieg aus einer deutschen Transall in Bamako: Neuer Auftrag

Startschuss für die Mali-Mission: Noch vor dem Beschluss eines Bundestagsmandats ist ein Team der Bundeswehr nach Westafrika gereist. Die Soldaten sollen vor allem prüfen, wie gefährlich die deutsche Teilnahme am EU-Ausbildungsprogramm in Mali werden könnte.

Berlin - Die Bundeswehr beginnt mit den konkreten Planungen für die Teilnahme an der EU-Ausbildungsmission im westafrikanischen Mali. Am Mittwoch flog deswegen ein 14-köpfiges Erkundungsteam nach Mali und soll dort die Lage vor Ort aber auch die Sicherheitssituation für deutsche Ausbilder prüfen. Dazu will das Team, das über Senegal nach Mali fliegt, sowohl in Bamako als auch an den Militärstandorten Koulikoro nahe der Hauptstadt und dem ehemaligen Ausbildungslager der Bundeswehr in Bapho in Zentralmali mit den Planern der EU-Mission und den lokalen Militärs sprechen.

Mit der Entsendung des sogenannten Fact Finding Teams beginnen die Detailplanungen für die deutsche Teilnahme an der europäischen Mission. In einer Woche soll das Kabinett in Berlin ein entsprechendes Mandat für rund 40 deutsche Ausbilder beschließen, die sich ausdrücklich nicht an den Kampfhandlungen der französischen und der malischen Armee im Norden des Landes beteiligen sollen.

Das Erkundungsteam soll noch vor dem Mandatsbeschluss einen detaillierten Bericht über die Lage vor Ort vorlegen.

Frankreich übernimmt den Schutz der Ausbilder

Für die Ausbildungsmission hat sich die EU einen engen Zeitplan gesetzt. Nach einem formalen Beschluss der EU sollen schon ab März rund 250 Ausbilder aus Europa in Mali ihre Mission beginnen. Ziel ist, möglichst rasch einige Einheiten der völlig desolaten malischen Armee in einer Art Turbo-Lehrgang auszubilden und ihnen die Planung von Operationen beizubringen.

Da Frankreich bereits signalisiert hat, dass es den Schutz der ausländischen Ausbilder in dem westafrikanischen Land übernehmen wird, muss das deutsche Kontingent vermutlich nicht robust ausgestattet werden.

Voraussichtlich werden die rund 40 Bundeswehrtrainer ein altes Ausbildungsprojekt Deutschlands in der Nähe der zentralmalischen Stadt Ségou wiederaufnehmen. In der Ortschaft Bapho hatten deutsche Soldaten bis zum Militärputsch im März 2012 malische Pioniere gedrillt. Sowohl Material als auch die von den Deutschen errichteten Gebäude finden sich dort in gutem Zustand.

Innerhalb der Bundeswehr jedoch gibt es Bedenken gegen die Mali-Mission. So liegt das Lager in Bapho bisher völlig ungeschützt in der malischen Steppe, nicht mal ein Zaun grenzt das weitläufige Camp am Ufer des Nigers ab. Ob die Bundeswehrführung einer Stationierung von deutschen Soldaten in der augenblicklichen Lage zustimmt, bleibt abzuwarten.

Hauptangst der Truppe ist die mögliche Rache der in den vergangenen Wochen aus dem Norden vertriebenen Islamisten und ihrer Kämpfer. Schon vor Monaten warnte der BND, dass alle ausländischen Soldaten bei Beginn der EU-Mission zu Zielen für Bombenattacken und andere Angriffe werden könnten. Trotz der heftigen Luftschläge gegen die Islamisten, so jedenfalls die Angst, verfügen die radikalen Gruppen im ganzen Land noch immer über funktionierenden Strukturen und Schläfer-Zellen.

Mandat soll auf ein Jahr begrenzt sein

Politisch ist der Einsatz der Bundeswehr indes bereits mehr oder minder beschlossen. Erst vor einigen Tagen sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière, Deutschland werde sich an der Mission beteiligen: "Wir helfen dabei, diese Kräfte jetzt auszubilden." Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte die deutsche Teilnahme in Aussicht gestellt.

Wie lange der Einsatz dauern wird, sagt die Regierung bisher nicht. "Niemand kann heute sagen, ob der Einsatz in Mali ein, zwei oder drei Jahre dauern wird und welche Anforderungen die Lage in zwei Jahren stellt", sagte Minister de Maizière. Das deutsche Mandat für den neuen Auslandseinsatz soll jedoch trotzdem erst einmal auf ein Jahr begrenzt werden.

Bisher unterstützt die Bundeswehr die französische Mission "Serval" in Mali noch nicht. Zwei in Afrika stationierte deutsche Transall-Maschinen transportieren allerdings die anrückenden afrikanischen Einheiten von anderen westafrikanischen Ländern nach Mali. Bisher haben die beiden Maschinen bei 63 Flügen innerhalb Afrikas und sieben Flügen aus Europa 402 Personen und rund 145 Tonnen Fracht transportiert.

Die Entsendung der beiden Transalls stellte eine politische Geste gegenüber Frankreich dar. Zwar wollte sich Berlin an der Offensive der Franzosen im Norden Malis nicht direkt beteiligen. Ganz im Abseits - wie im Fall der Intervention in Libyen - allerdings wollte Berlin auch nicht stehen und entschied sich deshalb zur indirekten Hilfe für die erwarteten afrikanischen Kräfte, die Frankreich im Norden Malis unterstützen sollen.

Neben den Transportflügen hat Berlin die Errichtung eines Feldlazaretts für Verletzte in Aussicht gestellt und könnte auch schon bald bei der Luftbetankung französischer Kampfjets helfen. Nach anfänglichen Problemen mit der formalen Zertifizierung für die Betankung durch deutsche Airbus-Jets in der Luft liegt mittlerweile eine Genehmigung für einen Flugzeugtyp der Franzosen vor. Die Bundesregierung will die Betankung jedoch erst starten, wenn ein Bundestagsmandat vorliegt.

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1.
Helotie 13.02.2013
Zitat von sysopStartschuss für die Mali-Mission: Noch vor dem Beschluss eines Bundestagsmandats ist ein Team der Bundeswehr nach Westafrika gereist. In einer Woche sollen die Soldaten prüfen, wie gefährlich die deutsche Teilnahme an der EU-Ausbildungsmission in Mali werden könnte. EU-Trainingsmission: Bundeswehr schickt Erkundungsteam nach Mali - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-trainingsmission-bundeswehr-schickt-erkundungsteam-nach-mali-a-883236.html)
Gefährlich? Für Soldaten? Im Krieg? Nicht die Bohne! Die Gegner schießen mit Paint-Balls, Mittagspause wird eingehalten, und abends ist Party. Die Meldungen werden immer abartiger. Fragt einfach ein paar tote Franzosen, die sich gerade auf Französisch verabschieden wollen. Gefährlich? Aber woher denn?
2. Eu
Papierleschweizer 13.02.2013
Wer jetzt noch nicht erkennt was die EU will, dem ist nicht zu helfen...
3.
Helotie 13.02.2013
Zitat von PapierleschweizerWer jetzt noch nicht erkennt was die EU will, dem ist nicht zu helfen...
Werter Papierleschweizer, es kommt nur darauf an, FRÜHZEITIG die Schrift an der Wand zu lesen. Und dann die Schotten dicht zu machen. Jeder Widerstand kommt zu spät und wird im Keim erstickt werden! Da gibt es hübsche Paragraphen in der sogenannten Europäischen Verfassung. Und auch die Schweiz wird sehr bald vereinnahmt werden. Beste Grüße, na Sie wissen schon.
4.
meistro 13.02.2013
Ich bin dagegen, dass es eine EU-Armee geben soll und wohl in Ansätzen schon gibt. Ich will nicht, weil ich mich für die EU nicht verantwortlich fühle.
5. Eu-Armee
peregrino2007 13.02.2013
Schritt für Schritt in den totalitären Superstaat. Ich sehe es mit besorgnis das die EU schon eine eigene Polizei hat wobei man von einen unheilvollen Mix aus Polizei, Geheimdienst und Militär nicht mehr von "Polizei" sprechen kann.
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Fotostrecke
Menschenrechtsverletzungen in Mali: Die Toten im Brunnen

Bevölkerung: 15,370 Mio. Einwohner

Fläche: 1.240.194 km²

Hauptstadt: Bamako

Staatsoberhaupt:
Ibrahim Boubacar Keita

Regierungschef: Moussa Mara

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