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19. Mai 2014, 11:15 Uhr

Feinde der EU (Teil 1)

Nigel Farage buhlt um Britanniens Rechte

Eine Multimediareportage von und

Kein britischer Politiker grinst derzeit öfter in die Kameras als Ukip-Chef Nigel Farage. Er hat guten Grund: Umfrageinstitute sehen seine rechtspopulistische Partei bei der Europawahl am 22. Mai im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Labour.

Die politische Bühne ist für den 50-jährigen Nigel Farage kein Neuland. Seit 1999 ist der Brite Europaabgeordneter. Mit seinen Reden vor dem Europäischen Parlament wurde der Chef der United Kingdom Independence Party (Ukip) zum YouTube-Star. Dem Präsidenten des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy, bescheinigte er in einer Rede das Charisma eines feuchten Waschlappens. Der Ausschnitt wurde tausendfach geklickt.

Bei der Europawahl 2009 lagen die britischen EU-Gegner mit 16,5 Prozent der Stimmen auf dem zweiten Platz. Diesmal sehen Umfrageinstitute die Partei, die mittlerweile seit mehr als 20 Jahren den Austritt aus der Europäischen Union fordert, in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Labour. Möglicherweise gewinnt Ukip sogar die Wahl.

Dass Ukip so stark ist, daran hat der mediengewandte Parteichef einen großen Anteil. Wir treffen Nigel Farage in Köln, wo er auf Einladung der AfD-nahen "Jungen Alternative" spricht.

Nigel Farage weiß genau, wie man radikale Forderungen verpacken muss. Doch er kann nicht überall gleichzeitig sein. Im Wahlkampf muss sich der Ukip-Chef auf die Parteibasis verlassen. Zum Beispiel in Peterborough, eine Autostunde nördlich von London. 180.000 Einwohner, eine britische Durchschnittsstadt. Gäbe es dort nicht eine der größten polnischen Communitys des Landes. Laut der Volkszählung von 2011 sind nach der EU-Osterweiterung knapp 17.000 Ausländer nach Peterborough gezogen, viele davon aus Polen. 2011 lebten mehr als 6000 Menschen aus Polen in der Stadt.

Eine Mehrheit der Briten lehnt eine Einwanderung in der jetzigen Größenordnung ab. Ihrer Regierung trauen sie nicht zu, die Zuwandererzahlen zu senken. Ukip dagegen verspricht einfache Antworten auf komplizierte Fragen. Die Partei argumentiert, dass sich die EU-Einwanderung nur dann einschränken lässt, wenn Großbritannien aus der Europäischen Gemeinschaft austritt. Am besten sofort. Ohne Wenn und Aber.

Aber wie genau nutzt die Partei die Ressentiments gegenüber osteuropäischen Einwanderern?

In Peterborough sind wir mit Barry Hyland verabredet. Er ist seit 2010 Ukip-Mitglied. Früher hatte er mit Parteiarbeit nichts am Hut. Hyland ist in Peterborough geboren. Er will uns zeigen, was seiner Meinung nach dort falsch läuft - und warum die Europäische Union schuld daran sein soll.

Barry Hyland nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um sein England und sein Peterborough geht. Keine Stammtischparole ist dem 73-Jährigen zu schade.

Ist das auch auf offiziellen Wahlkampfveranstaltungen von Ukip der Fall?

Wir fahren nach Luton, einer Stadt nahe London. Bei einem Informationsabend wollen sich zwei Europawahlkandidaten vorstellen. Keine andere Partei führe ihren Wahlkampf so nah an der Basis, prahlen die Ukip-Funktionäre, die das Vereinsheim des Crawley Green Sport & Social Club in den Parteifarben schmücken. 10.000 Einladungen für die Veranstaltung habe man verteilt. "Free Public Meeting" nennt die Partei die Veranstaltung - dass "frei und öffentlich" nicht unbedingt für die Presse gilt, wissen wir da noch nicht.

In Luton präsentiert sich Ukip als Partei der Wütenden, der Lauten. Auch in Peterborough ging es ungeschminkt kleingeistig zu. In Köln, unter der Ägide von Parteichef Farage, wird der EU-Hass fein verpackt. So klingen Stammtischparolen nach Akademiker-Salon.

Diese zwei unterschiedlichen Seiten machen die Partei wohl so erfolgreich. Mit den populistischen Parolen lassen sich Protestwähler gewinnen, und die standsicheren Auftritte des Parteichefs auf dem politischen Parkett geben den britischen EU-Hassern den Anstrich einer bürgerlichen Partei.

Noch sitzen die Populisten nicht im britischen Unterhaus, doch die Europawahl soll eine Generalprobe sein - für die Unterhauswahl 2015. Im Moment sieht es so aus, als könnten Farages Träume von einem Einzug ins House of Commons wahr werden.

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