Streit zwischen London und Madrid: EU will Beobachter nach Gibraltar schicken

Britisches Kriegsschiff im Hafen von Gibraltar: Auf dem Weg zum Manöver "Cougar 13" Zur Großansicht
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Britisches Kriegsschiff im Hafen von Gibraltar: Auf dem Weg zum Manöver "Cougar 13"

In den Gibraltar-Konflikt zwischen Spanien und Großbritannien schaltet sich nun die Europäische Union ein. Brüssel will Beobachter in das Territorium schicken. Sie sollen prüfen, ob die Kontrollen am Grenzübergang korrekt ablaufen.

Gibraltar/Brüssel - Der Streit zwischen Spanien und Großbritannien nimmt immer größere Dimensionen an. Nun ist auch Brüssel involviert: Wegen der Auseinandersetzung um Gibraltar will die EU Beobachter in das britische Überseegebiet schicken. Darauf verständigte sich EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Montag in einem Telefonat mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy.

Das EU-Team solle so bald wie möglich überprüfen, ob bei den Kontrollen an der Grenze Gibraltars zu Spanien die EU-Bestimmungen eingehalten werden, teilte die EU-Behörde mit.

In dem seit Wochen andauernden Streit hatte der britische Premierminister David Cameron die Europäische Union am Freitag aufgefordert, möglichst rasch Beobachter nach Gibraltar zu schicken. Die teilweise stundenlangen Wartezeiten an der Grenze seien unverhältnismäßig und ein Verstoß gegen die Reisefreiheit in der EU.

Am Montagmorgen lief ein britisches Kriegsschiff in den Hafen von Gibraltar ein. Eigentlich eine Routineübung, doch angesichts der aktuellen Spannungen zwischen beiden Staaten sorgt der Besuch der Fregatte HMS "Westminster" für Aufregung.

Das Schiff sei auf einer Mission im Rahmen eines lange geplanten Marinemanövers unter dem Namen "Cougar 13" im Mittelmeer, teilte die britische Regierung mit. Die Mission habe nichts mit dem Streit um Fischereirechte in den Gewässern vor Gibraltar zu tun. Zahlreiche Einwohner begrüßten das einlaufende Schiff und schwenkten Union-Jack-Fahnen. Insgesamt sollen vier Kriegsschiffe an der lange geplanten Routineübung im Mittelmeer teilnehmen.

Protest von Fischern

Am Sonntag hatten spanische Fischer mit ihren Kuttern auf dem Meer gegen die Führung Gibraltars protestiert. Die Regierung des britischen Überseegebiets hatte 70 große Betonblöcke ins Meer gelassen und damit ein künstliches Riff erzeugt. Nach Angaben der Regierung war dies nötig, um die Fanggründe vor Gibraltar zu sichern. Die spanische Seite beklagt, ihr werde dadurch illegal der Zugang zu reichen Fischgründen verwehrt. Madrid reagierte mit verschärften Grenzkontrollen bei der Einreise aus Gibraltar und begründete dies unter anderem mit Angst vor Zigarettenschmuggel.

Der Felszipfel an der Südspitze der Iberischen Halbinsel ging 1713 dauerhaft von Spanien an Großbritannien über, allerdings erkennt Madrid die britische Herrschaft über das 6,8 Quadratkilometer kleine Territorium mit dem markanten Felsen in der Mitte nicht an und verlangt dessen Rückgabe.

ler/dpa/AP

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insgesamt 3 Beiträge
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1. liebe spanier,
ambulans 19.08.2013
macht doch einfach deren flughafen dicht! das wird dann nicht allzu lange dauern, bis sie wieder kompromissbereit werden. ist halt weniger günstig, dass cameron und rajoy beide ungefähr gleich kompetent sind ...
2. Immer der selbe Fehler...
dasbertl 19.08.2013
Warum zum Teufel kündigt man solche Kontrollen eigentlich immer vorher (so auch unter anderem bei unseren lieben "Lebensmittel" produzierenden Unternehmen und in AKWs) an?! Wie will man da ein Bild davon haben, wies aussieht, wenn gerde keine Kontrolle stattfindet? Bei einer angekündigten Kontrolle wird der Betroffene sich gaaaaaaaanz sicher von seiner schlimmsten Seite zeigen, is klar... *ioff
3. Moderne Piraten
tinero 19.08.2013
Die lieben Engländer pflegen so manch überholte Tradition, wie das Halten von durch Piraterie und Krieg eroberte Territorien. England hat in einem modernen Europa in Gibraltar nichts verloren und auch keinen Nutzen. Am besten erklärt man den Felsen zur gemeinsam genutzten NATO Basis unter Spanischer und Britischer Flagge (wie Andorra) ... und demonstriert Gemeinsamkeit in Europa. Es ist bekannt, dass die Bevölkerung Gibraltars in erster Linie vom Schmuggel und Drogenhandel lebt. Das ist kein haltbarer Zustand...
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