Hamburg - Etwa 70.000 Menschen sind seit Beginn des Aufstands gegen Baschar al-Assad vor knapp zwei Jahren gestorben. Nachdem weder Sanktionen noch Verhandlungen das vom Bürgerkrieg zerstörte Syrien befrieden können, macht die EU nun den Weg frei für die Entsendung von Militärausbildern in das Land.
Offiziell verlautete in der vergangenen Woche in Brüssel lediglich, neben "nicht-tödlicher Ausrüstung" könnten die Mitgliedstaaten der Gemeinschaft den Rebellen zudem "technische Unterstützung" anbieten. Nach SPIEGEL-Informationen haben die EU-Staaten aber intern klargestellt, dass damit auch die Ausbildung von Kämpfern an Waffen gemeint ist.
In Brüssel geht man davon aus, dass Großbritannien und möglicherweise auch Frankreich Militärberater entsenden werden. Deutschland werde keine Experten schicken, heißt es aus Kreisen der Bundesregierung.
Dem Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, geht das nicht weit genug: Er sprach sich für Waffenlieferungen des Westens an syrische Rebellen aus. "Die bittere Lehre aus dem Bosnien-Krieg ist, dass die Nichtbelieferung beider Seiten den Konflikt weder eingedämmt noch verkürzt hat", sagte Ischinger. "Es ist überfällig, dass Deutschland mit seinen Partnern darüber diskutiert, die syrischen Rebellen mit Ausrüstungslieferungen bis hin zu Waffen zu unterstützen."
Bislang lehnen alle im Bundestag vertretenen Parteien Waffenlieferungen ab. Ischinger begründet seinen Vorstoß mit der Schutzverantwortung für die syrische Bevölkerung, aber auch mit strategischen Interessen der Bundesregierung und des Westens. "Bislang haben wir die Grundlage dafür gelegt, dass wir in der Nach-Assad-Welt keine Freunde mehr in Syrien haben", sagt er. Das Argument, Waffen könnten in falsche Hände gelangen, lässt er nicht gelten: "Wenn der Westen die Waffen selbst liefert, hat er noch eher die Chance, Einfluss darauf zu nehmen, was mit ihnen passiert."
Die USA und Russland drängen auf Verhandlungen zur Bildung einer Übergangsregierung. Doch Baschar al-Assad will die Macht nicht abgeben. Erst am Samstag gab Irans Außenminister Ali Akbar Salehi bekannt, dass Assad sich im kommenden Jahr erneut um das Präsidentenamt bewerben will. Einem Bericht der "Washington Post" zufolge verfügt Iran zusammen mit der verbündeten schiitischen Hisbollah über ein umfassendes Netzwerk von Milizen in Syrien - allein Teheran habe über 50.000 Milizionäre in Syrien, hieß es. Die Milizen kämpfen derzeit gemeinsam mit den Regierungstruppen gegen die Rebellen.
Die Rebellen sind zerstritten
Das Problem für den Westen: Es gibt kaum zuverlässige Partner unter den ideologisch wie politisch extrem heterogenen Gruppierungen der syrischen Opposition. Außerdem stellen Beobachter eine zunehmende Radikalisierung und Militarisierung unter den Rebellen fest. Der Einfluss der Islamisten wächst.
Einsätze europäischer Militärs waren in der Vergangenheit durchaus entscheidend: Während des Bürgerkriegs in Libyen hatten Franzosen und Briten in den Nafusa-Bergen, südlich der Hauptstadt Tripolis, monatelang heimlich Rebellen unterstützt. Sie warfen Waffen ab und schickten Elitesoldaten. Als sich die Kämpfer aus den Bergen am 20. August 2011 in Richtung Tripolis bewegten, erhob sich parallel die Bevölkerung in der Hauptstadt, auch sie unterstützt vom Westen. Die Nato flankierte den Vorstoß mit Luftangriffen gegen die verbliebenen Gaddafi-Truppen. Nach drei Tagen stürmten Aufständische und die einmarschierenden Rebellen den Gaddafi-Palast. Das Regime verlor in der Folge die Kontrolle über Tripolis.
Syriens Diktator Assad warf Großbritannien unterdessen vor, "Terroristen" in seinem Land mit Waffen versorgen zu wollen. In einem Interview mit der "Sunday Times" sagte er, London habe in den vergangenen Jahrzehnten oder auch Jahrhunderten bei verschiedenen Themen eine höchst destruktive Rolle gespielt. Die derzeitige Regierung stehe mit "ihrer einfältigen und unreifen Rhetorik" in dieser Tradition.
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ala/AFP
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