Stimmung in den Mitgliedsländern Die EU-phorie wächst wieder

Die Zustimmung zur Europäischen Union ist seit dem Frühjahr in fünf der sechs größten Mitgliedstaaten gestiegen. Eine SPIEGEL ONLINE vorliegende Umfrage zeigt: Sogar bei den Briten geht es aufwärts.

Die EU und Großbritannien: neue Liebe?
REUTERS

Die EU und Großbritannien: neue Liebe?

Von


In fünf der sechs größten EU-Staaten steigt die Zustimmung der Bürger zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union.

In Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen sehen die Einwohner laut einer repräsentativen Umfrage die EU-Zugehörigkeit ihres Landes positiver als noch im März. Das zeigen Zahlen der Bertelsmann-Stiftung, die SPIEGEL ONLINE vorliegen.

Verbessert haben sich die Zustimmungswerte überraschend besonders in Großbritannien. Waren im März - also drei Monate vor dem Brexit-Votum - nur 49 Prozent der Briten für eine Verbleib ihres Landes in der EU, gaben im August 56 Prozent an, in der Union bleiben zu wollen. Ende Juni hatte noch eine knappe Mehrheit in einer Volksabstimmung für den Austritt aus der EU votiert.

Die größte EU-Begeisterung zeigen aktuell die Polen mit 77 Prozent Zustimmung zu einem Verbleib in der Union (März: 68 Prozent), gefolgt von den Deutschen: Bei einem Votum über einen Austritt aus der EU würden in Deutschland 69 Prozent für einen Verbleib stimmen (März: 61 Prozent).

Am kritischsten ist die Stimmung offenbar in Italien und Frankreich: Unter den Italienern sprach sich im August nur eine hauchdünne Mehrheit für den Verbleib in der Union aus (51 Prozent, März-Wert: 50 Prozent). In Frankreich stieg die Zustimmung im gleichen Zeitraum um vier Prozentpunkte auf zumindest 53 Prozent.

Nur in Spanien ist der Trend derzeit rückläufig. Hatten dort im März auf die Frage nach einem Austritt noch 71 Prozent für den EU-Verbleib optiert, waren es im August nur noch 68 Prozent. Allerdings ist die Zustimmung dort mit am höchsten unter den großen Mitgliedstaaten. Europaweit ist die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft im August 2016 auf 62 Prozent geklettert. Im März lag der Wert noch bei 57 Prozent.

Die Autoren der Bertelsmann-Studie erklären die EU-positiven Trends als Reaktion auf den Brexit: "Das britische Referendum über den Austritt aus der Europäischen Union und die politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen, die dieser Entscheidung folgten, haben einen deutlichen Eindruck bei den Europäern hinterlassen", heißt es in dem Papier.

Das knappe Nein der Briten zu Europa im Juni war ein Schock für die Europäische Union, Rechtspopulisten und EU-Gegnern hingegen waren begeistert. Einige Umfragen vor der Abstimmung hatten das Remain-Lager, das sich für den Verbleib in der EU aussprach, knapp in Führung gesehen. Entsprechend vorsichtig sollte man Umfragen interpretieren. Die Tendenz allerdings ist derzeit klar europafreundlich.



insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
comeback0815 21.11.2016
1.
Solche Wechselstimmung zeigen nur eins: Es interessiert keinen mehr. Die Zustimmung der Briten steigt? Überraschung - jetzt wo der Ausstieg droht. Das kann sich morgen oder sogar schon nachher wieder ändern. Man braucht nur ein kleines Skandälchen, Facebook, Twitter und Co. als Fußtruppenwerkzeuge der Populisten werden anfangen und die Online-"Medien" in ihrer schnatterhaften Aufgeregtheit wird den Rest tun. So wählt man dann auch, wenn es ernst wird und so kommts eben zu Brexit, zu Trump und Mal sehen, wem noch.
kalim.karemi 21.11.2016
2. Wertlos
Welchen Wert diese Umfragen haben, zeigt die demoskopie zur US Wahl. Ich glaube diesen Zahlen nicht. Zumindest sind sie ohne die Fragen zu kennen, wertlos. Die EU mag im Ansatz und Gedanken zwar ein gutes Werk sein, hätte die Umfrage gelautet, ob die EU auf dem richtigen Weg ist, ob die derzeitige EU, das Handeln und die Vertreter der Institution richtig oder überarbeitens- zumindest überdenkenswert ist, dann hätte ich den Ergebnissen in Teilen glauben können.
Cologne65 21.11.2016
3. Wunsch- Vater des Gedanken
Nichts, aber auch absolut nichts hat sich an den Gründen für die vorherige EU Verdrossenheit geändert. Laut Statista stehen über 675 Mrd auf den Target 2 Kosten zu Gunsten der Bundesbank aus. Griechenland, Spanien und Italien sind die größten Schuldner. Wie hoch ist gerade der aktuelle Kreditrahmen den die EZB der gr. Nationalbank eingeräumt hat? In der aktuellen Berichterstattung kaum etwas darüber zu finden. Wenn hier die Mehrheit besser informiert wäre, die Umfrage sähe anders aus.
aleamas 21.11.2016
4. Das überrascht nicht...
...die EU bedarf insgesamt sicherlich einiger Reformen. Es gibt aber zur Gemeinschaft und Solidarität auf dem Kontinent keine Alternative; es gibt nichts 'besseres' als die EU - nicht für jene Bürger, die in Freiheit und Frieden leben wollen. Es gilt aber auch, die Zustände für jene Länder, Regionen und Bevölkerungsgruppen massiv zu verbessern, die jetzt eben nicht genug Teilhabe am Erfolg der EU haben. Wohlgemerkt für jene, die Grund zur Unzufriedenheit haben, nicht für die Feinde des europäischen Projekts. Diesen gegenüber muss entschieden aufgetreten werden, innen wie außen.
roughneckgermany 21.11.2016
5.
Die USA wie auch UK zeigen, dass es eine gewissen Fehlertoleranz gibt. Die ist irgendwo bei drei Prozent beziffert. Somit ist der Umkehrschluss des Autoren richtig. Ich bin übrigens auch ein EU-Phoriker.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.