EU-Gipfel in Brüssel: Hollande stiehlt Merkel die Show

Von Carsten Volkery, Brüssel

François Hollande gab bei seinem ersten EU-Gipfel gleich den Ton an: Mit seiner Forderung nach Euro-Bonds ärgerte Frankreichs neuer Präsident Angela Merkel - und spaltete die Gemeinschaft. Doch ist es unwahrscheinlich, dass der Sozialist damit durchkommt.

François Hollande vor dem EU-Gipfel: Hof halten wie einst Nicolas Sarkozy Zur Großansicht
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François Hollande vor dem EU-Gipfel: Hof halten wie einst Nicolas Sarkozy

Die Luft ist stickig, im französischen Pressesaal des EU-Ratsgebäudes drängen sich die Journalisten. Alle wollen den neuen französischen Präsidenten bei seiner ersten Pressekonferenz nach einem EU-Gipfel sehen. Es ist kurz nach ein Uhr in der Nacht, und François Hollande hält Hof wie einst Nicolas Sarkozy. Beinahe eine Stunde lang erklärt er seine "Vision für Wachstum".

Im Saal nebenan steht Angela Merkel. Vor ihr sind nur wenige Stuhlreihen und einige Kameras aufgebaut. Der Raum ist halbleer. Sie verzichtet an diesem Abend auf eine ausführliche Pressekonferenz. Sie gibt nur ein kurzes Statement ab, beantwortet zwei Fragen, nach fünf Minuten ist sie wieder weg. Sie weiß, dass sie gegen die Anziehungskraft des neuen Kollegen keine Chance hat. Es wirkt fast so, als wolle sie Hollande die Brüsseler Bühne kampflos überlassen.

Die parallelen Auftritte in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag haben Symbolwert: Es ist der erste EU-Gipfel seit Jahren, der nicht von Merkel dominiert wird. Stattdessen gibt Hollande bei dem Abendessen der 27 EU-Staats- und Regierungschefs den Ton an. Zwar redet er selbst nur kurz und zeigt sich verwundert, wie ausschweifend so mancher Kollege ist.

Schluss mit Merkozy

Aber mit seiner Forderung nach Euro-Bonds setzt Hollande das Hauptgesprächsthema der Tischrunde. Bewusst hat er die umstrittenen Gemeinschaftsanleihen in den Mittelpunkt seiner Wachstumsagenda gestellt. Es geht darum, die deutsche Kanzlerin herauszufordern. Seine unausgesprochene Gipfelbotschaft lautet: Merkozy, die Symbiose von Merkel und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, ist Vergangenheit, künftig setzt Frankreich wieder eigene Akzente.

Hollandes Abgrenzung ist nicht zuletzt wahltaktisch begründet: Am 17. Juni wählen die Franzosen nach dem Präsidenten auch noch ein neues Parlament. Und im Wahlkampf kann es sich der Sozialist nicht leisten, als Marionette der deutschen Christdemokratin wahrgenommen zu werden.

Hollande betont zwar, er wolle nichts ohne Deutschland entscheiden. Doch der Wandel ist auffällig: Zum ersten Mal seit Jahren haben sich Deutsche und Franzosen nicht vor dem Gipfel zusammengesetzt, um eine gemeinsame Position zu entwickeln. Stattdessen findet man sich in gegnerischen Lagern wieder. Hollande argumentiert, Euro-Bonds gehörten zur Wachstumsdebatte dazu. Länder wie Spanien könnten so Zinsen sparen und das Geld anderweitig investieren. Merkel kontert, die Gemeinschaftsanleihen verstießen gegen geltendes EU-Recht und seien nicht geeignet, das Wachstum in Europa zu fördern.

Beim Abendessen - es gibt Spargel, Petersfisch und Mousse au Chocolat - wird die Lage bald unübersichtlich. Ein Regierungschef nach dem anderen redet, spricht sich für oder gegen Euro-Bonds aus. Der Ton bleibt nach Teilnehmerangaben höflich, aber die Positionen sind festgefahren. An Hollandes Seite stehen unter anderem Italien, Österreich und Irland. Um Merkel scharen sich Finnen, Schweden und Niederländer. "Wir können dem Druck aus Frankreich standhalten", hatte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte bereits vorher verkündet. Allein ist die Kanzlerin in ihrem Kampf gegen Hollande also nicht. Es habe sogar Länder gegeben, die noch stärker gegen Euro-Bonds seien als Deutschland, stellt Hollande hinterher fest.

Kein Durchbruch für Euro-Bonds

Welches Lager größer ist, will Hollande nicht verraten. "Wir haben nicht gezählt", sagt er. Es gebe mehr als zwei Positionen. Einige Länder könnten sich Gemeinschaftsanleihen nur in ferner Zukunft vorstellen, andere nur für bestimmte Zwecke, andere lehnten sie grundsätzlich ab. Auch Merkel sagt, die Positionen seien "sehr differenziert". Ein Beschluss wird nicht gefasst, der Abend dient nur dem Meinungsaustausch.

Erst beim nächsten regulären EU-Gipfel Ende Juni soll ein Wachstumspaket beschlossen werden. Ob Euro-Bonds, in welcher Form auch immer, dazu gehören, muss sich in den nächsten Wochen zeigen. EU-Ratspräsident Herman van Rompuy soll die Vorschläge bündeln und entscheiden, was auf die Agenda des Juni-Gipfels kommt. Kaum weniger umstritten ist der Vorschlag von Hollande und dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti, dass der Euro-Rettungsfonds künftig auch direkt Banken unterstützen darf. Mit Monti stimme er in vielen Punkten überein, bemerkt Hollande beiläufig. Die Widersacherin heißt auch hier wieder: Merkel.

Einig sind sich die 27 Regierungschefs bislang nur darin, das Kapital der Europäischen Investitionsbank (EIB) aufzustocken, die EU-Strukturfonds gezielter in Krisenländern einzusetzen und Projekt-Bonds für Infrastrukturvorhaben auszugeben. Ob man das dann "Wachstumspakt" nenne, werde man im Juni entscheiden, sagt Hollande.

In der Bilanz des Abends kann der französische Präsident für sich verbuchen, der seit langem schwelenden Euro-Bond-Debatte neuen Schwung verliehen zu haben. Doch ob damit die umstrittenen Anleihen tatsächlich einen Schritt näher gerückt sind, darf bezweifelt werden. Hollande selbst räumt ein, dass die EU-Verträge dafür geändert werden müssten. Das erscheint auf absehbare Zeit ausgeschlossen, nachdem Großbritannien und Tschechien erst im Dezember eine Vertragsänderung abgelehnt hatten. Damals ging es um den Fiskalpakt, der viel weniger Eingriffsrechte in nationale Haushalte erfordert als Euro-Bonds.

Widersprüchliche Botschaften zu Griechenland

Fast wirkt die Grundsatzdebatte über die Euro-Bonds wie ein Ablenkungsmanöver, um den brennenden Fragen nach Griechenland auszuweichen. Die Regierungschefs haben keine neuen Antworten, wie es mit dem Dauerkrisenherd weitergehen soll. In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigen sie erneut, dass man das Land nicht fallenlassen werde.

Das dürfte die Zweifler jedoch kaum beruhigen. Seit der gescheiterten Regierungsbildung in Athen vergangene Woche wird an den Finanzmärkten über den bevorstehenden Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone spekuliert. Für Nervosität sorgt der mögliche Wahlsieg der EU-kritischen Syriza-Partei bei den Neuwahlen am 17. Juni. Sollte die neue griechische Regierung vom vereinbarten Reformkurs abweichen, würde der Geldhahn zugedreht, warnen europäische Politiker. Das hätte einen Staatsbankrott und womöglich den Euro-Austritt zur Folge.

Die Botschaft aus Brüssel, Berlin und Paris ist widersprüchlich: Auf der einen Seite wird den Finanzmärkten versichert, man werde einen Euro-Austritt Griechenlands verhindern. Auf der anderen Seite wird den griechischen Wählern und Politikern genau damit gedroht.

Dieses Dilemma wird noch bis zur Wahl bestehen. So lange verharrt die Euro-Zone in ihrer Schockstarre. Der 17. Juni wird damit zum D-Day. Wenn Griechenland und Frankreich gewählt haben, hoffen die Diplomaten in Brüssel, lichtet sich der Nebel. Dann wird es auch Hollande leichter fallen, auf Merkel zuzugehen.

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1. Na wenn schon
Bezahler 24.05.2012
Laßt den Hollande der Merkel die Show stehlen. Was solls. Viel wichtiger ist doch das Merkel verhindert das Hollande nicht unser Geld stiehlt ! Er soll doch gefälligst selbst zusehen wer Ihm Seine utopischen Wahlversprechen bezahlt. Wenn dieser Mäusefänger hierfür die propagandierten Steuererhöhungen ( 75% von den Reichen) umsetzt wird die bereits laufende Kapitalflucht zu galloppieren beginnen. Jahrzehntelanges "über die Verhältnisse leben"fordert die Ouittung. So oder so. Griechenland läßt grüßen.
2.
mwinter 24.05.2012
Dieses Eurobond-Gequatsche ist völlig belanglos, solange D (noch) nicht völlig entmündigt ist (oder sich entmündigen lässt). Hollande und seine Club Med Freunde wirken dabei so lächerlich wie eine kleine Gruppe Gauner, die allen Ernstes glaubt, über das Vermögen anderer "rechtmäßig" verfügen zu können! In der Tat hat niemand was dagegen, dass diese Pleite-Clique ihre eigene EU aufmacht mit Eurobonds - nur will das niemand, weil ja dann der Zahlmeister fehlt, der die Rechnung begleichen soll!
3.
garfield 24.05.2012
Zitat von sysopFrançois Hollande gab bei seinem ersten EU-Gipfel gleich den Ton an: Mit seiner Forderung nach Euro-Bonds ärgerte Frankreichs neuer Präsident Angela Merkel - und spaltete die Gemeinschaft. Doch ist es unwahrscheinlich, dass der Sozialist damit durchkommt. Euro-Bonds: Hollande stiehlt Merkel beim EU-Gipfel die Show - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,834850,00.html)
Man muss die Interpretationen der Journalisten nicht überbewerten, weder in der einen noch in der anderen Richtung. Aber das Merkel vor fast leeren Stuhlreihen der Pressevertreter zwei dürre Sätze von sich gab und Hollande ihr die Schau stahl, freut mich diebisch. Es ärgert von ihrer Wichtigkeit überzeugte Politiker nichts mehr, als wenn sich niemand drängelt, ihnen Mikros unter die Nase zu halten, in die sie (in diesem Falle) ihre Luftblasen der Austeritätspolitik vom "Sparen, Sparen" pusten können. Europa scheint ja doch langsam aufzuwachen. Hat ja lange gedauert, bis wenigstens einige begriffen haben, dass die Schulden des einen immer das Guthaben des anderen sind und somit - gerade in einem Währungsverbund - nicht alle sparen können und enorme Handelsungleichgewichte schädlich sind. Nur zu "Madame", der "schwäbischen Hausfrau", die auch nur deren begrenztes Verständnis hat und meint, eine Volkswirtschaft wie ein privates Konto führen zu können, ist das noch nicht durchgedrungen.
4. Schauspieler....
infernoxx 24.05.2012
brauchen die Show, die deutsche Kanzlerin nicht! Natürlich drängt sich M Hollande in den Vordergrund - schließlich muß die "Grande Nation" die ihr per Geburt zustehende Führungsrolle in Europa zurückerobern. Natürlich braucht man dazu mangels eigener Liquidität deutsches Geld, deshalb müssen die Euro-Bonds her! Kauft diesem Exozentriker wirklich jemand ab, dass es ihm um die "Schwachen Länder" in Europa geht? Die braucht er doch nur als Steigbügelhalter. Er und seine Genossen dürfen gerne zusammen verfassungswidrige Eurobonds ausgeben - der Zinssatz dürfte angesichts der hohen Bonität Frankreichs im angestrebten niedrigen Bereich liegen. Oder will er doch lieber nur an unser Geld um seine sozialistischen Träume zu verwirklichen?
5. Die besten und verlässlichsten Verbündeten unserer Bundeskanzlerin
wadoe2 24.05.2012
sind die Ratingagenturen. Frankreich muss sich sein Geld auf dem freien Markt beschaffen. Wenn Frankreich aber in absehbarer Zeit ein schlechteres Rating bekommt, und das ist so unabwendbar wie sicher, dann wird Hollande auf Normalmaß geschrumpft. Hollande und der Rest der Linken in Europa bekommen ein paar Hilfen aus einigen Töpfchen. Mehr nicht. Wenn die Linken in Europa Eurobonds wollen, kommen sie an Deutschland nicht vorbei, schließlich braucht es ja auch Konkursmasse, sonst kauft diesen Mist ja niemand mit niedrigen Zinsen. Die Eurobonds bekommen sie aber nur von den Sozen. Zu gerne würden die das machen. Aber dafür müssen sie erst mal am Wähler in Deutschland vorbei. Merkels Wahlkampfthema ist ganz einfach: Erstens: Die Linken = Eurobonds Zweitens: Bezahlt wird das am Schluss mit Zwangshypotheken auf Häuser in Deutschland Ich höre die Wähler schon, wie sie jubelnd zur SPD und der Dagegenpartei überlaufen.
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  • Donnerstag, 24.05.2012 – 07:01 Uhr
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Wie Euro-Bonds funktionieren sollen
Was sind Euro-Bonds?
Bonds sind Anleihen, also Schuldverschreibungen von Staaten. Bislang leiht sich jedes Land der Euro-Zone alleine Geld von Investoren, Deutschland macht dies über Bundesanleihen. Mit Euro-Bonds würden dagegen alle Länder der Währungszone gemeinsam Schulden aufnehmen.
Warum werden Euro-Bonds gefordert?
Durch die weltweite Finanzkrise haben sich die Schulden vieler Länder massiv erhöht. Dadurch wurden Investoren misstrauischer: Die Bonität, also die Kreditwürdigkeit von Ländern wie Griechenland, Irland oder Portugal, sank. Deshalb mussten sie immer höhere Zinsen zahlen, um noch Käufer für ihre Anleihen zu finden. Mittlerweile werden alle drei Länder von Rettungsschirmen der EU gestützt, zugleich gibt es Spekulationen gegen große EU-Länder wie Italien oder Frankreich. Um diese zu beenden, fordern Politiker eine gemeinsame Finanzierung.
Welche Vorteile hätten Euro-Bonds?
Bei einer gemeinsamen Anleihe würden alle Euro-Länder dieselben Zinssätze zahlen. Da Länder mit höchster Bonität wie Deutschland für die Euro-Bonds bürgen würden, würden die Zinsen für Länder wie Griechenland deutlich sinken. Trotz der zum Teil extremen wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den beteiligten Ländern dürfte der Markt für Euro-Bonds schon allein wegen seiner Größe für Investoren interessant sein.
Welche Nachteile hätten sie?
Wirtschaftlich starke Länder müssten durch die Gemeinschaftsanleihen künftig höhere Zinsen bezahlen. Besonders deutlich wäre dieser Unterschied für Deutschland, dessen Anleihen bislang als "Goldstandard" der Euro-Zone gelten. Die jährlichen Mehrkosten bei der Kreditaufnahme dürften sich auf einen zweistelligen Milliardenbetrag belaufen. Zudem könnten die Euro-Staaten durch gemeinsame Anleihen eine geringere Motivation zur Haushaltsdisziplin haben.
Was bedeuten Euro-Bonds für die EU?
Die Bonds würden das endgültige Ende der No-Bailout-Klausel im Maastricht-Vertrag bedeuten, laut der die EU-Staaten nicht untereinander für ihre Schulden haften. Die EU würde noch stärker als bislang zur Transferunion, in der die gemeinsamen Bonds einen großen Teil der wirtschaftlichen Unterschiede ausgleichen.

Einen solchen Wandel dürfte vor allem Deutschland nur akzeptieren, wenn damit deutlich verschärfte Kontrollen und Sanktionen für die nationalen Haushalte verbunden sind. Viele Anhänger von Euro-Bonds fordern auch eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik der EU, bis hin zu einem europäischen Finanzminister. Dies würde jedoch einen großen Souveränitätsverlust für die nationalen Parlamente und Regierungen bedeuten und deshalb wohl auf erhebliche Widerstände stoßen.

Am 30. Januar 2012 beschlossen 25 der 27 EU-Länder jedoch einen Schritt in Richtung gemeinsamer Wirtschafts- und Finanzpolitik: den Fiskalpakt. Sie verpflichteten sich zu strengerer Haushaltsdisziplin und der Verankerung einer Schuldenbremse in nationalem Recht. Die Grenze für das strukturelle Defizit legten sie auf 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung fest, die Gesamtverschuldung soll binnen 20 Jahren auf 60 Prozent der Wirtschaftsleistung gesenkt werden. Nur Großbritannien und Tschechien stimmten der Übereinkunft nicht zu.

So funktionieren Euro-Bonds
Drei mögliche Modelle in der Übersicht
"Jeder haftet für sich"
Das Prinzip

Das Modell setzt auf die Eigenverantwortung der einzelnen Staaten. Nationale Anleihen blieben bestehen, Länder könnten nur eine begrenzte Menge Geld über Gemeinschaftsanleihen aufnehmen. Im Gegensatz zum zweiten Modell würde jeder Staat zudem nur anteilsmäßig für die gemeinsamen Schulden haften.

Der Vorteil des Modells

Da jeder Staat nur bis zu einem bestimmten Anteil haftet, wäre keine Vertragsänderung nötig. Das Modell ließe sich schnell umsetzen. Weil Staaten durch nationale Anleihen weiter auf das Wohlwollen von Investoren angewiesen sind, bliebe die disziplinierende Wirkung durch die Märkte erhalten.

Der Nachteil des Modells

Das Modell würde wohl von allen drei Varianten am wenigsten Erleichterung bei Zinsen bringen. Denn die Haftungsbegrenzung senkt zwar das Risiko für die Partnerländer, doch bei den Investoren dürfte diese Einschränkung eher zu Misstrauen führen. Es würde wohl keine Bestnote beim Rating geben, die Renditen würden dementsprechend nicht so stark sinken. Stabile Länder wie Deutschland würden sich wohl kaum über solche Bonds finanzieren.

"Jeder haftet voll für ein bisschen"
Das Prinzip

Gemeinschaftsanleihen werden zu einer Art Teilfinanzierung der Staatsschulden. Länder könnten weiter eigene Staatsanleihen ausgeben und zusätzlich Geld über Euro-Bonds eintreiben. Die Kreditaufnahme über die Gemeinschaftsanleihen wäre aber begrenzt: Die Menge könnte an die Haushaltsdisziplin der Länder geknüpft werden oder an eine bestimmte Obergrenze. Diese könnte etwa in der sogenannten Maastricht-Grenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bestehen.

Der Vorteil des Modells

Weil sie weiter nationale Anleihen ausgeben, wären die Länder motiviert, sich Vertrauen bei Investoren zu sichern und ihren Haushalt in Ordnung zu bringen. Weil alle Partner voll haften müssten, dürfte das Vertrauen von Investoren hoch sein, die Zinsen dürften sinken.

Der Nachteil des Modells

Weil auch hier alle Euro-Länder voll für die Schulden haften, müssten die europäischen Verträge geändert werden. Die Bonds wären damit zunächst nur ein Signal an die Märkte, dass Europa beim Schuldenmachen enger zusammenrückt.

"Alle haften für alle"
Das Prinzip

Gemeinschaftsanleihen ersetzen die nationalen Staatstitel komplett. Es gäbe europaweit einheitliche Anleihen und damit eine einheitliche Rating-Note. Die Euro-Länder können auf diesem Weg theoretisch unbegrenzt Kredite aufnehmen. Unabhängig von ihrem eigenen Anteil müssten die beteiligten Länder auch für Staaten einspringen, die ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen können.

Der Vorteil des Modells

Das Vertrauen in Staaten mit hoher Kreditwürdigkeit wie Deutschland, die Niederlande, Österreich, Finnland und Luxemburg könnte das Misstrauen der Gläubiger gegen Krisenländer ausgleichen. Diese Gemeinschaftsanleihen wären deshalb bei Kreditgebern sehr gefragt - auch weil der größte Anleihenmarkt der Welt entstünde. Die Gläubiger könnten darauf setzen, dass sie ihr Geld zurückbekommen - wer am Ende wie viel bezahlt, darüber müssten sich die Euro-Staaten untereinander streiten. Eine Europäische Schuldenagentur könnte die Einnahmen aus den Euro-Bonds an die Länder verteilen und die Zinsen für die Gläubiger von den Mitgliedsländern eintreiben.

Der Nachteil des Modells:

Für starke Länder wie Deutschland bedeutet es ein hohes Risiko, weil die Länder unbegrenzt für die Schulden der anderen haften. Der Spardruck auf die Krisenländer könnte angesichts geringerer Zinsen sinken. Dank ihrer starken Partner bekommen sie günstiger Geld, ohne dafür im Gegenzug ihre Haushalte in Ordnung bringen zu müssen. Um Hauhaltssünder zu disziplinieren und die Kredite gerecht aufzuteilen, müsste die EU also strenge politische Regeln aufstellen. Dazu wären umfassende Vertragsänderungen notwendig. Das würde viel Zeit in Anspruch nehmen - für eine schnelle Lösung taugt dieses Modell also nicht.