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Euro-Krise: Deutschland weist Bericht über Sarkozy-Ausraster zurück

Drohte Frankreichs Präsident der deutschen Kanzlerin mit einem Austritt aus der Euro-Zone? Die spanische Zeitung "El País" berichtet, Sarkozy sei beim europäischen Krisengipfel vor wenigen Tagen aus der Haut gefahren und habe Merkel extrem unter Druck gesetzt - doch die Bundesregierung dementiert.

Sarkozy, Merkel (am 7. Mai in Brüssel): Was sagte der Franzose? Zur Großansicht
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Sarkozy, Merkel (am 7. Mai in Brüssel): Was sagte der Franzose?

Berlin - Nicolas Sarkozy soll beim Euro-Krisengipfel vor einer Woche in Brüssel wütend gewesen sein. Sehr wütend, berichtet die spanische Zeitung "El País": Demnach hat der Franzose in den Verhandlungen über die Griechenland-Hilfen "mit der Faust auf den Tisch geschlagen und gedroht, sich aus dem Euro zurückzuziehen". Die Drohung galt dem Bericht zufolge Kanzlerin Angela Merkel. Sarkozy habe die zögernde Regierungschefin unter Druck setzen wollen, damit sie dem Hilfspaket zustimme. Sollte die Euro-Gruppe Griechenland nicht jeden Beistand geben, werde "Frankreich seine Haltung zum Euro ändern".

Die Zeitung beruft sich auf Vertreter der spanischen Sozialisten, die mit ihrer Schilderung Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero wiedergegeben hätten. "Frankreich, Italien und Spanien haben gemeinsam Front gegen Deutschland gemacht", zitierte "El País" den Teilnehmer eines Parteitreffens mit Zapatero. "Sarkozy ist so weit gegangen, Merkel mit dem Bruch der traditionellen französisch-deutschen Achse zu drohen."

Die Bundesregierung allerdings weist zurück, dass das Treffen so ablief wie von "El País" geschildert. "Das entbehrt jeder Grundlage", sagte Merkels Vizeregierungssprecherin Sabine Heimbach der Nachrichtenagentur Reuters zu der angeblichen Euro-Austrittsdrohung. "Ein solcher Satz ist nicht gefallen."

Die Euro-Länder hatten sich bei dem Treffen vor einer Woche darauf verständigt, Griechenland zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bis zu 110 Milliarden Euro an Notkrediten zur Verfügung zu stellen. Tatsächlich war schon in den vergangenen Tagen aus Delegationen der Euro-Länder zu erfahren, dass es bei dem Gipfel am Freitagabend vor einer Woche einen harten Schlagabtausch zwischen Sarkozy und Merkel gegeben haben soll.

"El País" berichtet, Regierungschef Zapatero benutze seit Tagen eine dramatische Rhetorik, wenn er vor der Partei über die Schuldenkrise seines eigenen Landes spricht - um sie zur Unterstützung für unpopuläre Sparaktionen zu bringen. Erst am Mittwoch hatte er unter dem Druck der Finanzmärkte neue Sanierungspläne angekündigt. Spanien gilt mit Griechenland, Portugal und Italien in der Euro-Zone als gefährlich überschuldet.

Die Rolle der deutschen Regierung in der Schuldenkrise ist seit Wochen umstritten; Kanzlerin Merkel wurde Zögerlichkeit und ihre anfängliche Ablehnung der Hilfen vorgeworfen. Sie selbst sagte am Donnerstag, Europa stehe vor der größten Bewährungsprobe seit dem Zusammenbruch des Kommunismus: Scheitere der Euro, "dann scheitert Europa, dann scheitert die Idee der europäischen Einigung".

Der aus Frankreich stammende Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat Deutschland an diesem Freitag aufgefordert, sich für eine stärkere Überwachung der Staatsfinanzen in Europa einzusetzen. "Deutschland ist die größte Volkswirtschaft im Euro-Raum und ein Land mit der Tradition gesunder Staatsfinanzen", sagte er dem "Handelsblatt". "Ich zähle auf die aktive Rolle aller Länder, inklusive Deutschlands, die Funktion der Überwachung einzuführen."

hen/Reuters/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 285 Beiträge
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1. Schon wieder ein Titel
echter_demokrat 14.05.2010
Das ist mir klar, dass der H. Sarkozy so ausrastet. Schließlich sollen mit deutschem Geld französische Banken gerettet werden. Sollte es sich allerdings tatsächlich so zugetragen haben, dann ist es wohl besser für D, wenn die Kanzlerette abtritt. Denn für Umfaller ist in solch einer Position kein Platz. Erst ne dicke Lippe, dann einknicken. Ein bischen Schwanger kann man nicht sein. Entweder, oder
2. Frau Merkel
royal_rumble 14.05.2010
Frau Merkel ist einfach unfähig, Schaden von Deutschland abzuwenden, was sie gemäß ihres Eides tun müsste. Anscheinend knickt sie eher vor dem ein-Meter-sechzig-Choleriker ein, anstatt ein bisschen Rückgrad zu zeigen.
3. bonjour, mcmurdo
mcmurdo, 14.05.2010
Sysop, *ich verstehe Sarko!* Mutti erscheint heuer so lahmarschig, dass wohl jeder Lust gehabt kätte, sie ins Genick zu packen und mit der Nase mitten in die akuten Probleme zu stubsen. Was juckt die Welt Mutti und eine Wahl in NRW. Gut, ist ja jetzt vorbei - jetzt kommen Taten! LOL!
4. .
karsten112 14.05.2010
Na super,ich wette der sprechende Hosenanzug ist noch nicht mal auf die Idee gekommen die Chance zu ergreifen und gleich mit auszusteigen....
5. ...
monotram2 14.05.2010
Zitat von sysopDrohte Frankreichs Präsident der deutschen Kanzlerin mit einem Austritt aus der Euro-Zone? Die spanische Zeitung "El Pais" berichtet, Sarkozy sei beim europäischen Krisengipfel vor wenigen Tagen aus der Haut gefahren und habe Merkel extrem unter Druck gesetzt - doch die Bundesregierung dementiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,694807,00.html
Dumm, das dieses Dementi recht unglaubwürdig wirkt.
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Rettungspaket für Griechenland
Volumen
Griechenland erhält bis 2012 Notfallkredite in Höhe von maximal 110 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Euro-Ländern. Im ersten Jahr werden alle Euro-Länder bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen.
Die Kosten für die Euro-Länder
Den größten Anteil bei der Griechenland-Hilfe der Euro-Staaten steuert Deutschland bei: Mit rund 22,4 Milliarden Euro über drei Jahre trägt die Bundesrepublik etwa 28 Prozent des Gesamtpakets. Allein 2010 entfallen auf Deutschland 8,4 Milliarden Euro. Die deutschen Kredithilfen sollen von der Staatsbank KfW fließen. Die zweitgrößte Summe zahlt Frankreich mit knapp 17 Milliarden Euro, danach folgt Italien mit 14,7 Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will vom gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, das wären damit bis zu 15 Milliarden Euro.

Wo das Geld für Griechenland herkommt
Internationaler Währungsfonds 30 Milliarden Euro
Deutschland 22,3 Milliarden Euro
Frankreich 16,8 Milliarden Euro
Italien 14,7 Milliarden Euro
Spanien* 9,8 Milliarden Euro
Niederlande 4,7 Milliarden Euro
Belgien 2,9 Milliarden Euro
Österreich 2,3 Milliarden Euro
Portugal 2,1 Milliarden Euro
Finnland* 1,5 Milliarden Euro
Irland 1,3 Milliarden Euro
Slowakei* 0,8 Milliarden Euro
Slowenien* 0,4 Milliarden Euro
Luxemburg 0,2 Milliarden Euro
Zypern 0,2 Milliarden Euro
Malta 0,1 Milliarden Euro
* In diesen Staaten steht die Zustimmung des Zustimmung des Parlaments noch aus.
Zinshöhe
Die Zinsen für Kredite der Euro-Länder liegen etwas über jenen der IWF-Darlehen, die Berechnungsweise folgt den Regeln des Fonds jedoch weitgehend. Für einen dreijährigen Kredit müsste Griechenland rund fünf Prozent Zinsen zahlen. Anleihen mit variablen Zinsen hätten als Basissatz den Dreimonats-Euribor. Für festverzinsliche, länger laufende Anleihen würde der Euribor (Zinssatz, den europäische Banken voneinander beim Handel von Termineinlagen verlangen) auf die entsprechende Laufzeit hochgerechnet.

Zusätzlich wird ein Aufschlag von 300 Basispunkten erhoben sowie weitere 50 Basispunkte zur Deckung von Verwaltungskosten. Kredite mit Laufzeiten über drei Jahre würden zusätzliche 100 Basispunkte kosten. Auf diese Weise soll der Zins kein Subventionselement enthalten, und die Euro-Länder würden nicht gegen das Verbot der gegenseitigen Schuldenübernahme im EU-Vertrag verstoßen.

Sparauflagen
Griechenland muss nach Angaben seines Finanzministeriums 30 Milliarden Euro sparen, um die Bedingungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Länder für die Kredithilfen zu erfüllen. Das Sparprogramm der Regierung in Athen umfasst Gehaltskürzungen für Staatsbedienstete, einen Einstellungsstopp im staatlichen Sektor auf unbestimmte Zeit, Rentenkürzungen und Steuererhöhungen.
Bedingungen und Risiken
Die Auszahlung der Hilfen ist an die Einhaltung der Sparmaßnahmen geknüpft, die zwischen Internationalem Währungsfonds (IWF), Euro-Gruppe, Europäischer Zentralbank (EZB) und der Regierung in Athen vereinbart wurden. Der IWF kontrolliert vierteljährlich. Die Gefahr einer Staatspleite ist für Griechenland noch nicht völlig gebannt. Gelingt es der dortigen Regierung nicht, ihr Sparprogramm durchzusetzen, gerät die Geschäftsgrundlage für das Rettungspaket in Gefahr. Verläuft die griechische Wirtschafts- und Haushaltsentwicklung schlechter als angenommen, entsteht zudem neuer Hilfebedarf.
Risiken für den deutschen Steuerzahler
Die deutschen Kredite werden vom Bund garantiert - der übernimmt also das Ausfallrisiko. Werden die Kredite von Griechenland plangemäß zurückgezahlt, könnte Deutschland sogar an den Zinsen verdienen. Denn die Staatsbank KfW kann Kredite zu niedrigeren Zinssätzen aufnehmen und verleiht das Geld dann zu erhöhten Sätzen an Athen. Erst nach drei Jahren dürfte klar sein, ob Griechenland das Geld zurückzahlen kann - falls nicht, muss der deutsche Steuerzahler einspringen.

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