Euro-Krise Europa wird zum Finanz-Schlachtfeld

Schon wieder ist Europa in Gefahr: Irland steht vor der Pleite, Deutschland steht am Pranger, Diplomaten in Brüssel raunen von einer Überlebenskrise der EU. Aber worum geht es wirklich im Poker um den Euro - und wer verfolgt welche Interessen? Ein Überblick über die Ziele der wichtigsten Akteure.

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Berlin - Es sind besonders drastische Worte, die der oberste Europäer da gewählt hat. Wenn man EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy Glauben schenkt, dann geht es gerade um alles: um die Europäische Union. "Wir sind in einer Überlebenskrise", sagt er. Alle müssten jetzt zusammenarbeiten, "um das Überleben der Euro-Zone zu sichern". Und weiter: "Wenn die Euro-Zone nicht überlebt, wird die Europäische Union nicht überleben."

Rompuy gilt als ein recht besonnener Politiker - mit staatlichen Fast-Zusammenbrüchen kennt er sich aus, immerhin war er schon mal belgischer Premierminister. Trotzdem: Geht es nach den Deutschen, dann übertreibt der Mann gehörig: "Ich glaube nicht, dass die Euro-Zone gefährdet ist", sagt Kanzlerin Angela Merkel.

Was denn nun?

Fakt ist, dass die Iren in einer tiefen Schuldenkrise stecken, sie müssen Milliarden in ihr marodes Bankensystem pumpen. Ginge das kleine Land pleite, könnte dies eine Kettenreaktion auslösen, das akut bedrohte Griechenland wäre dann ebenso in Gefahr wie Portugal und Spanien. Und die Folgen für die Stabilität des Euro wären gravierend. Da sind sich alle einig.

Doch was folgt daraus?

Besonders die Europäische Zentralbank (EZB) und die finanziell schwachen Euro-Länder drängen die Iren, schnellstmöglich unter den 750-Milliarden-Euro-Schutzschirm der EU zu schlüpfen. Die Regierung in Dublin zeigt sich mittlerweile dazu bereit.

Irischer Finanzminister fährt im Audi vor

Die Deutschen, so viel ist klar, spielen eine entscheidende Rolle, sie finanzieren den größten Teil des EU-Rettungsschirms. Es sei "ein guter Zug" des irischen Finanzministers Brian Lenihan gewesen, beim Krisentreffen in Brüssel am Dienstag mit einem schwarzen Audi vorzufahren, spottet der "Irish Independent": Denn die Ingolstädter Marke sei ja nun in Deutschland äußerst beliebt.

Merkel hält sich mit Blick auf Irland noch bedeckt. In einer grundsätzlichen Frage aber lässt sie keinen Zweifel aufkommen: Für 2013, wenn die Vereinbarung über den Rettungsschirm ausläuft, drängt sie darauf, auch private Investoren bei einer Staatspleite zur Kasse zu bitten. Wenn es um die Stabilitätskultur des Euro geht, wird Merkel deutlich, wählt Worte Rompuy'schen Ausmaßes - wie auf dem CDU-Parteitag Anfang der Woche: "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa." Es sei eine gemeinsame Aufgabe, eine neue Stabilitätskultur in Europa zu verankern.

Den ärmeren Ländern bereitet Merkels Wunsch nach Beteiligung der privaten Gläubiger dagegen Sorge. Wer würde dann noch bei ihnen investieren, wenn damit zu rechnen ist, im Falle des Falles zur Kasse gebeten zu werden? "Das kann ein Land in die Pleite treiben", polterte Griechenlands Ministerpräsident Georgios Papandreou.

"Das könnte dir das Rückgrat brechen"

Die Bundesregierung habe mit ihrer Haltung "eine Spirale steigender Zinsen" ausgelöst: "Für alle Länder, die in einer schwierigen Position sind, wie Irland und Portugal", sagt Papandreou. "Das ist, als ob jemand dir sagt, weil du in Schwierigkeiten bist, lade ich dir noch mehr auf den Rücken. Das könnte dir aber das Rückgrat brechen." Tatsächlich hat auch die irische Regierung Deutschland bereits eine Mitschuld an der Misere ihres Landes gegeben. Neun Prozent Zinsen müssen die Iren mittlerweile für Schuldtitel mit zehn Jahren Laufzeit zahlen. Das ist fast viermal so viel wie deutsche Bundesanleihen kosten.

Die "Financial Times" berichtet, dass der Ärger der anderen Europäer bereits am "Überkochen" sei: Merkel habe viele ihrer Partner aus der Euro-Zone in unhaltbare Positionen gebracht, um ihr eigenes Standing bei den deutschen Steuerzahlern abzusichern, so die Vorwürfe. "Die sind teilweise nicht zitierbar", sagte Daniel Gros vom Brüsseler "Centre for European Policy Studies" der Zeitung. Die Griechen derweil mühen sich um Abrüstung: "Es gibt keinen griechisch-deutschen Krieg, wie einige Medien es darstellen", so der Athener Regierungssprecher Giorgos Petalotis. Der griechische Ministerpräsident habe "lediglich seine Ansicht zum Ausdruck gebracht".

Was steckt wirklich hinter all diesen Beteuerungen? Wer will was im Kampf um den Euro - und warum? SPIEGEL ONLINE gibt den Überblick:

Akteure der Irland-Krise



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jocurt1 18.11.2010
1. Banken sanieren sich auf Kosten der Steuerzahler
Zitat von sysopSchon wieder ist Europa in Gefahr: Irland steht vor der Pleite, Deutschland steht am Pranger, Diplomaten in Brüssel raunen von einer Überlebenskrise der EU. Aber worum geht es wirklich im Poker um den Euro - und wer verfolgt welche Interessen? Ein Überblick über die Ziele der wichtigsten Akteure. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,729632,00.html
Deutsche Banken haben in Irland Finanzanlagen bspw. Kredite für den Staat. Der deutsche Steuerzahler stützt diese via EU und damit die Anlagen deutscher Banken. Also deutsche Steuerzahler zahlen schon wieder für deutsche Banken. Wieso führen wir nicht gleich einen Bankenzehnt ein. Ich habe nur Spareinlagen zu Tagesgeldkonditionen. Jetzt soll mir kein schlauer Forist erzählen, ich würde davon profitieren.
Peter Kunze 18.11.2010
2. Ein Überblick über die Problematik
Zitat von sysopSchon wieder ist Europa in Gefahr: Irland steht vor der Pleite, Deutschland steht am Pranger, Diplomaten in Brüssel raunen von einer Überlebenskrise der EU. Aber worum geht es wirklich im Poker um den Euro - und wer verfolgt welche Interessen? Ein Überblick über die Ziele der wichtigsten Akteure. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,729632,00.html
Tach, Die Eurozone wird nochmals palliativ behandelt um folgende Probleme nach hinten zu schieben: - Die PIGS sind pleite. Dieses Faktum bewirkt, dass entweder Schuldabschreibungen durchgeführt oder Staatsbankrotte angemeldet werden müssen. - Beides ist lästig. Im ersteren Fall dürfen sich - nach Aussage Dr. Merkel - die Schuldner ihre Einlagen ans Bein streichen. Da dies primär Grossbanken speziell aus Deutschland sind werden auch einige Insolvenzen in diesem Sektor möglich. Was wiederum systemische Rettungshysterie auf Kosten der Steuerzahler auslösen wird. Im zweiten Fall wird die Eurozone zusammenbrechen und die Weltwirtschaft massiv belasten. Zudem treten die Folgen von Fall eins ein. Was auch immer getan wird, die Verlierer an der Geschichte stehen jetzt schon fest: Wir Bye Peter
hausmeister hempel 18.11.2010
3. Das Problem des Euro
Zitat von sysopSchon wieder ist Europa in Gefahr: Irland steht vor der Pleite, Deutschland steht am Pranger, Diplomaten in Brüssel raunen von einer Überlebenskrise der EU. Aber worum geht es wirklich im Poker um den Euro - und wer verfolgt welche Interessen? Ein Überblick über die Ziele der wichtigsten Akteure. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,729632,00.html
Das Problem des Euro ist doch schon bei seiner Geburt angelegt gewesen: Eine währung für sehr unterschiedliche Volkswirtschaften. Hätten Griechen, Iren, Portugiesen, Italiener, Spanier noch ihre eigenen Währungen würden sie sie gnadenlos abwerten und die Probleme für die Länder damit nicht so hart. Man kann doch keine Einheitswärung schaffen in einem Wirtschaftsraum mit völlig unterschiedlichen Steuern, unterschiedlichen volkswirtschaftlichen Kräften. Warum hat man versäumt, das Steuerrecht im Euroland zu vereinheitlichen? Alle EU-Staaten sind hoffnungslos verschuldet, auch das sogenannte "reiche Deutschland". Es gibt in der Geschichte Beispiele, wie Staaten solche Verschuldungen gelöst haben. Was wird der Eurozone anderes übrig bleiben, als den Weg zu gehen, den Deutschland nach dem 1. Weltkrieg gegangen ist? Der Euro ist ein politisches Konstrukt, leider sind die Verantwortlichen bei der Konstruktion auf der Hälfte des Weges stehen geblieben. Das rächt sich jetzt. Ich wette, die Eurozone wird so, wie sie z.Z. existiert, nicht mehr lange so existieren. Entweder werden die Rahmenbedinungen radikal geändert oder der Euro wird bald Geschichte sein.
manten75 18.11.2010
4. Private Gläubiger beteiligen
Das Problem damit ist mir och nicht ganz klar. Ich dachte die hohen Zinsen welche die Walckelkandidaten zahlen müssen wären Ausdruck des Ausfallrisikos. Es ist doch selbstverständlich, das auch private Gläubiger an Zahlungsausfällen beteiligt werden müssen.
hmorun 18.11.2010
5. Halloooo....?
"Wer würde dann noch bei ihnen investieren, wenn damit zu rechnen ist, im Falle des Falles zur Kasse gebeten zu werden?" Soll das nun bedeuten, das man Staaten darauf aufbaut, Zocker ins Land zu holen, die leinerlei Risiken wünschen? Das im Falle einer "Fehlspekulation " der Staat- also die dummen Deutschen, einspringen muss? Nun dann funktioniert ein Staatswesen? Wenn Banken sich austoben können und im Falle des Falles wieder nicht haften dürfen/ müssen? Auf solche Staaten kann die Welt doch getrost verzichten.
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