Leben in der EU Europa? Find' ich wieder gut!

Von wegen EU-Skepsis: Die Stimmung im Staatenbund hellt sich auf, die Folgen der Wirtschaftskrise klingen ab. Laut einer Studie profitieren Parteien am extremen Rand trotzdem.

Die Flagge der Europäischen Union: Bessere Stimmung, größerer Zusammenhalt
AP

Die Flagge der Europäischen Union: Bessere Stimmung, größerer Zusammenhalt


Die Stimmung in Europa wird besser. Eine Studie des US-amerikanischen Meinungsforschungsinstituts "Pew Research Center", die SPIEGEL ONLINE vorliegt, zeigt: Die Mehrheit der EU-Bürger vertraut der Europäischen Union wieder mehr.

In Zeiten der Wirtschaftskrise sah das noch anders aus: 2013 ging es mit der Unterstützung für die EU bergab. Nur noch 52 Prozent hielten die europäische Gemeinschaft damals für sinnvoll. Inzwischen ist der Glaube an Europa offenbar zurückgekehrt - rund 61 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eine positive Meinung von der EU haben.

Für die Studie wurden 6028 EU-Bürger aus Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Spanien und Großbritannien befragt. Die Stichprobe gilt als repräsentativ, da in diesen sechs Staaten rund 70 Prozent der EU-Bevölkerung leben. Das "Pew Research Center" ist ein neutrales Forschungsinstitut, das in regelmäßigen Abständen Umfragen zu politischen und gesellschaftlichen Themen erhebt.

Die wachsende Zustimmung innerhalb der EU geht einher mit einer steigenden Zufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage in Europa. Knapp ein Drittel der Befragten bewertete die europäische Wirtschaft als "gut", 2013 waren es nur 12 Prozent. 46 Prozent finden, dass die EU-Wirtschaft durch die europäische Integration gestärkt wurde - vor allem in Spanien und Großbritannien hat sich dadurch auch die Haltung zur Europäischen Union in den vergangenen zwei Jahren deutlich gebessert.

Auch das Vertrauen in den Euro scheint wieder stabiler zu werden. In keinem der Länder forderte eine Mehrheit die Rückkehr zur alten Währung. Im Gegenteil: Die Befragten stimmten mit einer deutlichen Mehrheit dafür, den Euro zu behalten. Nur die Italiener fielen etwas aus der Reihe - mehr als ein Drittel von ihnen will laut Umfrage ihre Lira zurück.

Doch selbst wenn sich die Stimmung in Europa zu bessern scheint, hat die Eurokrise ihre Spuren hinterlassen: An den rechten und linken politischen Rändern der nationalen Parlamente etablieren sich zunehmend euroskeptische Parteien - und die EU-Bürger scheinen das gut zu finden.

In Spanien, Großbritannien und Italien glauben mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer, dass die neuen Parteien eine willkommene Abwechslung in der politischen Landschaft darstellen und neue Themen auf den Tisch bringen. In Deutschland ist dieser Meinung genau die Hälfte der Befragten. Polen und Frankreich stehen solchen Parteien skeptischer gegenüber. In Frankreich sagten 63 Prozent der Befragten, dass der rechte Front National ihrem Land nicht gut tue.

Auch in Großbritannien hat sich eine Partei erfolgreich weit rechts platziert: Die UK Independence Party (Ukip) schürt seit Jahren euroskeptische Tendenzen. Die Partei beeinflusste sogar den wiedergewählten Premierminister David Cameron so weit, dass er die Briten im Referendum über einen EU-Verbleib abstimmen lässt.

Der Pew-Umfrage zufolge könnte das Votum positiv ausfallen. Rund 55 Prozent der befragten Briten gaben an, dass sie für den Verbleib Großbritanniens in der EU stimmen würden. Nur 36 Prozent wollen die EU verlassen, der Rest enthielt sich. Vor allem die jungen Briten äußerten sich deutlich positiv über einen EU-Verbleib.

Der Europäischen Union gegenüber sind viele der Befragten also aufgeschlossen. Das sieht bei ihrer Einstellung zu Ausländern anders aus. In mehreren EU-Ländern, wie etwa in Frankreich, gab es in diesem Jahr vermehrt Angriffe auf jüdische und muslimische Einrichtungen. Nur 61 Prozent der Befragten in allen Ländern gaben an, Muslime unkritisch zu sehen. In Italien ist die Haltung gegen Muslime am deutlichsten ausgeprägt: Dort hatten lediglich 31 Prozent eine positive Meinung von dieser Bevölkerungsgruppe.

kry



insgesamt 116 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mipez 03.06.2015
1.
Ich kenne keinen aus meinem Bekanntenkreis in Deutschland und Italien der Vertrauen in die EU legt. Europa als Gemeinschaft schlägt da schon besser an, das hat aber mit dem Saftladen der EU nichts zu tun.
unixv 03.06.2015
2. Wiklich?
Lasst die Bürger Europas abstimmen, dann wären die ... Eliten ... aber mächtig überrascht! Klar gewinnen die Rechten vor allem an Wählern, warum wohl? Diese EU-Konstrukt ist toll! für EU-Beamte, Politiker und Bankster!
chrimirk 03.06.2015
3. Die EU-Mitglieder passen nicht zueinander!
So große Unterschiede zu den selben Fragen/Problemen? Allenfalls zwischen D. und F. ist der Unterschied klein und das ist auch gut so. Die anderen sollten noch zu Exerzitien oder, wenns es denen nichts bringt, die EU endlich verlassen. War das noch schön, als die 6 Gründungsstaaten oder später die 10 zusammen waren.
kjartan75 03.06.2015
4. Ich höre die Pegida-AfD-Schreiberlinge wieder....
...kann ja alles nicht sein, die Zahlen sind gefälscht, die Systemmedien lügen nur, bla bla bla...Komisch, dass ihre geliebten Parteien eben das Bild von Pew eigentlich bestätigen. Sie bleiben im marginalen Bereich.
nullneunelf 03.06.2015
5. Erstaunlich
ist, dass sich ein gewisser Anteil immer finden wird, der überfressen und vollversorgt vor dem PC rumsitzt und von der Freiheit eines Putinreichs oder Weißrussland als ernsthafte Alternative phantasiert. Nach dem Motto, egal ob rechts, diktatorisch, pseudolinks, Hauptsache totalitär. Auswandern wäre dringend angezeigt. Am eigenen Leib genießen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.