Umfrage Europäer hoffen wieder auf EU und Euro

Es ist ein ermutigendes Signal kurz vor der Europawahl: Laut einer Studie sehen Europas Bürger die EU und den Euro positiver. Besonders optimistisch sind die Deutschen.

EU-Kommission in Brüssel: Europas Bürger stehen dem Einigungsprojekt wieder etwas positiver gegenüber
AP

EU-Kommission in Brüssel: Europas Bürger stehen dem Einigungsprojekt wieder etwas positiver gegenüber

Von , Brüssel


Die Euro-Krise ist noch längst nicht vorbei. Doch bei den Bürgern auf dem Kontinent wächst der Optimismus, dass das Schlimmste überstanden ist. Laut einer aktuellen Umfrage des renommierten Pew Research Center (siehe PDF) unter Bürgern in Frankreich, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Italien, Polen und Spanien ist die Zustimmung für die europäische Idee deutlich gewachsen.

Lag der Wert in diesen Ländern vor Jahresfrist nur bei 46 Prozent, ist sie mittlerweile auf durchschnittlich 52 Prozent gestiegen. In Frankreich stieg die Zustimmung sogar um 13 Prozent - ein überraschend hoher Zuwachs, schließlich könnte die weiter flaue Wirtschaftslage dort bald sogar zu EU-Strafmaßnahmen wegen Haushaltsdefiziten führen.

Der Glauben wächst auch wieder an jene Prinzipien, welche die Union zusammenhalten sollen - etwa der Grundsatz, dass mehr ökonomische Integration gut für das eigene Land sei. In Großbritannien, Polen und Deutschland liegt die Zustimmung zu dieser These nun bei 38 Prozent, vor einem Jahr waren es lediglich 26 Prozent. Dieser positive Trend ist angesichts erstarkender Anti-Europa-Bewegungen in Großbritannien (Ukip) und in Deutschland (Alternative für Deutschland), die genau diesen Punkt bezweifeln, erstaunlich.

Unterstützung für den Euro

Auch die Ansicht, dass das europäische Einigungsprojekt höheren Zielen wie der Friedenserhaltung dient, bleibt ausgeprägt: Rund 70 Prozent der Befragten sind der Überzeugung, dass die EU-Zusammenarbeit dem Frieden hilft. In Deutschland liegt dieser Wert sogar bei 84 Prozent.

Die Unterstützung für den Euro ist ebenfalls stark, mit rund 70 Prozent Rückendeckung für die Gemeinschaftswährung in Deutschland, Griechenland und Spanien. Lediglich die Italiener spielen mit der Idee eines Euro-Austritts - 44 Prozent der Befragten dort wollen zur heimischen Währung zurückkehren.

Jedoch ist eine Spaltung Europas unverkennbar: In Krisenstaaten wie Griechenland und Italien sagen weniger als ein Drittel der Befragten, die EU kümmere sich auch ausreichend um die europaweite Förderung von Wohlstand. Sehr unterschiedlich ist auch die Wahrnehmung, wie gut sich das eigene Land entwickelt. In Griechenland (5 Prozent), Spanien (8 Prozent) oder Italien (9 Prozent) sieht nur ein winziger Anteil das eigene Land auf einem guten Weg, während in Deutschland 59 Prozent der Befragten dieser Ansicht sind.

Vier von fünf Griechen und Italiener sind auch davon überzeugt, dass ihre Anliegen in Brüssel wenig Gehör finden. Einig sind sich die Befragten in allen sieben EU-Ländern jedoch in ihrer Skepsis gegenüber Einwanderung: Im Schnitt wollen 55 Prozent weniger Immigranten in ihren Ländern.

Dies ist ein fruchtbares Feld für Rechtspopulisten, die bei der Europawahl Umfragen zufolge deutlich zulegen dürften.

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