Nachzahlung gefordert EU stellt Briten Milliardenrechnung

Weil die Wirtschaft stärker gewachsen ist als erwartet, soll Großbritannien EU-Beiträge nachzahlen - und zwar 2,1 Milliarden Euro. Die Forderung bringt Großbritanniens Premier Cameron in Bedrängnis.

EU-Gipfel: Hohe Rechnung für Großbritanniens Premier David Cameron
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EU-Gipfel: Hohe Rechnung für Großbritanniens Premier David Cameron


Brüssel - Großbritannien soll 2,1 Milliarden Euro an die Europäische Union nachzahlen - und zwar bis zum 1. Dezember. Die britische Wirtschaft sei seit 1995 stärker gewachsen als erwartet, deshalb gebe es eine große Diskrepanz zwischen der Summe, die das Land basierend auf dem Bruttonationaleinkommen eigentlich zahlen müsste und der tatsächlich bislang gezahlten Summe. Das berichten die "Financial Times" und der "Guardian" unter Berufung auf Vertreter der EU-Kommission.

"Die Europäische Kommission hat dieses Geld nicht erwartet und braucht es nicht. Und wir werden alles dafür tun, um gemeinsam mit anderen betroffenen Ländern dagegen vorzugehen", sagte ein Vertreter Großbritanniens der Nachrichtenagentur Reuters.

Der scheidende Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte bei einer Pressekonferenz, er wisse von der Zahlungsaufforderung nichts. Dies sei eine "technische Sache", die jedes Jahr aufkomme, sagte ein EU-Vertreter. In Brüssel streiten die Regierungschefs jeden Herbst über den EU-Haushalt.

Außer Großbritannien sollen in diesem Jahr auch die Niederlande EU-Beiträge nachzahlen. Deutschland und Frankreich sollen Geld zurückbekommen.

Für den britischen Premierminister David Cameron kommt die Zahlungsaufforderung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Nach Brüssel war er mit dem festen Vorsatz gereist, alle Haushaltsnachforderungen des Europäischen Parlaments abzulehnen. Den Unterhauswahlkampf hatte er mit scharfer Anti-EU-Rhetorik gestartet, um die Ukip-Sympathisanten in der eigenen Partei an Bord zu halten.

Die Reaktion von Ukip-Chef Nigel Farage ließ auch nicht lange auf sich warten: "Die EU macht klar, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht gelobt, sondern bestraft wird", sagte er dem "Guardian". Wenn Cameron seine Glaubwürdigkeit behalten wolle, müsse er sein Veto einlegen.

Cameron wirbt in Großbritannien damit, der einzige Parteichef zu sein, der den Briten in der kommenden Legislaturperiode ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft geben wird.

"Der Zeitpunkt ist nicht ideal", sagte ein Sprecher der EU. "Aber es gibt Regeln, die wir befolgen müssen."

vet/Reuters

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insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
Herr Hold 24.10.2014
1. Erwartet
Ich hatte auch nicht erwartet, dieses Jahr so viel mehr Geld zu verdienen. Mehr Steuern etc. Zahle ich trotzdem. Seltsame Logik.
chagall1985 24.10.2014
2. Schottland bleibt im UK
Das UK tritt aus der EU aus. Irgendwie hat jede Geschichte irgendwann ein Happy End. Ich werde die Briten nicht vermissen. Sollen die doch ein Handelsbündnis mit den USA schliessen! Dann hätte die EU gleich ein weiteres Problem weniger!
thanks-top-info 24.10.2014
3. nicht erwartet?
die Zahlungen nicht erwartet, und bräuchten sie auch nicht. Der hat echt Humor, oder?
Saïph 24.10.2014
4. Aha
Ich würde mich doch sehr wundern, wenn in Großbritannien selbst für die Einwohner wirtschaftlicher Erfolg nicht auch "bestraft" würde, indem man nämlich bei höherem Einkommen höhere Einkommenssteuern bezahlt.. Warum sollte das also für die EU-Länder anders sein, zumal das sicherlich vertraglich festgelegt ist. Aber wieder mal ne Extrawurst bekommen wollen. Die spinnen, die Briten...
Benjowi 24.10.2014
5. Als Zahlmeister hat man nun einmal Deutschland erkoren!
Eine große Kugel schieben, aber die Verpflichtungen nicht erfüllen, die man vertraglich eingegangen ist-GB wie es leibt und lebt. Es reicht ja, wenn sich Deutschland dumm und dämlich zahlt!
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