Europaparlament Farage und Grillo formieren Fraktion der EU-Feinde

"Wir sind ein Albtraum für Brüssel": Ukip-Chef Nigel Farage wird künftig im EU-Parlament mit dem italienischen Exkomiker Beppe Grillo zusammenarbeiten. Komplett ist die Fraktion der beiden EU-Feinde aber noch nicht - zumal sie bei der Partnersuche Konkurrenz aus Frankreich haben.

Ukip-Chef Nigel Farage: Auf der Suche nach Partnern im Europaparlament
REUTERS

Ukip-Chef Nigel Farage: Auf der Suche nach Partnern im Europaparlament


Brüssel - Es ist eine Kampfansage: "Die Fünf-Sterne-Bewegung und ich werden viel Spaß dabei haben, den Brüsseler Bürokraten viel Ärger zu bereiten", kündigte Nigel Farage, Vorsitzender der britischen Unabhängigkeitspartei Ukip, an. Er hat im Europaparlament eine Allianz mit dem italienischen ehemaligen Satiriker und Chef der Protestpartei Fünf Sterne geschlossen.

Bei einer Online-Abstimmung hatte eine große Mehrheit der Grillo-Anhänger der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) für die Zusammenarbeit mit Farage votiert. Von den rund 29.000 Teilnehmern stimmten knapp 80 Prozent für das Bündnis mit Ukip. Die Mehrheit folgte damit der Empfehlung des Vorsitzenden.

"Sinn für Humor"

Farage zeigte sich hoch erfreut. Er erklärte zur Zusammenarbeit mit der italienischen Protestpartei: "Wir sind ein Traumpaar für die Demokratie und ein Albtraum für Brüssel." Grillo hatte zuvor in einem Interview mit dem "Daily Telegraph" gesagt, Farage sei "kein Rassist" und habe "Sinn für Humor". Wie Fünf Sterne wolle auch der Brite die Einwanderung beschränken, glaubt Grillo.

Allerdings gibt es durchaus Differenzen zwischen den beiden Parteien: Die Ukip fordert den Austritt Großbritanniens aus der EU, die M5S nur ein Referendum über den Euro und das Ende der Kürzungspolitik.

Kommende Woche wollen die beiden EU-Gegner nach eigenen Angaben mit fünf weiteren Delegationen anderer Parteien sprechen. Zwar vereinen sie nun 45 Mitglieder in ihrem Bündnis, aber um eine Fraktion bilden und dafür die durchaus lukrativen Mittel erhalten zu können, brauchen der Brite und Italiener laut Geschäftsordnung des Europaparlaments mindestens 25 Abgeordnete aus sieben Länder.

Bei ihrer Suche konkurrieren sie mit Marine Le Pen vom französischen Front National (FN). Die will ebenfalls eine neue Allianz rechtsextremer Parteien schmieden. Doch noch fehlen der FN-Chefin Abgeordnete aus zwei Ländern. Bisher hat Marine Le Pen die Partei des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders, die italienische Lega Nord, die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) und die offen fremdenfeindliche belgische Partei Vlaams Belang für sich gewonnen.

Gerüchten zufolge soll die Französin auch den polnischen "Kongress der neuen Rechten", dessen Vorsitzender mit Hitler-Vergleichen zuletzt für Kopfschütteln sorgte, und die litauische Partei "Ordnung und Gerechtigkeit" auf ihre Seite gezogen haben. Sicher ist dies jedoch nicht.

Farage und Le Pen haben mit ihren Verhandlungen noch Zeit bis zum 21. Juni. Bis dahin können sie ihre Unterstützerunterschriften sammeln. Falls sie diese Frist überschreiten, können sie ihre neue Fraktion nicht bei der ersten Sitzung in Straßburg am 1. Juli präsentieren - was für den Briten und die Französin nach ihren Wahlerfolgen bei der Europawahl jedoch eine Blamage bedeuten würde.

heb

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.