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Europäische Medien zu Obama in Berlin: "Die Deutschen fühlen sich vernachlässigt"

Von Katja Petrovic

US-Präsident Obama vor dem Brandenburger Tor: "Charmeoffensive" in Berlin Zur Großansicht
DPA

US-Präsident Obama vor dem Brandenburger Tor: "Charmeoffensive" in Berlin

Überwiegend enttäuscht reagiert die europäische Presse auf die Rede des US-Präsidenten in Berlin. Eine schöne "Redeübung", meint "Periodico", eine "Charmeoffensive", findet "Público", die Abrüstungsinitiative kommt laut "Independent" wie "aus einer fernen Zeit".

"Il Sole" aus Mailand erinnert zunächst daran, dass sich Obama seine Rede vor dem Brandenburger Tor hart erarbeiten musste. Als er das letzte Mal als Präsidentschaftskandidat zu Besuch war, verweigerte die Kanzlerin ihm noch dieses Recht:

Nun hat er das Brandenburger Tor und das Treffen mit Merkel bekommen, doch die deutsche Öffentlichkeit ist ihm gegenüber deutlich kühler geworden. [...] Das Land fühlt sich nicht mehr so abhängig von den USA, die es stattdessen als potentielle Problemquelle betrachtet, wie sich an der Finanzkrise gezeigt hat. [...] Die Beziehung zwischen den beiden Regierungschefs ist korrekt, aber nicht warmherzig. Obama erkennt allerdings, dass Merkel die wichtigste Persönlichkeit in Europa ist, mit der man sich befassen muss. Doch Deutschland hat begriffen, dass Europa nicht mehr zu den Prioritäten einer US-Regierung gehört, die sich wirtschaftlich Asien und dem Pazifikraum zuwendet.
"Il Sole 24 Ore"
, Mailand, 20. Juni

"Večernji list" aus Kroatien meint, Obama hätte die Gunst der Stunde viel eher nutzen müssen, als die Deutschen noch sehnsüchtig auf ihn warteten:

Es ist einfach unglaublich, dass der Präsident des mächtigsten Landes der Welt während seiner ersten Amtszeit in den vergangenen vier Jahren nicht einmal das mächtigste Land Europas besucht hat. Die Deutschen haben ihm das nicht verziehen. Sie hatten auf seinen Besuch gewartet, als der alte Kontinent von der Krise heimgesucht wurde, die gerade die USA verursacht hatte. Und obwohl sich Obama offensichtlich vier Jahre lang auf seinen Berlin-Besuch vorbereitet hat, hielt er vor dem Brandenburger Tor nur eine kurze Rede - sie dauerte lediglich 28 Minuten. Im Unterschied zu seinen Vorgängern sagte Obama keinen einzigen Satz, der im kollektiven Bewusstsein verankert sein wird.
"Večernji list"
, Zagreb, 20. Juni

Aber Barack Obama hatte es in Berlin natürlich auch nicht leicht, gesteht ihm "The Independent" aus London zu, musste er es doch mit so berühmten Vorrednern wie John F. Kennedy aufnehmen:

Barack Obama - der als Präsidentschaftskandidat ekstatische Menschenmassen in Berlin für sich begeistern konnte - spürte ganz genau, dass er [mit dieser Rede] ein hartes Stück Arbeit zu bewältigen hatte. Und er wurde wärmstens empfangen. Doch die deutsche Reaktion auf sein Angebot der nuklearen Abrüstung war eher lauwarm. Es schien, als stamme das Angebot aus einer anderen Zeit. Glücklicherweise geht von Berlin heute kein Gefühl der Gefahr mehr aus, und das Brandenburger Tor markiert schon lange keine Grenze zwischen Freiheit und Unterdrückung mehr. Doch das bedeutet auch, dass es Zeit für US-Präsidenten auf Berlin-Besuch ist, sich vom langen Schatten der Rede John F. Kennedys zu befreien.
"The Independent"
, London, 19. Juni

Mit Kennedy konnte es Barack Obama bei weitem nicht aufnehmen, meint "El Periódico" aus Barcelona. Aber immerhin, reden könne er, nur müsse man dem amerikanischen Präsidenten seine Worte auch abnehmen können:

Obamas Problem ist, dass seine so schön ausgedrückten Ideen immer weniger glaubhaft klingen. Es war Skepsis angebracht, als er [in Berlin] wiederholte, er würde die Schließung von Guantanamo anstreben und den massiven Einsatz von Drohnen [...] stark einschränken. Ferner schlug er den Abbau der strategischen Atomwaffen vor, um seinen Worten zufolge die Stellungen des Kalten Krieges hinter sich zu lassen, und vergaß darüber anscheinend völlig seine eigene Rede in Prag aus dem Jahr 2009 über eine atomwaffenfreie Welt oder die Existenz des 2010 zwischen Washington und Moskau geschlossenen Abkommens zur atomaren Abrüstung. Der Obama [vor dem Brandenburger Tor] war weit entfernt von dem Präsidentschaftskandidaten, der 2008 die Berliner begeisterte, von einem John F. Kennedy vor 50 Jahren ganz zu schweigen.
"El Periódico de Catalunya"
, Barcelona, 20. Juni

Skepsis gegenüber Obama legt nach Meinung der französischen Tageszeitung "Libération" vor allem Angela Merkel an den Tag. Der Funke zwischen ihr und ihm sei "so wirklich nie übergesprungen", auch wenn "das Eis" nach außen hin jetzt ansatzweise "gebrochen zu sein scheint".

Doch, glaubt man ihren engsten Beratern, hat Angela Merkel immer noch wenig Vertrauen in diesen Präsidenten, dem man anlastet, sehr viel zu sagen, aber wenig davon umzusetzen. Die Deutschen sind zum Beispiel enttäuscht darüber, dass es keine Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel oder bei der Schließung von Guantanamo gibt. Vor allem jedoch fühlen sie sich vernachlässigt.
"Libération", Paris, 19. Juni

Die linksliberale "Politiken" aus Dänemark hingegen hat durchaus noch Lust, an Obama und seine Versprechen zu glauben:

Er hat daran erinnert, dass eine Welt in Frieden und Freiheit sein Leitgedanke ist. Die Versprechen, die US-amerikanischen Atomarsenale um ein Drittel zu reduzieren, Guantanamo zu schließen und den Klimawandel zu bekämpfen, signalisieren, dass Obama immer daran gelegen ist, diese wichtigen Themen auf die Tagesordnung zu setzen.
"Politiken"
, Kopenhagen, 20. Juni

Das findet "Público" ganz und gar nicht. Die portugiesische Tageszeitung hätte sich ein ganz anderes Thema gewünscht. Zwar sei Obamas Rede eine "Charmoffensive" gewesen, doch leider habe sie "nichts Neues für die Zukunft der transatlantischen Beziehungen gebracht":

Das einzig Neue an der Rede war, dass sie auch den Vorschlag beinhaltete, das amerikanische und russische Atomarsenal zu reduzieren, ein Thema, für das sich Obama schon seit seiner ersten Amtszeit einsetzt. Ein Thema im Einklang mit einer Rede, die mit dem Kalten Krieg begann, um eine Agenda für die Gegenwart vorzuzeichnen, jedoch auch etwas abgehoben von den aktuellen Prioritäten. Es wäre weit wichtiger gewesen, vom Freihandelsabkommen zu sprechen, über das Amerikaner und Europäer die Verhandlungen aufgenommen haben, denn dies ist das wichtigste Instrument, das den Verbündeten auf beiden Seiten des Atlantiks zur Verfügung steht, um sich in einer globalen Welt zu behaupten. Obama [...] hätte genau hier seine Rede ansetzen sollen. Seine Reise nach Berlin war am Ende eine gelungene Charmeoffensive, gab aber keine Auskunft darüber, was Europäer und Amerikaner heute noch gemeinsam repräsentieren können.
"Público"
, Lissabon, 20. Juni

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Nicht alle Deutschen
Mastermason 21.06.2013
Ich fühle mich nicht vernachlässigt. Der Besuch von BO ging mir sonstwo vorbei.
2. jooo...
dunkelmerkel 21.06.2013
...mich hat der Besuch auch relativ wenig interessiert. 4000 ausgesuchte Zuhörer...ppff....lächerlich. Hat er Angst vor Buh-Rufern? Die amerikanischen Präsidenten können zukünftig gerne zuhause bleiben. Ich bin sowieso dafür, dass alle noch verbliebenen amerikanischen Soldaten ihre Sachen packen und sich in irgendein Kriegsgebiet stürzen. Hauptsache weg hier. Man sollte sich in vielen Belangen mal langsam von den Amerikanern etwas lossagen.
3. Viel zu spät...
melony 21.06.2013
...Der Besuch von Obama kam viel zu spät und war durch die Prism-Affäre vorbelastet und dann 4000 ausgewählte Zuschauer, dass spricht gerade eben nicht für den Präsidenten. Obama hat jenen Zauber verloren, der ihn 2008 so einzigartig gemacht hat. Von "Yes, we can!" ist nichts mehr übrig geblieben als ein verschwommenes Trugbild.
4. Obama Besuch ......
Klarsicht 21.06.2013
..... außer Kosten nichts gewesen .....
5. Richtig
till2010 21.06.2013
Die Rede von ihm war eher enttäuschend. Nicht mal ein geschichtsträchtiger Satz den alle erwartet hätten. Stattdessen ein Zumundereden an die Kanzlerin und Wowereit. Und zu Ihrem Kommentar: Grundsätzlich hat keiner das Recht dazu am Brandenburger Tor eine Rede zu halten.
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