Österreichische Initiative EU-Politiker verschmähen "Europe first"-Anstecker

Er wollte Donald Trumps Wahlkampfslogan kontern: Österreichs Finanzminister hat bei einem EU-Treffen Buttons mit dem Spruch "Europe first" verteilt. Doch viele Kollegen verzichteten.

"Europe first"
AFP

"Europe first"


Österreichs Finanzminister Hartwig Löger wollte mit einem eigens entworfenen Anstecker versuchen, das Gemeinschaftsgefühl unter seinen europäischen Kollegen zu stärken. Deshalb ließ er beim Treffen der EU-Finanzminister am Freitag und Samstag in Wien einen blauen Pin mit der Aufschrift "Europe first" verteilen - in Anlehnung an die "America first"-Politik von US-Präsident Donald Trump.

Allerdings steckten nur wenige der Kollegen und der anwesenden Zentralbankchefs den Pin zum Familienfoto am Freitagabend an - auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) verzichtete.

Löger sagte, er habe den Pin "bewusst" für das Finanzministertreffen entwickelt. Dort wurde hart um die Einführung einer stärkeren Besteuerung von großen Internet-Konzernen in Europa gerungen, von denen die meisten aus den USA stammen.

Der Pin solle zum Ausdruck bringen, "dass wir versuchen, nicht auf nationaler, individueller Ebene die Diskussion zu führen", sagte Löger, der für die konservative ÖVP in der Wiener Regierung ist. Es sei vielmehr "der Appell, sich daran zu erinnern, dass Europa eine Gemeinschaft ist und wir nur gemeinsam die Stärke haben, auf globaler Ebene dann auch Diskussionen zu führen".

mho/AFP



insgesamt 13 Beiträge
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caput medusae 09.09.2018
1. Was du nicht willst....
Wenn man der Meinung ist, dass Trumps institutionalisierter Egoismus auf Staatsebene falsch ist, falsch für die Welt, falsch für Freunde und Verbündete und auch falsch für die USA selbst, dann ist eine derart infantile Replik ebenso falsch. Glaube ich, dass Österreich diesen Aspekt einfach nicht bedacht hat? Nein, die "Ausrede" er hätte damit versucht die Gemeinsamkeit der EU auszudrücken ist mehr als fadenscheinig. "Gemeinsam sind wir stark" oder etwas Ähnliches wäre für diese Intention angemessen gewesen. "EU First" ist aus genau der gleichen Schublade wie "America first" von Trump und die Schublade ist ganz tief unten.
opus_111 09.09.2018
2. Es haben leider nur die Populisten Europa entdeckt ...
Es ist so zum K..., dass nur die Populisten auf Europäischer Ebene wirklich zusammenarbeiten. Die etablierten Parteien quer durch Europa sehen immer noch nur das eigene Land. Die EU ist eine Familie wo alle sagen "wir sind eine Familie" und trotzdem jeder ist nur auf sich bedacht. Anstrengung der Euro als gleichberechtigter Weltwährung durchzusetzen, Fehlanzeige. Anstrengung für eine gemeinsame Aussen und Sicherheitspolitik, ggfs. unabhängig von der USA, Fehlanzeige. Anstrengungen Wohlstand und Beschäftigung in der EU besser zu verteilen, Fehlanzeige. Stattdessen, die Kranken kräftig in die Eier treten wenn sie schon Mal am Boden liegen (s. Griechenland, Portugal, z. Teil auch Irland, auch sogar Spanien und Italien. Alleine deswegen weil ich keinen Deutschen Nachfolger für Juncker, als bester Kompromiss vielleicht doch Barnier. Deutschland, bei weitem der größte Nutzniesser von der EU/Euro, ist mir immer noch zu arrogant, selbstherrlich und vor allem US-hörig. Das ist auch warum ich zu meinem eigenen Widerwillen derzeit nur AfD wähle (eine AfE gibt es leider nicht). Nicht Wählen geht nicht, aber die etablierten sind nur noch zum kotzen. Erst aus deren Asche wird wohl ein Phoenix aufstehen, zur Selbstkritik bzw. Richtungswechsel sind sie anscheinend nicht mehr in der Lage ...
PeterVietz 09.09.2018
3. "Europe together"...
...wäre der richtige Spruch gewesen.
claus7447 09.09.2018
4.
Zitat von opus_111Es ist so zum K..., dass nur die Populisten auf Europäischer Ebene wirklich zusammenarbeiten. Die etablierten Parteien quer durch Europa sehen immer noch nur das eigene Land. Die EU ist eine Familie wo alle sagen "wir sind eine Familie" und trotzdem jeder ist nur auf sich bedacht. Anstrengung der Euro als gleichberechtigter Weltwährung durchzusetzen, Fehlanzeige. Anstrengung für eine gemeinsame Aussen und Sicherheitspolitik, ggfs. unabhängig von der USA, Fehlanzeige. Anstrengungen Wohlstand und Beschäftigung in der EU besser zu verteilen, Fehlanzeige. Stattdessen, die Kranken kräftig in die Eier treten wenn sie schon Mal am Boden liegen (s. Griechenland, Portugal, z. Teil auch Irland, auch sogar Spanien und Italien. Alleine deswegen weil ich keinen Deutschen Nachfolger für Juncker, als bester Kompromiss vielleicht doch Barnier. Deutschland, bei weitem der größte Nutzniesser von der EU/Euro, ist mir immer noch zu arrogant, selbstherrlich und vor allem US-hörig. Das ist auch warum ich zu meinem eigenen Widerwillen derzeit nur AfD wähle (eine AfE gibt es leider nicht). Nicht Wählen geht nicht, aber die etablierten sind nur noch zum kotzen. Erst aus deren Asche wird wohl ein Phoenix aufstehen, zur Selbstkritik bzw. Richtungswechsel sind sie anscheinend nicht mehr in der Lage ...
Sehr geehrter opus_111, bei ihrer Grundeinstellung sollten sie sich das mit der AfD mal gründlich überlegen. Sehen sie - sie werden kaum eine Partei finden mit denen sie 100 % übereinstimmen - ich selbst gehöre zu einer im Bundestag vertretenen Partei - und glauben sie wie oft ich hadre! Zu einer "realen Politik gehören eben teilweise Sachzwänge, vorgaben, Gesetze und auch der Koalitionspartner - je nach dem. Aber um es mit Worten eines Foristen zu sagen: wenn mir das Bier in der Kneipe nicht schmeckt muss ich aus der Toilette trinken? Und wenn ich es so lese: der Ursprung - und davon ist nichts geändert: die AfD will den Euro abschaffen - Militär-Allianzen mit Putin eingehen, dabei sind dann noch die netten Bemerkungen von Herrn Gauland wie "Merkel jagen!" den "missliebigen Journalisten die Akkreditierung entziehen!" und "Wir werden auf der Straße Widerstand ausleben, wir werden das System überwinden!" - wollen Sie das alles ....
sander 09.09.2018
5. Endlich mal ein Europäer!
Europe first: Klar hört sich das kurz das wie ein nationalistischer Rückzug an. Um genau den geht es aber nicht. Im Gegenteil. Der Slogan appeliert doch gerade für die Überwindung nationaler Egoismen. Herr Loger, vielen Dank für Ihren Mut. Bleiben Sie dran! Weiter so! Hätte die nationalistisch-egoistische Mehrheit in unserem Europa-Parlament nicht letztes Jahr gegen die Einführung transnationaler Listen gestimmt, meine Stimme hätten Sie bei der näschten Europawahl sicher!
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