Europol-Chef Terrorgefahr in Europa steigt

Europol warnt vor einer steigenden Terrorgefahr in Europa - obwohl diese bereits auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren ist. Die Behörde fordert schnelle Anti-Terror-Kräfte in jedem europäischen Land.

Polizisten in Paris (Archivbild)
AFP

Polizisten in Paris (Archivbild)


Die Gefahr von neuen islamistischen Terroranschlägen in Europa wächst laut der europäischen Polizeibehörde Europol. "Die Terrorgefahr in Europa ist die höchste, die wir seit einer Generation hatten, die höchste der vergangenen 20 Jahre. Und sie steigt auch noch, darauf haben wir Hinweise", sagte Europol-Chef Rob Wainwright der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Allein im vergangenen Jahr seien 718 Menschen wegen Verbindungen zu Dschihadisten festgenommen worden - doppelt so viele wie 2014. "Das war ein extremer Anstieg und zeigt, wie sehr sich Teile der islamistischen Gemeinschaft radikalisiert haben." Insgesamt kamen im Jahr 2016 135 Menschen bei Terroranschlägen ums Leben.

Nach Einschätzung Wainwrights ist das Treffen der G20-Staats- und Regierungschefs Anfang Juli in Hamburg "natürlich ein potenzielles Ziel für Terroristen wie jedes andere wichtige öffentliche Event". Die deutschen Behörden wüssten das und seien vorbereitet: "Ich bin mir sicher, sie tun alles, um das zu verhindern", sagte der Europol-Direktor.

Tatsächlich gab es in Westeuropa in den vergangenen beiden Jahren so viele Terroranschläge wie seit 1997 nicht mehr. Das zeigen Daten der Global Terrorism Database (GTD) der University Maryland, über die SPIEGEL ONLINE im vergangenen Jahr ausführlich berichtet hatte. Zuvor waren Anschläge in Westeuropa seit mehr als 30 Jahren im Schnitt seltener geworden.

Europol-Chef Wainwright forderte mit Blick auf die jüngsten Anschläge in Brüssel, Paris und London schnelle Anti-Terror-Kräfte in jedem europäischen Land. In London habe die Polizei Anfang Juni innerhalb von acht Minuten nach dem ersten Anruf die Attentäter getötet. "Das ist der Standard, den wir überall haben sollten."

Fahnder müssten zudem mehr Möglichkeiten bekommen, die Onlinekommunikation von Terrorverdächtigen wie Messenger-Nachrichten zu überwachen: "Weil Kommunikationskanäle ins Internet abgewandert sind, hat die Polizei einen großen Teil ihrer Möglichkeiten, Terroristen zu überwachen, verloren. Das muss sich ändern", sagte der Chef der Behörde in Den Haag.

max/dpa/Reuters



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