Ex-Bundeswehrsoldaten beim IS Von der Truppe zu den Dschihadisten

Bei der Bundeswehr wächst die Sorge vor Islamisten: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE identifizierten die Behörden fünf weitere Ex-Soldaten, die nach Syrien und in den Irak reisten. Dort kämpfen sie jetzt auf Seiten der Terroristen.

Bundeswehrsoldaten: "Militärische Ausbildung für Anschläge missbraucht"
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Bundeswehrsoldaten: "Militärische Ausbildung für Anschläge missbraucht"

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Bei der Bundeswehr häufen sich Fälle, in denen sich ehemalige Soldaten Terrorgruppen wie dem "Islamischen Staat" (IS) anschließen und dort ihre militärischen Kenntnisse einsetzen. In den vergangenen Wochen identifizierten die Sicherheitsbehörden nach Informationen von SPIEGEL ONLINE fünf weitere Ex-Soldaten, die sich nach Syrien oder in den Irak abgesetzt haben. Damit erhöht sich die Zahl dieser Fälle auf insgesamt 25.

Der für die Sicherheit innerhalb der Bundeswehr zuständige Militärische Abschirmdienst (MAD) bestätigte die neuen Fälle auf Nachfrage. Man habe "zwischenzeitlich neue Erkenntnisse" gewonnen, sagte ein MAD-Sprecher. Die Behörden gehen davon aus, dass sich die Männer bewaffneten Gruppen wie dem "Islamischen Staat" angeschlossen haben. Dort seien sie wegen ihres militärischen Drills hochgeschätzt.

Die steigenden Zahlen der abtrünnigen Soldaten sorgen für Unruhe bei der Bundeswehr und dem MAD: In einem vertraulichen Papier aus dem Wehrressort warnen die Experten, dass "die militärische Ausbildung der Bundeswehr von Extremisten zur besseren Begehung von Anschlägen missbraucht werden" könnte. Laut Geheimdiensterkenntnissen teilen die IS-Kommandeure neue Rekruten mit militärischer Vorausbildung Guerilla-Gruppen zu.

Ideales Terror-Training

Neben den Ex-Soldaten, die sich radikalen Gruppen anschließen, fürchtet man beim MAD auch eine Unterwanderung der Truppe durch Islamisten. Laut dem aktuellen Papier "liegen Hinweise vor, dass islamistische Kreise versuchen, sogenannte Kurzzeitdiener in die Bundeswehr zu bringen". Nach dem Drill bei der Bundeswehr könnten sie ihre Kenntnisse für Terroraktivitäten einsetzen, so die Befürchtung.

Der MAD hat in den vergangenen fünf Jahren bereits 18 radikale Islamisten bei der Bundeswehr ausgemacht. Teilweise kam der Abschirmdienst ihnen nach Hinweisen des Verfassungsschutzes auf die Spur, in anderen Fällen nach eigenen Ermittlungen. Die Betroffenen Soldaten seien daraufhin entlassen worden, heißt es in einer aktuellen Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion.

Die Islamisten könnten sich durch die "professionelle militärische Ausbildung" regelrecht von der Bundeswehr angezogen fühlen, heißt es in dem Papier. Aus Sicht von Experten ist die zwar kurze, aber vielseitige Grundausbildung der Bundeswehr für bereits radikalisierte Einzeltäter durchaus attraktiv. Gerade "Schulungen im Orts- und Häuserkampf sowie im Umgang unter anderem mit Maschinenwaffen, Panzerfäusten und Sprengmitteln" seien ein ideales Terror-Training, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf die Linken-Anfrage.

Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen ist umstritten

Die Bundeswehr will deswegen nun die Sicherheitsbestimmungen verschärfen: "Die bestehende Rechtslage reiche nicht aus, um Bewerber so zu überprüfen, dass "gewaltbereite Extremisten möglichst erkannt" und "von der Einstellung in die Bundeswehr ferngehalten werden können", gesteht das Ministerium in einem Papier ein.

Bei Soldaten, die an Kriegswaffen ausgebildet werden, soll nach dem Willen von Verantwortlichen deshalb ein umfänglicher Check auf extremistische Neigungen durchgeführt werden. Voraussichtlich würde dies jedoch alle Rekruten betreffen.

Aus Sicht des MAD ist diese Verschärfung unumgänglich - doch bisher kommt die Initiative nicht voran. Zum einen wäre ein solcher "Islamisten-Check" aufwendig und teuer. Zum anderen regt sich im Innenressort Widerstand, da eine solche Verschärfung ähnliche Regeln für alle Polizisten, die mit schweren Waffen zu tun haben, nach sich ziehen würde.

Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, bezeichnete die Gefahr einer Unterwanderung der Truppe durch Islamisten als aufgebauscht. "Bei Terrororganisationen im Nahen Osten dürfte es bessere und schnellere Möglichkeiten einer militärischen Grundausbildung geben als den langwierigen Schliff beim Bund", sagte Jelpke.

Mitarbeit: Jörg Diehl



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Aufwache 26.04.2015
1. Diese Nachricht
wird viele Menschen nicht überraschen. Habe vor langer Zeit in einer Nachrichtenzeitung gelesen, daß man schon radikale Muslime bei der Bundeswehr entdeckt hat !
Tolotos 26.04.2015
2. Man wird weder IS- noch das Flüchtlingsproblem in den Griff bekommen, wenn man die Irren weiter machen lässt!
Solange wie der Westen zusieht, wie der Einflussbereich des IS sich immer mehr in ein Reservat für gemeingefährliche Irre verwandelt, lässt er dem Rest der dort lebenden Bevölkerung kaum eine Wahl, als mit allen, auch noch so riskanten Mitteln zu versuchen, in den Teil der Welt zu entkommen, der nicht von Psychopathen kontrolliert wird. Mehr Sorgen als die ehrlichen Flüchtlinge macht mir aber, dass sich über diesen Weg auch IS-Trojaner einschleichen können!
n.nixdorff 26.04.2015
3. Dass
sich Islamisten bei der Bundeswehr Fachwissen holen, kann man wohl nicht wirksam unterbinden. Meines Wissens ist es aber doch so, dass Deutschen, die für eine fremde Macht kämpfen, die Staatsbürgerschaft entzogen werden kann. Lasst sie raus, aber nicht wieder rein. Ansonsten kann man Islamisten wohl nur von der Bundeswehr fernhalten, wenn in jeder Stube Mohammed-Karikaturen hängen müssten, dreimal täglich Schweinefleisch aufgetischt und jeden Sonntag ein Kirchgang zur Pflicht gemacht würde...
klaus.leim 26.04.2015
4. ich
möchte nicht Wissen, wie viele IS Schläfer schon in der Bundeswehr und in Deutschland sich aufhalten.Und offensichtlich weiss es auch nicht der MAD.Sie wissen bescheid wo die Munition & TNT (C4) unbeaufsichtigt lagert,wo mit Maschinenwaffen geschossen wird,wie man einen vollgetankten Panzer kurzschliesst und sie werden auch mit dem G36 bei unserem Klima keine Schwierigkeiten haben. usw.usw.
wolle0601 26.04.2015
5. @n.nixdorff,
sehe ich auch so. Rausfiltern wär das Beste, was passieren kann.
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