Ex-Präsidentschaftsbewerber Edwards: Absturz eines Saubermanns

Von Sebastian Fischer, Washington

Ein einstiger Polit-Star steht vor den Trümmern seines Lebens: John Edwards drohen bis zu 30 Jahre Haft. Der Ex-Präsidentschaftsbewerber der US-Demokraten wollte seine Geliebte mit fast einer Million Dollar ruhigstellen. Das Problem: Er soll dafür Wahlkampfgelder genutzt haben.

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Ex-Präsidentschaftsbewerber Edwards: Komplexes Lügengebäude

Alles glänzte. John Edwards gab den perfekten Kandidaten. Politik für die kleinen Leute wollte er machen, das arme und das reiche Amerika versöhnen. Und natürlich, die Familie war ihm besonders wichtig, stets trat er mit seiner krebskranken Frau Elizabeth auf. Die Botschaft: Zusammenhalt, Ehrlichkeit - und Treue. Das Privatleben von Kandidaten sage "etwas darüber aus, was für eine Art Mensch sie sind" und "was für eine Art Präsident sie wären". Seit 30 Jahren liebe er seine Frau.

Das klang hübsch. War aber alles gelogen.

Denn John Edwards, Vater dreier Kinder und demokratischer Präsidentschaftsbewerber des Jahres 2008, betrog Elizabeth während des Wahlkampfs über Monate. Und nicht nur das. Er schwängerte seine Geliebte, Rielle Hunter, die als Video-Filmerin teil seines Teams war. Andrew Young, einer von Edwards' Gehilfen, bekannte sich zur Vaterschaft, um den Kandidaten aus der Schusslinie zu nehmen.

Immer komplexer wurde das Lügengebäude, Edwards' Berater waren alarmiert. Sie ahnten, was da kommen würde. Erste Gerüchte über eine Affäre dementierte der Präsidentschaftsbewerber scharf: "Die Story ist falsch, sie ist völlig unwahr, sie ist lächerlich."

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John Edwards: Sturz eines Saubermanns

Monate nach seinem Scheitern in den demokratischen Vorwahlen, im August 2008, gestand er die Affäre ein; zu seinem Kind bekannte er sich erst zwei Jahre später. Politisch ist der Mann seitdem erledigt. Doch jetzt könnte es noch schlimmer kommen: Edwards drohen bis zu 30 Jahre Gefängnis.

Es ist nicht die Untreue, die in den USA unter Strafe steht, sondern ein möglicher Verstoß gegen die Regeln der Wahlkampffinanzierung. Denn der heute 58-Jährige soll insgesamt fast eine Million Dollar von zwei Gönnern erhalten haben, um die Affäre mit Hunter zu verschleiern. Das würde die damals erlaubte Maximal-Spende von 2300 Dollar pro Person weit übertreffen.

Privatjets, Einkaufstrips, Luxushotels

Man finanzierte der Geliebten Flüge in Privatjets, Einkaufstrips nach Los Angeles, Übernachtungen in Luxushotels oder die Miete eines Hauses im kalifornischen Santa Barbara. "Edwards wusste, die öffentliche Enthüllung der Affäre und der Schwangerschaft seiner Geliebten würde seine Kandidatur unter anderem dadurch zerstören, dass sie das von ihm vermittelte Bild als Familienmensch in Frage gestellt hätte", heißt es in der Anklageschrift. Der Fall wird in Greensboro, North Carolina, verhandelt; die Jury steht bereits kurz vor Urteilsverkündung.

Edwards' Argumentation: Es handele sich nicht um Wahlkampfspenden, sondern um Geschenke von Freunden. Und dagegen wäre rechtlich wohl kaum etwas einzuwenden. 725.000 Dollar kamen von Rachel Mellon, einer reichen Erbin. Den Rest steuerten Fred und Lisa Blue Baron bei, enge Freunde der Familie Edwards - wohlgemerkt auch Freunde der Ehefrau.

Unklar ist, in welche Richtung die Entscheidung der Geschworenen gehen könnte. Bereits seit vergangenem Freitag laufen die Beratungen - dies könnte auf Uneinigkeit innerhalb dieses Gremiums hindeuten. Rechtsexperten rechnen im Falle einer Verurteilung nicht mit der Ausschöpfung des vollen Strafmaßes. Weniger als fünf Jahre werden für realistisch gehalten.

So oder so, der einstige Vorzeigepolitiker Edwards ist tief gefallen. In seinem Leben ist alles Ex: Ex-Senator aus North Carolina, Ex-Vizepräsidentschaftskandidat 2004, Ex-Präsidentschaftsbewerber 2008 und vor allem: Ex-Saubermann. Er hatte sich sogar noch Hoffnungen gemacht, Vize von US-Präsident Barack Obama werden zu können. Jetzt wollen sie in der Demokratischen Partei mit dem Gescheiterten nichts mehr zu tun haben.

" ... dann ging ich ins Badezimmer und übergab mich"

Seine vor zwei Jahren ihrem Krebsleiden erlegene Frau hat noch kurz vor dem Tod die Affäre in einem Buch verarbeitet: "Ich hatte immer gedacht, dass ich diese Sorte Frau war, der ein Ehemann treu sein müsse", schrieb Elizabeth. Bis zum Dezember 2006. Da habe John ihr sein Fremdgehen gestanden, und da habe sie "geweint, gebrüllt, und dann ging ich ins Badezimmer und übergab mich".

Was Elizabeth Edwards damals nicht wusste: Es sollte nicht bei einer Nacht bleiben. Der Betrug war systematisch. Sie aber ließ sich im Wahlkampf nichts anmerken, die Edwards spielten das perfekte Paar.

Das lange Ende der politischen Karriere des Saubermanns begann im Februar 2006, an einem frühen Abend in der "Library"-Bar des New Yorker Regency Hotels. Edwards hatte ein Glas Rotwein vor sich stehen und vom Nebentisch näherte sich eine Frau namens Rielle Hunter. Die Dinge nahmen ihren Lauf. Edwards engagierte Hunter, eine frühere Yoga-Lehrerin, als Helferin für sein Team. Sie sollte Videos fürs Internet drehen, die den Kandidaten von seiner privaten Seite zeigten. Dafür machte Edwards gut 100.000 Dollar locker, Hunter aber lieferte kaum brauchbares Material. Die Bilder seien verwackelt gewesen, die handelnden Akteure verschwommen oder kaum im Bild, berichtete die "New York Times".

Elizabeth Edwards, die sich erst Anfang 2010 von ihrem Mann zu trennen vermochte, sprach in einem Interview über "diese Frau", wie sie Hunter stets nannte. Deren Anmache habe aus nur vier Worten bestanden: "Du bist so scharf." Warum John Edwards darauf eingegangen sei? "Ich glaube, das weiß er bis heute nicht."

Elizabeth hielt ihren Mann offenbar bis zuletzt nur für ein Opfer der Umstände. Die Geschworenen von Greensboro könnten nun eine andere Auffassung vertreten.

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insgesamt 15 Beiträge
michaelapel62 25.05.2012
für welche Freiheit bomben wir eigentlich in Afghanistan? Und ich bin mir sicher ... es war mehr als nur vier Worte.
für welche Freiheit bomben wir eigentlich in Afghanistan? Und ich bin mir sicher ... es war mehr als nur vier Worte.
flatterhafte 25.05.2012
Wo soll da ein Problem sein? Korrupte Kriminelle in den Knast, und gut is.
Wo soll da ein Problem sein? Korrupte Kriminelle in den Knast, und gut is.
at.engel 25.05.2012
Da ist mal wieder ein Artikel in die falsche Rubrik geraten. Mit "Politik" hat die ganze Geschichte natürlich nichts zu tun. Bestenfalls mit Gesellschaft bzw, einem etwas seltsamen, bigotten Verständnis von Moral; einer [...]
Da ist mal wieder ein Artikel in die falsche Rubrik geraten. Mit "Politik" hat die ganze Geschichte natürlich nichts zu tun. Bestenfalls mit Gesellschaft bzw, einem etwas seltsamen, bigotten Verständnis von Moral; einer reinen Scheinmoral. Wer dagegen verstößt ist gesellschaftlich tot - wird von den Medien zunichte gemacht. Moral muss sein! Und es macht natürlich auch wahnsinnig Spass. Dumm genug sind sie ja auch, diese ganzen karriere-geilen Typen: träumen von politischer Karriere und lassen sich dann mit der erstbesten Blonden ein, die ihnen über den Weg läuft. Irgendwie gehört das anscheinend dazu. Und der Geist ist willig, das Fleisch erst recht. - Danach herrscht erst mal Panik. Aber wie gesagt, hier geht es um Moral, da können die Ansprüche nicht hoch genug sein - vor allem, wenn es um die der anderen geht. Da wird dann meist auch plötzlich richtiger Investigationsjournalismus betrieben; kein Detal wird einem erspaart. Und danach wird dann einer wie G.W. Bush gewählt... na ja, aber es ging hier ja um "Moral" und nicht um Politik.
Altesocke 25.05.2012
Es gibt diese 'Sorte' Frau nicht! Das ist Wunschdenken, bei allen unter 60. Nebenbei sanktionierte sie es auch noch, mit der Aufschiebung der Trennung. interessant das Argument "Von Freunden bekommen". Mal shen, [...]
Zitat von sysop"Ich hatte immer gedacht, dass ich diese Sorte Frau war, der ein Ehemann treu sein müsse", schrieb Elizabeth.
Es gibt diese 'Sorte' Frau nicht! Das ist Wunschdenken, bei allen unter 60. Nebenbei sanktionierte sie es auch noch, mit der Aufschiebung der Trennung. interessant das Argument "Von Freunden bekommen". Mal shen, wie ein Gericht in USA damit umgeht. Bei uns wird ja schon die Klageerhebung abgelehnt!
davidnopotis 25.05.2012
Haben nicht viele der als Saubermänner auftretenden Politiker Freundinnen? Horst Seehofers Dienstwagen konnte man lange Zeit vor dem Schlafzimmer von Frau Fröhlich nächtens geparkt sehen bis sich Anette Fröhlich nicht mehr [...]
Haben nicht viele der als Saubermänner auftretenden Politiker Freundinnen? Horst Seehofers Dienstwagen konnte man lange Zeit vor dem Schlafzimmer von Frau Fröhlich nächtens geparkt sehen bis sich Anette Fröhlich nicht mehr hinhalten lassen wollte und schwanger wurde. Edmund Stöiber hätte angeblich seine Ehe riskiert, wenn er wie geplant im Kabinett von Angelea Merkel den vorgesehenen Superministerposten übernommen hätte, usw. Und wegen der einen Mio? Da hätte Edwards seine Freundin besser mit einem Staatsposten alimentiert. Das machen hier in D doch alle. Posten werden an Vettern, Parteifreunde und Verwandte vergeben auch wenn sie völlig ungeeignet oder wie im Fall der Filmerin die Bilder total verwackelt sind. So wird der lernschwache Leistungsverweigerer Leiter der Gesundheitsabteilung bei entsprechenden Verwandtschftsverhältnissen, wer das elterliche Geschäft nicht erfolgreich weiterführen kann und auch nicht das Saatsexamen besteht, wird der fachliche Vorgesetzte der Erfolgreichen, wenn die für die Postenvergabe erforderliche Habitilation vom Schwiegersohn des Ministers nicht vorgewiesen werden kann, behauptet man, der Laptop ei gestohlen worden (mit der Arbeit drauf, daher keine vorhanden) der andere Schwiegersohn wird im politischen Zirkus der Chauffeur vom eigenen Schwiegervater, usw, In Deutschland wäre Edwards bei der Versorgung seiner Geliebten nicht gescheitert.
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  • Donnerstag, 24.05.2012 – 23:37 Uhr
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Barack Obama

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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