London - George Bushs Memoiren "Decision Points" erscheinen am Dienstag, einige besonders brisante Details aus dem Buch wurden schon vorab bekannt - durch Interviews oder durch Vorabdrucke. Aufsehen erregen vor allem Bushs Ausführungen zum Kampf gegen den Terror.
So verteidigte der ehemalige US-Präsident einmal mehr Folterpraktiken im US-Gefangenenlager Guantánamo. Das dort angewandte sogenannte Waterboarding bezeichnete er in einem Interview der Londoner Zeitung "The Times" als moralisch vertretbar, legal und effizient. Ohne die Anwendung "erweiterter Verhörmethoden" hätte es weitere Angriffe von Terroristen auf die USA und auch auf Großbritannien gegeben. "Drei Leute wurden Waterboarding unterzogen und ich glaube, dass diese Entscheidung Leben gerettet hat", sagte der ehemalige US-Präsident.
Konkret seien geplante Attentate auf den Londoner Flughafen Heathrow und den Bürokomplex Canary Wharf im Zentrum der britischen Hauptstadt aufgedeckt worden. Die Zeitung "The Guardian" druckte am Dienstag Auszüge aus Bushs Erinnerungen "Decision Points". Auch darin beschreibt er Waterboarding als "effektive Methode", die eine große Menge an Informationen gebracht habe.
Bushs Nachfolger Barack Obama erließ nach seinem Amtsantritt Anfang 2009 ein Verbot des Waterboarding. Gleichzeitig stellte Obama jedoch auch klar, dass US-Agenten, die Gefangene mit diesen Foltermethoden unter Druck setzten, nicht juristisch belangt werden können, da sie auf Befehl von oben handelten.
Mit Blick auf den umstrittenen Einmarsch in den Irak 2003 lobte Bush gegenüber der "Times" die bedingungslose Unterstützung durch den damaligen britischen Premierminister Tony Blair. Er habe Blair angesichts eines drohenden Misstrauensvotums kurz vor dem Krieg geraten, seine Unterstützung zu überdenken, sagte Bush. "Ich wollte Tony und seine Weisheit und sein strategisches Denken lieber als Premierminister eines starken und wichtigen Alliierten anstatt die Regierung zu verlieren." Blair habe aber nicht gezögert, seine Unterstützung zu bekräftigen. "Ich bin dabei", habe er gesagt.
Zum Sturz des irakischen Machthabers Saddam Hussein und der dann vergeblichen Suche nach Massenvernichtungswaffen in dem Land schreibt er laut den vom Sender NBC veröffentlichten Auszügen: "Niemand war schockierter oder wütender als ich, als wir keine Waffen fanden." Ihn befalle "jedes Mal ein übles Gefühl", wenn er an diesen Fehlschlag denke. Trotzdem denke er weiter, dass "die Welt nun besser ohne Saddam Hussein an der Macht dasteht".
Seit dem Ende seiner Amtszeit im Januar 2009 hatte sich Bush praktisch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Mit der Buchveröffentlichung kehrt er ins Rampenlicht zurück, US-Medien reißen sich um Interviews mit dem Ex-Präsidenten. Von dem 497 Seiten starken Buch sind in erster Auflage rund 1,5 Millionen Exemplare gedruckt worden.
anr/dpa/AFP
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