Exhumierung: Ermittler entnehmen Proben aus Arafats Grab

Wurde er möglicherweise vergiftet? Acht Jahre nach seinem Tod haben Ermittler aus der Schweiz, Frankreich und Russland aus dem Grab Jassir Arafats mehrere Proben  entnommen. Sie sollen jetzt auf verräterische Plutonium-Spuren untersucht werden.

Mausoleum von Jassir Arafat in Ramallah: Viele Palästinenser glauben an Gift-Mord Zur Großansicht
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Mausoleum von Jassir Arafat in Ramallah: Viele Palästinenser glauben an Gift-Mord

Ramallah - Bei der Exhumierung des Leichnams des früheren Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat sind aus dessen Grab rund 60 Proben genommen worden. Die Ermittler aus der Schweiz, Frankreich und Russland untersuchten nun je ein Drittel davon auf eine mögliche Vergiftung des Politikers hin, sagte der Chef der schweizerischen Ermittlergruppe, Patrice Mangin, der Sonntagszeitung "MatinDimanche". Die Proben sollten unter anderem auf den hochgiftigen Stoff Polonium 210 getestet werden.

Der islamische Mediziner, der bei der Exhumierung am Dienstag als einziger die sterblichen Überreste Arafats berühren durfte, habe "alle gewünschten Proben" entnommen, sagte Mangin. Die Ergebnisse der Untersuchungen würden die schweizerische und die russische Seite an die Palästinensische Autonomiebehörde übermitteln. Die französischen Ermittler würden an die Justiz ihres Landes berichten, wo Arafats Witwe Suha Anzeige gegen Unbekannt wegen der möglichen Vergiftung ihres Manns erstattet hatte, sagte der Schweizer Rechtsmediziner.

Viele Palästinenser verdächtigen Israel, ihren früheren Präsidenten vergiftet zu haben, was das Land jedoch zurückweist. Die Exhumierung der sterblichen Überreste Arafats erfolgte, nachdem im Sommer Spuren von Polonium an persönlichen Gegenständen Arafats gefunden worden waren. Für den Fall, dass sich der Verdacht, Arafat könne vergiftet worden sein, erhärten sollte, kündigte die zuständige palästinensische Untersuchungskommission an, mögliche Verantwortliche vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag bringen zu wollen.

Die UN-Vollversammlung hatte den Palästinensergebieten am Donnerstag unter dem Protest Israels und der USA einen aufgewerteten Beobachterstatus als Nicht-Mitgliedstaat zugebilligt und damit praktisch Staatsqualität bescheinigt. Damit kann die Autonomiebehörde nun das sogenannte Rom-Statut über den IStGH ratifizieren und das Gericht anrufen. Vor dem IStGH kann ein Staat allerdings nur gegen einzelne Verdächtige und nicht gegen ganze Staaten vorgehen.

cib/AFP

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Plutonium? Polonium?
Lagenorhynchus 02.12.2012
Erstens wäre es mir neu, dass der Leichnam auf alle Elemente untersucht würde, die mit P anfangen. Spätestens bei Phosphor wäre ein Nachweis möglich - und das Zeug muß gefährlich sein, das wurde schon in Bomben verbaut... Im Ernst, wer einen prominenten Politiker mit Polonium umbringt, will, dass es bekannt wird. Jeder Medizinstudent im dritten Semester wüßte unauffälligere "Gifte" bzw Methoden zu nennen. Welches Interesse hätte aber der Mossad daran gehabt, einerseits den schwer kranken Arafat offenkundig einem Attentat zum Opfer fallen zu lassen?
2.
atech 02.12.2012
re: "kündigte die zuständige palästinensische Untersuchungskommission an, mögliche Verantwortliche vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag bringen zu wollen." Dagegen ist nichts einzuwenden, sollte es tatsächlich Hinweise auf eine Vergiftung geben. Diese hätte Arafats Tod allerdings nur beschleunigt, da der Palestinenserpräsident damals schon schwer krank war. Sinnvoller wäre allerdings eine Klage gegen heutige Aktionen des Staates Israel gegen noch lebende Palestinenser. Und wichtiger als Gerichtsverhandlungen über erlittenes Unrecht wäre es, wenn auch Staaten im Westen wie die USA, Großbritannien oder Deutschland, die entweder gegen einen Palestinenserstaat bei der UN-Abstimmung stimmten oder sich der Stimme enthielten, erkennen, dass es Israels Regierung ist, die das Zwei-Staaten-Modell hintertreibt. Nicht Palestina. Ganz aktuell: Nahost-Konflikt - Israel friert Zahlungen an Palästina ein - Politik - Süddeutsche.de (http://www.sueddeutsche.de/politik/nahost-konflikt-israel-friert-zahlungen-an-palaestina-ein-1.1539310) Das israelische Kabinett verabschiedete außerdem einstimmig eine Resolution, derzufolge das Land nicht auf Basis der Anerkennung des Staates Palästina durch die UN-Vollversammlung mit den Palästinensern verhandeln wird. "Die Entscheidung (der UN) wird keine Basis für künftige Friedensverhandlungen darstellen und bringt die Bemühungen um eine friedliche Regelung nicht weiter", hieß es unter anderem im Entschluss der Regierung. Israel habe ein "Recht und Ansprüche auf die umstrittenen Gebiete" des historischen Palästinas.
3. Chemie-Nobelpreis für SPON?
peakoilnow 02.12.2012
Wow, SPON hat es geschafft, Polonium in Plutonium zu verwandeln. Das sollte den Chemie-Nobelpreis nach sich ziehen.
4. Warum keine Probe an Israel
ein-berliner 02.12.2012
Zitat von sysopGetty ImagesWurde er möglicherweise vergiftet? Acht Jahre nach seinem Tod haben Ermittler aus der Schweiz, Frankreich und Russland mehrere Proben aus dem Grab Jassir Arafats entnommen. Sie sollen jetzt auf verräterische Plutonium-Spuren untersucht werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/exhumierung-ermittler-entnehmen-proben-aus-arafats-grab-a-870507.html
Bei Dopingproben ist die B-Probe üblich.
5. Polonium?
priexo 02.12.2012
Po-210 hat eine physikalische Halbwertszeit (HWZ) von 138,4 Tagen. Das heißt, es dürfte heute, ziemlich genau acht Jahre und damit etwa 21 HWZ nach Arafats Tod, kaum noch etwas übrig sein, sollte der Palästineserpräsident wirklich damit vergiftet worden sein. "Kaum noch etwas" entspricht der ursprünglichen Po-210-Konzentration multipliziert mit 2^(-21)! Also: wonach will man bei dieser Untersuchung eigentlich suchen? Beim radioaktiven Zerfall von Po-210 entsteht Blei (Pb-206), welches stabil ist. Dieses wäre m.E. wohl nachweisbar, wäre aber m.E. höchstens ein indirekter Beweis, da erstens die ursprünglichen Po-210-Konzentrationen schon sehr gering gewesen sein müssen, und zweitens Pb-206 ja auch aus anderen Quellen stammen könnte! Mir ist der Sinn dieser Untersuchung aus den mir bekannten Fakten heraus überhaupt nicht schlüssig! Auch die von mir gelesenen Berichte tragen nichts zur Klärung bei - wenn ein Physiker hier im Forum helfen kann: bitte tun Sie es!
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