Expertenempfehlung für das Pentagon "Notfalls saudi-arabische Ölfelder okkupieren"

Im Kampf gegen den internationalen Terrorismus haben Berater des US-Verteidigungsministeriums brisante Empfehlungen diskutiert. Danach sollten die USA saudi-arabische Ölfelder okkupieren, falls das Land nicht mehr gegen den Terrorismus unternehme. Das Pentagon distanzierte sich inzwischen von den Vorschlägen.


Washington - In dem von der US-Regierung finanzierten Vortrag, der am 10. Juli vor dem "Defense Policy Board" gehalten wurde, hieß es weiter, Saudi-Arabien sei der "Kern des Bösen" und der gefährlichste Gegner der USA im Nahen Osten. "Es unterstützt unsere Feinde und greift unsere Alliierten an." Die Saudi-Araber seien überall in der Terrorkette aktiv, von der Planung bis zur Finanzierung, vom Anführer bis zum Fußsoldaten, vom Ideologen bis zum "Cheerleader". Dem Defence Policy Board gehören eine Reihe einflussreiche Intellektuelle sowie hochrangige ehemalige Regierungsmitarbeiter an. Es berät das Pentagon in strategischen Fragen.

Obwohl die brisanten Empfehlungen der offiziellen Haltung der US-Regierung diametral zuwiderlaufen, wonach Saudi-Arabien einer der wichtigsten Alliierten in der Region ist, ist die Diskussion nach Einschätzung der "Washington Post" bezeichnend dafür, dass solche Auffassungen derzeit in der Bush-Regierung immer mehr Anhänger finden.

Vorsitzender des Defence Policy Boards ist Richard N. Perle, ein früherer Pentagon-Mitarbeiter, der auch zu den stärksten Befürwortern eines amerikanischen Militärschlags gegen den Irak zählt. Ausgearbeitet habe die Empfehlungen offenbar Laurent Murawiec, ein früherer Berater des französischen Verteidigungsministeriums, schreibt die "Post".

"The Coming Saudi Showdown"

Auch in neokonservativen Magazinen wurde in den vergangenen Wochen die anti-saudische Stimmung angeheizt. In einer Ausgabe der Rechtsaußen-Postille "Weekly Standard", die von William Kristol dem Stabschef des früheren US-Vizepräsidenten Dan Quayle geleitet wird, hieß es kürzlich: "The Coming Saudi Showdown" ("Die bevorstehende Machtprobe mit den Saudis"). Die aktuelle Ausgabe der Politmagazins "Commentary" das vom American Jewish Committee herausgegeben wird, enthält einen Artikel mit der Überschrift: "Our Enemies, the Saudis." ("Unsere Feinde, die Saudis")

Erst drohen, dann ins Visier nehmen

Nach den im Defence Policy Board diskutierten Empfehlungen sollten die Amerikaner Saudi-Arabien ein Ultimatum stellen. Die Regierung in Riad müsse aufgefordert werden, jegliche finanzielle Unterstützung fundamental-islamistischer Gruppen umgehend einzustellen, alle anti-amerikanischen und anti-israelischen Äußerungen im Land zu unterbinden und die zu verfolgen oder zu isolieren, die etwas mit dem Terrorismus zu tun hätten - "einschließlich saudischer Geheimdienste". Sollte die saudi-arabische Regierung das Ultimatum nicht erfüllen, müssten die USA Ölfelder und Geldquellen in Übersee "ins Visier nehmen", schlugen die Berater vor.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld stellte noch am Dienstag klar, dass die Vorschläge nicht die Haltung der Regierung widerspiegelten. "Saudi-Arabien ist so wie alle anderen Staaten", erklärte Rumsfeld, mit manchen der Aktivitäten seien die USA einverstanden, mit anderen nicht. Nach den Terroranschlägen vom 11. September habe sich herausgestellt, dass viele Terroristen zufällig Saudi-Araber seien.



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