Afghanistan Mindestens 40 Tote bei Explosionen in Kabul

Bei einer Anschlagserie in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 40 Menschen getötet worden. Als einige Menschen den Verletzten helfen wollten, explodierten weitere Sprengsätze.


Der Anschlag ereignete sich offenbar in einem Kulturzentrum: Bei einer Serie von Explosionen in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen. Viele weitere Personen seien verletzt worden, teilte das afghanische Innenministerium mit.

Demnach sprengte sich zuerst ein Selbstmordattentäter in dem Gebäude in die Luft. In dem Kulturzentrum wurde zum Tatzeitpunkt eine Feier zum 38. Jahrestag des sowjetischen Einmarschs nach Afghanistan abgehalten. Als Menschen zu Hilfe eilten, explodierten vor dem Haus weitere Sprengsätze. Mindestens 30 Menschen wurden nach Angaben des Sprechers verletzt.

Der Anschlag geschah in einem schiitischen Viertel der Stadt. Dort hat die sunnitische Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in den vergangenen Monaten wiederholt schwere Attentate verübt - erst vor wenigen Tagen starben bei zwei Anschlägen im Land mindestens 13 Menschen.

Sicherheitslage in Afghanistan hat sich verschlechtert

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich seit dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes im Dezember 2014 drastisch verschlechtert. Viele Menschen befinden sich auf der Flucht: 2017 sind bislang knapp 350.000 Menschen vor Gefechten zwischen radikalislamischen Taliban und Sicherheitskräften aus ihren Heimatorten geflohen. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Uno-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) hervor.

Die radikalislamischen Taliban kontrollieren oder beeinflussen mittlerweile mehr als 13 Prozent des Landes. Das sind 54 der 407 Bezirke des Landes und neun mehr als noch vor sechs Monaten.

Die Truppen der Nato-Verbündeten hatten Ende 2014 ihren Kampfeinsatz im Land beendet und danach die Ausbildungsmission Resolute Support gestartet. Derzeit haben die USA etwa 8400 Soldaten in Afghanistan stationiert. Rund 7000 beteiligen sich an der Ausbildungsmission. Sie wird auch von der Bundeswehr mit derzeit rund 930 Soldaten unterstützt.

mho/dpa/AFP/Reuters



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