Explosion in Kopenhagen: Hotelbomber wollte wohl "Jyllands-Posten" attackieren

Der in Kopenhagen festgenommene mutmaßliche Bombenleger hatte offenbar die Zeitung "Jyllands-Posten" im Visier: Der dänischen Polizei zufolge bastelte er an einer Briefbombe, der Sprengsatz detonierte jedoch in seinem Hotelzimmer. Das Blatt hatte 2005 Mohammed-Karikaturen veröffentlicht.

Polizeiauto vor Jyllands-Posten in Viby: Sollte hier eine Briefbombe explodieren? Zur Großansicht
dpa

Polizeiauto vor Jyllands-Posten in Viby: Sollte hier eine Briefbombe explodieren?

Kopenhagen - Er plante offenbar einen Anschlag auf die Zeitung "Jyllands-Posten": Der in Kopenhagen festgenommene mutmaßliche Bombenleger habe "aller Wahrscheinlichkeit nach" eine Briefbombe an die Redaktion in der Stadt Viby schicken wollen. Dies sagte der Leiter der Ermittlungen, Svend Foldager, am Freitag. Die Bombe - ein mit Sprengstoff und Metallkugeln gefüllter Umschlag - sei bereits fertiggestellt gewesen und habe die Kraft einer Handgranate gehabt. Mit der Bombe hätte demnach jemand verletzt, aber nicht getötet werden können.

Der Mann war vor einer Woche nach einer Explosion in einer Hoteltoilette in der dänischen Hauptstadt verletzt aufgegriffen worden. Er wurde wegen der "Herstellung einer Bombe mit dem Ziel einer Explosion" angeklagt. Der Sprengsatz enthielt der Polizei zufolge Triaceton-Triperoxid (TATP) - dieses Material diente bei den Terroranschlägen von London 2005 als Zünder.

Demnach explodierte die Bombe nur aus Versehen schon in dem Hotel. Der Mann erlitt Schnittwunden am Gesicht, weitere Verletzte gab es nicht. Laut Polizei handelt es sich bei dem Mann aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Tschetschenen, der seit einigen Jahren in Belgien lebte.

Die "Jyllands-Posten" hatte im September 2005 Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht und damit in der muslimischen Welt eine Welle der Empörung ausgelöst. Wenige Monate nach der Veröffentlichung mussten wegen einer Bombendrohung mehrere Redaktionsbüros geräumt werden, Mitarbeiter der Zeitung erhielten in der Vergangenheit mehrfach Morddrohungen. Auf den Zeichner der Karikaturen, Kurt Westergaard, wurde Anfang des Jahres ein Mordanschlag verübt, dem er aber knapp entging.

Westergaard erhielt vor einer Woche den Potsdamer Medienpreis für seine unbeugsame Haltung. Kanzlerin Angela Merkel würdigte den Mut des dänischen Karikaturisten. Als Zeichner dürfe Westergaard derartige Karikaturen fertigen. Die europäischen Staaten seien ein Ort, wo dies möglich sei. "Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut", sagte die Kanzlerin.

kgp/AFP/dapd/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Komisch
Marlin 17.09.2010
dass der Mann als Tschetschene keine besseren Ziele findet. Wunderbare Macht des Glaubens..
2. tja,
brooklyner 17.09.2010
Zitat von sysopDer in Kopenhagen festgenommene mutmaßliche Bombenleger hatte offenbar die Zeitung "Jyllands-Posten" im Visier: Der dänischen Polizei zufolge bastelte er an einer Briefbombe, der Sprengsatz detonierte jedoch in seinem Hotelzimmer. Das Blatt hatte 2005 Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,718170,00.html
Das nennt man dann wohl „Instant Karma”...
3. ah
johan83 17.09.2010
bitte eine deutliche strafe, um den radikalen muslimen hier in europa zu zeigen, dass menschenrechte hier menschenrechte aktiv oraktiziert werden und diese natürlich jeder religion und deren ausübung vorzuziehen sind.
4. London, Kopenhagen, wir sind von "terrorwütigen Muslimen" umgeben
almabu! 17.09.2010
Zitat von sysopDer in Kopenhagen festgenommene mutmaßliche Bombenleger hatte offenbar die Zeitung "Jyllands-Posten" im Visier: Der dänischen Polizei zufolge bastelte er an einer Briefbombe, der Sprengsatz detonierte jedoch in seinem Hotelzimmer. Das Blatt hatte 2005 Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,718170,00.html
Da soll wohl offenbar die Stimmung in der Öffentlichkeit für einen Überfall auf den Iran präpariert werden? Nachtigall, ich hör' Dir trampeln!
5. ...
dr.yamak 17.09.2010
"Nein, nein, Herr Polizist, die ist nur zu Dekozwecken, die soll das Stadtbild verschönern aber explodieren soll sie nicht" > "Achso, na dann ist gut"
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Dänemark
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 18 Kommentare

Chronologie des Karikaturenstreits
30. September 2005
Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlicht zwölf Karikaturen zum Islam. Einige von ihnen bringen die Religion und ihren Propheten mit dem modernen Terrorismus und mit Selbstmordanschlägen in Verbindung. So zeigt eine von Kurt Westergaard angefertigte Zeichnung Mohammed mit einer Bombe in Form eines Turbans auf dem Kopf. Die muslimische Welt reagiert empört sowohl auf die Verbindung ihrer Religion mit dem Terrorismus als auch auf die Verbildlichung Mohammeds, die für viele Muslime eine Beleidigung des Propheten darstellt.
Oktober bis November 2005
Dänische Muslime gehen aus Protest gegen die Karikaturen auf die Straße. Eine niederländische Zeitung veröffentlicht die Zeichnungen ebenfalls.
Januar 2006
Die Protestwelle schwappt auf arabische Länder über, Saudi-Arabien zieht seinen Botschafter aus Dänemark ab.
Februar 2006
Auch zahlreiche europäische Zeitungen veröffentlichen unter der Verteidigung der Pressefreiheit einige oder alle Karikaturen der "Jyllands-Posten". Bei weltweiten Protesten in muslimischen Ländern sterben Dutzende Menschen, dänische Botschaften und andere Einrichtungen des Landes werden beschädigt.
Februar 2008
Die dänische Polizei teilt mit, ein Mordkomplott gegen Westergaard verhindert zu haben. In Reaktion darauf veröffentlichen mehrere dänische Zeitungen erneut die umstrittenen Bilder.
März 2008
Qaida-Führer Osama Bin Laden droht Europa wegen der Karikaturen mit einer "Abrechnung".
2. Juni 2008
Bei einem Bombenanschlag vor der dänischen Botschaft in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sterben acht Menschen.
April 2009
Die dänische Gesellschaft für Pressefreiheit verkauft - von Kurt Westergaard handsignierte - Drucke der umstrittenen Mohammed-Karikatur für 250 Dollar das Stück.
Oktober 2009
In Chicago werden zwei Männer verhaftet, die einen Anschlag auf das Gebäude der "Jyllands-Posten" geplant haben sollen.
2. Januar 2010
Ein somalischer Islamist dringt mit einem Messer und einer Axt bewaffnet in Westergaards Haus ein und bedroht den Zeichner. Der Angreifer wird von der Polizei überwältigt und noch am gleichen Tag wegen versuchten Mordes angeklagt.

AFP
26. Februar 2010
Die dänische Zeitung "Politiken" entschuldigt sich in einem Vergleich mit einer Vereinigung von Mohammed-Nachfahren dafür, Muslime mit dem Abdruck der Karikaturen gekränkt zu haben. Dänische Politiker reagierten überwiegend entrüstet auf die Entschuldigung.
September 2010
Ein im Juli festgenommener Verdächtiger, der aus dem Irak stammt, gesteht, einen Anschlag auf die "Jyllandsposten" geplant zu haben. Zuvor hatte die Polizei in Kopenhagen einen anderen Mann festgenommen, der angeblich eine Briefbombe zur "Jyllandsposten" schicken wollte. Am 30. September - exakt fünf Jahre nach der ersten Veröffentlichung - erscheint das Buch von Flemming Rose "Tyrannei des Schweigens". Darin analysiert er die vergangenen Jahre und den Streit um die Cartoons.