Explosionen in Bangkok: Gesuchter Iraner in Malaysia gefasst

Er war bereits nach Kuala Lumpur geflüchtet, dort schlug die Polizei zu: Nach den Explosionen in Bangkok ist ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. Die Polizei in Thailand bestätigte, dass das Ziel der Iraner israelische Diplomaten gewesen seien.

Überwachungskamera: Bilder der thailändischen Polizei zeigen die verdächtigen Iraner Zur Großansicht
AFP/ Thai Police

Überwachungskamera: Bilder der thailändischen Polizei zeigen die verdächtigen Iraner

Kuala Lumpur/Bangkok - Nach den Bombenexplosionen in Thailand ist ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. Die Behörden in Malaysia haben einen Iraner festgenommen. Wie ein hoher Polizeioffizier am Donnerstag in Kuala Lumpur mitteilte, wurde der Verdächtige am Mittwochabend auf dem Internationalen Flughafen der malaysischen Hauptstadt gefasst.

"Wir wurden von unseren thailändischen Kollegen über die Verwicklung des Verdächtigen in angebliche Anschläge gegen dortige Diplomaten informiert", sagte Chefinspektor Ismail Omar. "Gegen ihn wird wegen terroristischer Aktivitäten im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen in Thailand ermittelt."

Thailand will die Auslieferung des Iraners beantragen, sagte der thailändische Polizeichef Prewpan Dhamapong am Donnerstag.

Zwei weitere Iraner sind in Thailand bereits seit Dienstag in Haft. Einer der beiden war nach Angaben der dortigen Behörden schwer verletzt worden, als er versucht hatte, in der Hauptstadt Bangkok einen Sprengsatz auf ein Polizeifahrzeug zu werfen. Zuvor war es bereits zu zwei Explosionen gekommen, bei denen mehrere Menschen verletzt wurden.

Die Hintergründe der Explosionsserie in Bangkok werden immer klarer: Zunächst bestand für Israel kein Zweifel mehr an den Plänen der Attentäter. Man könne davon ausgehen, dass die diplomatische Vertretung Ziel der Attentäter war, sagte Itzhak Schomhan, israelischer Botschafter in Thailand. Die Regierung in Teheran bestritt indes jede Verbindung zu den Taten.

Polizei: Ziel waren israelische Diplomaten

Nun bestätigt auch die thailändische Polizei, dass die festgenommenen Iraner Anschläge auf israelische Diplomaten geplant hatten. Das Ziel der Verdächtigen sei spezifisch gewesen und habe sich gegen israelische Diplomaten gerichtet, sagte Polizeichef Prewpan Dhamapong am Mittwochabend im thailändischen Fernsehen.

Er bestätigte auch Berichte, wonach die Sprengsätze, die am Ort der Explosion entdeckt wurden, die gleichen seien, die Anfang der Woche an Autos israelischer Diplomaten in Indien und Georgien angebracht worden waren.

Das Haus in Bangkok war auf den Namen einer Iranerin angemietet, die sich angeblich zum Lernen von Thailändisch im Land aufhielt, sagte der Polizeichef. Alle vier Verdächtige sollen wegen Mordversuchs und Sprengstoffbesitzes angeklagt werden.

Das Komplott war aufgelogen, nachdem sich am Dienstag nur wenige Blocks von der israelischen Botschaft entfernt mehrere Explosionen ereigneten. Eine erste Detonation beschädigte ein Einfamilienhaus, das sich als Versteck der Iraner entpuppte. Die Polizei entdeckte in dem Haus Plastiksprengstoff und weitere Sprengsätze. Zwei Männer waren nach der ersten Explosion geflohen. Einen Komplizen ließen sie in ihrer Panik zurück: Der floh allein, war aber offenbar bei der Explosion verwundet worden. Er humpelte die Straße entlang, warf erst eine Handgranate auf ein Taxi, dann eine auf die anrückende Polizei. Sie prallte an einem Baum ab und riss dem Attentäter beide Beine ab.

fab/dpa/dapd/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
0175transalp 16.02.2012
Vielleicht liegt es daran, dass (noch und zum Glück) die verantwortlichen Politiker in Israel sich dreimal überlegen, ob sie einen Konflikt lostreten, der am Ende nicht kontrollierbar sein wird? Kanonenboot-Diplomatie ist so wie Rauchen über dem offenen Benzinfass. Einfach mal denken vorm Schreiben.
2. ...
keyoz 16.02.2012
was ist denn das für eine stümperhafte terrortruppe? erst jagen sie ihr eigenes versteck in die luft und verwunden einen komplizen, dann schaffen sie es nicht mal, an der israelischen botschaft überhaupt schaden anzurichten und ein weiterer wirft wild mit handgranaten um sich und reisst sich beide beine ab?
3.
Michaelf76 16.02.2012
Zitat von keyozwas ist denn das für eine stümperhafte terrortruppe? erst jagen sie ihr eigenes versteck in die luft und verwunden einen komplizen, dann schaffen sie es nicht mal, an der israelischen botschaft überhaupt schaden anzurichten und ein weiterer wirft wild mit handgranaten um sich und reisst sich beide beine ab?
Wer intelligent ist verschreibt sich nicht dem Dschihad! Als der Iran in den 80er Jahren zehntausende Kinder und Jugendliche als Märyter gegen irakische Stellungen rennen liess waren das fast ausschliesslich arme Bauernkinder ohne entsprechende Bildung
4. Beide Seiten puschen sich hoch
nesmo 16.02.2012
Zitat von sysopREUTERSEr war bereits nach Kuala Lumpur geflüchtet, dort schnappte die Polizei zu: Nach den Explosionen in Bangkok ist ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. Die Polizei in Thailand bestätigte, dass das Ziel der Iraner israelische Diplomaten gewesen seien. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815588,00.html
und jede Seite ist zutiefst davon überzeugt, im Recht zu sein. Wenn jeder Gegenschlag stärker wird, wie soll das anders als in einer Katastrophe enden? Wer sich im Recht fühlt, sich rächen zu dürfen, ist für Vernunftargumente nicht mehr zu gewinnen. Solange der Iran meint, atomar aufrüsten zu dürfen und Israel sich im Recht fühlt, dies verhindern zu dürfen, geht die Gewaltspirale unaufhaltsam weiter. Israel wird zuschlagen und der Iran wird sich rächen. Wie soll man das noch aufhalten?
5. Manchmal...
Airkraft 16.02.2012
gibt es offenbar doch eine Art von höherer Gerechtigkeit. "Er humpelte die Straße entlang, warf erst eine Handgranate auf ein Taxi, dann eine auf die anrückende Polizei. Sie prallte an einem Baum ab und riss dem Attentäter beide Beine ab. "
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Israel-Iran-Konflikt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 9 Kommentare

Bevölkerung: 68,139 Mio.

Fläche: 513.000 km²

Hauptstadt: Bangkok

Staatsoberhaupt: König Bhumibol Adulyadej

Regierungschef: Armeechef Prayuth Chan-ocha (seit 22. Mai 2014)

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Thailand-Reiseseite

Irans Atomprogramm
Streit
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.